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12 Jahre alt
Die kalifornische Sonne brannte heiß auf die Haut der drei Freunde und Bob kam schnell ins Schwitzen, als er mit Justus und Peter durch die Seitenstraßen von Rocky Beach radelte, um im großen Park ein Picknick zu machen. Justus war ebenfalls am Keuchen und war stiller als sonst. Nur dem dritten im Bunde, Peter, schien die Hitze nichts auszumachen. Munter düste er vor ihnen her, eine Hand lässig auf seinem Bein abgestützt. Er lachte fröhlich, während der Picknickkorb auf seinem Rückträger klapperte.
Schon bald kam der Park in Sicht und die drei Jungen bogen auf einen der Pfade ein, die weiter hinein in das Gelände führten. Der Asphalt unter ihren Rädern wurde durch Pflastersteine ersetzt und Bob wurde ordentlich durchgeschüttelt.
“Mann, ich hasse es hier zu fahren!” maulte Justus und wischte sich über die Stirn. Peter war wieder neben seinen Freunden eingefallen und lachte laut. “Ach komm, Just! Es ist doch nur kurz. Wir sind schon fast da.”
Bob schaute nach vorne, doch bevor er irgendetwas zu dem Gespräch hinzufügen konnte, blieb sein Vorderrad an einem Stein hängen und mit einem schockierten Schrei fielen er und sein Gefährt geradewegs auf den Boden. Er schlitterte noch ein paar Zentimeter, doch dann lag er in kompletter Stille da.
Peter und Justus hielten sofort an und rannten zu ihm. Bob schaffte es sich aufzusetzen und schaute die beiden überfordert an. “Alles okay, Bob?” fragte Justus. Er hockte sich hin und musterte seinen Freund. “Hast du dich verletzt?”
“Ähm…” Bob schaute auf seine Handflächen, welche etwas zerkratzt waren. Dann sah er seine Knie, welche von seinen Shorts nicht geschützt worden waren, Sie waren ziemlich aufgeschürft. Er holte tief Luft. “Scheint nichts dramatisches zu sein.”
Peter verzog das Gesicht. “Kannst du so überhaupt weiterfahren?”
Justus seufzte. “Schon gut. Ihr beide wartet hier, ich fahre eben los und hole was, um die Wunden zu desinfizieren. Bin gleich wieder da.” Er lief zurück zu seinem Rad und kehrte wieder in Richtung Siedlungen.
Bobs Atem zitterte als er noch einmal seine Knie betrachtete. Er hasste Blut. Sicher, das war als Detektiv nicht gerade ideal, aber er konnte es einfach nicht ausstehen. Hitze stieg in seine Augen. Bloß nicht weinen! Dachte er sich. Hilflos schaute er zu Peter, welcher nun neben ihm saß.
Dies war eine schlechte Idee gewesen. Kaum machten sie Augenkontakt, platzte es nur so aus ihm heraus. Peter starrte ihn an. “Bob?” fragte er verwirrt, doch er nahm seinen Freund trotzdem in den Arm. “Ist schon in Ordnung! Nur eine Schürfwunde.”
Bob schluchzte jämmerlich. “Das ist so peinlich!” murmelte er zwischen seinen Atemzügen. Peter strich über seinen Rücken.
“Ach, Quatsch! Bei diesem Pflasterboden kann das jedem mal passieren!” Seine Stimme war sanft und noch viel wärmer als die Sonne. Bob schniefte. “Ich bin ja da! Schon gut, Bob.” flüsterte Peter.
Bob presste sich ein wenig fester gegen ihn und versuchte seinen Atem wieder zu regulieren.
Peter war bei ihm. Bob war dankbar.
16 Jahre alt
Bob starrte in sein leeres Glas. Ein leichter Rückstand an Flüssigkeit war noch zu sehen. Die Flasche auf dem Tisch war leer.
Justus’ Tante und Onkel waren für ein paar Tage weggefahren und nun saßen die drei Freunde im Jonas Wohnzimmer spät in der Nacht. Sie hatten die Küchenschränke geplündert und, neben haufenweise Chips, sich eine Flasche Whiskey genommen.
Sie alle hatten noch nie wirklich getrunken. Peter hatte sie zwar noch einmal belehrt, dass dies sehr illegal sei und sie einen riesigen Ärger bekommen würden, wenn irgendjemand es wüsste, aber irgendwie hatten sie sich dann doch alle getraut.
Es war nicht annähernd so, wie Bob es sich vorgestellt hatte. Der Geschmack war nicht schön, eher unangenehm. Der Geruch war fast unerträglich und der Alkohol hinterließ ein leichtes Brennen in seinem Rachen sowie ein Brodeln in seinem Bauch.
Am schlimmsten war aber die Hitze in seinem Gesicht. Er konnte sie förmlich von sich abstrahlen spüren. Justus hatte kichernd angemerkt, dass seine Wangen rot waren.
Nun war die Flasche leer und mit ihr zwei große Chipstüten. Justus lag auf dem Sofa und schnarchte laut. Der Alkohol zusammen mit dem fettigen Essen hatte ihn schon vor einer halben Stunde ins Traumland geschickt.
Peter war noch wach. Er lehnte mit dem Rücken am Sofa und seine Beine waren verschränkt. Gerade schluckte er den letzten Rest aus seinem Glas. Bob schaute ihn an. Verdammt, er war so schön.
Es war nicht gerade etwas, was Bob früher nicht wusste, aber in letzter Zeit schien der Gedanke noch präsenter. Klar, er war nicht gerade der Einzige, der fand, dass Peter ein Genuss für die Augen war. Sein bester Freund war Schwarm der halben Schule.
Trotzdem erschien es ihm ein bisschen unfair, dass Peter hier saß, kurz vor Mitternacht, mit Chipskrümeln auf seinem T-Shirt; und dass er trotzdem so hübsch war.
Er schaute nun auch zu Bob und hob die Augenbrauen. “Ist etwas?” fragte er. Bob schüttelte den Kopf.
“Mir ist warm.” gab er zu. Sein Freund grinste. “Zieh dich doch aus!” witzelte er. Bob verdrehte die Augen.
“Du nervst!” maulte er zurück und Peter zuckte mit den Schultern. Er nahm sich ein paar Chips und für eine Weile waren sie beide still.
Schließlich aber holte der zweite Detektiv aus, doch die Worte schienen ihm im Hals stecken zu bleiben. Er räusperte sich. “Bob?” Er klang nun ernst. “Kann ich dir was erzählen?”
Bob schaute ihn an. “Klar, immer doch.”
Peter seufzte und schaute auf das Sofa, wo Justus immer noch seelenruhig schlief. “Hm, also, es gibt da etwas, was mir klar geworden ist. Und es beschäftigt mich sehr.” fing er an. Bob nickte und wartete darauf, dass er weiter sprach. “Naja, also ich glaube, dass ich nicht nur Mädchen mag, sondern auch Jungs. Macht das Sinn? Ist das komisch?”
Er schaute zu Bob, Augen voller Unsicherheit. Sein Freund lächelte. “Das ist überhaupt nicht komisch, Peter.” versprach er. “Das ist absolut okay.”
Peters Mundwinkel zuckten ein wenig. “Findest du mich jetzt abstoßend? Ich verspreche dir, ich werde dich und Just nicht irgendwie anders behandeln oder so. Ihr seid immerhin meine besten Freunde.”
Es traf Bob ein bisschen, dass Peter Jungs mochte, aber dass Bob eben doch nur sein bester Freund war. Doch er nahm Peters Hand und drückte sie sanft. “Hey, ich finde dich überhaupt nicht abstoßend. Du bist toll. Ich finde dich toll. Danke, dass du mir das anvertraut hast.”
Peter kroch auf dem Teppich hinüber und ließ sich in Bobs Armen nieder, tief atmend und sein Gesicht rot vom Alkohol. “Bob, danke, dass du da bist.” flüsterte er.
Bob hielt ihn fest und lächelte. “Klar bin ich da.”
19 Jahre alt
Bob seufzte und lehnte sich in seinem Schreibtischstuhl zurück, die Augen geschlossen. Seine Finger schmerzten vom stundenlangen Tippen und letztendlich fühlte er sich, als hätte er gar nichts zustande gebracht.
Klar, er mochte sein Journalismus-Studium. Sein Vater hatte ihm schon mehrmals Ratschläge gegeben und Bob hatte bereits genug Übung im Recherchieren und Schreiben. Es sollte ihm also nicht schwer fallen. Und doch plagte ihn seit Tagen eine Schreibblockade. Gerade jetzt, wo bald die Abgabe für eine wichtige Hausarbeit war.
Ein Paar Arme wickelte sich um seinen Hals und er öffnete irritiert die Augen. Peter, der die letzten paar Stunden auf Bobs Bett gesessen und ein Buch gelesen hatte, grinste ihn breit an.”Bist du endlich fertig?” fragte er. Eine Strähne seines rotbraunen Haars fiel ihm in die Stirn und Bob fühlte sich ein wenig überfordert.
Klar, sie waren schon seit Jahren gute Freunde und Umarmungen waren in ihrem Trio keine Rarität. Und Bob hatte sich versprochen, dass er über seine blöde Schwärmerei hinweg war. Trotzdem fiel es ihm schwer, vernünftig zu antworten.
“Ich komme einfach nicht weiter.” gab er zu. Peter lächelte.
“Siehst du? Das ist eindeutig ein Zeichen, dass du eine Pause machen und mit mir Eis essen gehen solltest.” sagte er mit solch einer Überzeugung, dass Bob auch lachen musste.
“Meinst du, Just wird nicht neidisch? Immerhin waren wir ewig nicht zusammen Eis essen… Und jetzt ist er ja nur ein paar Tage weg.”
Peter verzog sein Gesicht. “Ach, mit Just können wir ein anderes Mal gehen! Komm schon, Bobbele… mir ist so langweilig!”
Bob seufzte. “Weißt du, dass du echt nervig bist, wenn du so schmollst? Es ist echt hart, da 'Nein' zu sagen!”
Sein Freund grinste und blinzelte auffällig. “Willst du damit sagen, ich wäre verführerisch?” fragte er. Bob verdrehte die Augen.
“Hör schon auf! Komm, ich kaufe dir dein Eis.”
Peter platzierte seine Hände auf Bobs Wangen und seufzte. “Du bist super, mein Lieber.”
Bevor die Situation noch unangenehmer wurde, sprang Bob auf und machte sich auf den Weg nach unten. Peter lief ihm unter lautem Protest hinterher, bis er ihn eingeholt hatte. Sie beide schlüpften in ihre Schuhe.
“Geht ihr irgendwo hin?” rief Bobs Mutter aus dem Wohnzimmer.
“Wir gehen Eis essen, Mama! Bis später!”
“Viel Spaß, Jungs!”
Draußen war es heiß und die beiden Jungen verfielen in eine angenehme Stille, als sie Richtung Eisdiele schlenderten. Peter stöhnte, sobald er die lange Schlange vor dem Laden erblickte. “Also einen Sitzplatz können wir wohl vergessen!”
Bob zuckte mit den Schultern. “Dann gehen wir halt mit dem Eis woanders hin!”
Zehn Minuten später hatten sie endlich bestellt und nach kurzer Wartezeit hielten sie jeweils eine Waffel mit zwei Kugeln in den Händen und machten sich auf in Richtung Park. Bob wusste nicht, was genau sie dorthin zog, doch es machte ihm nichts aus.
Eifrig aßen sie ihr Eis, das ihnen in der Hand weg zu schmelzen drohte. Sie hatten bald den Park erreicht und suchten nach einem ruhigen und schattigen Platz.
Als sie eine etwas abgeschirmte Ecke gefunden hatten, war Bob gerade dabei, den letzten Bissen seiner Waffel zu verzehren. Als Peter, der ebenfalls fertig war, ihn ansah, lachte er laut.
Er trat einen Schritt auf Bob zu, die Distanz zwischen ihnen nur noch gering. “Mann, 19 Jahre alt und du kannst immer noch nicht Eis essen, ohne dich vollzusauen?” fragte er und kicherte. Bob fuhr sich irritiert über das Gesicht. Peter schüttelte den Kopf und hob seine Hand. Mit dem Daumen wischte er sanft über eine Stelle nahe Bobs Mundwinkel.
Bob spürte seinen Puls im ganzen Körper. Er atmete flach und sah Peter an. “Viel besser.” flüsterte dieser und lächelte sanft.
Dann passierte es. Seine Hand rutschte unter Bobs Kinn und drückte es ein wenig nach oben. Und schon küsste er ihn.
Bob wusste nicht richtig, wie er reagieren sollte. Wie erstarrt stand er da, bis Peter sich wieder entfernte und ihn mit großen Augen und geröteten Wangen ansah. “Ähm…” brachte Peter heraus. Bob starrte ihn an.
“Peter?” fragte er vorsichtig. Sein Freund schaute nervös zu Boden.
“Tut mir leid, das war ziemlich blöd von mir.”
Bob erwachte aus seiner Starre und nahm seine Hände. “Nein, nein! Das war… das war toll, ich hab nur nicht damit gerechnet. Ich meine, Gott, ich mag dich wirklich schon seit Ewigkeiten .”
Peter lächelte und schaute wieder zu ihm auf. “Echt?”
Bob nickte energisch. “Echt. Ich dachte nur immer… naja, ist ja auch egal. Wow. Du hast mich geküsst!”
Sein Freund kicherte leicht. “Ja, Captain Obvious.”
“Können wir das nochmal machen? Ohne dass ich wie so ein Idiot da stehe, meine ich.” fragte Bob und Peter nickte.
Diesmal schaffte Bob es, den Kuss zu erwidern. Er wusste gar nicht, wohin mit seinen Händen. Aber Peter nahm sie wieder in seine und hielt sie fest.
“Oh Mann, ich wollte das schon so lange machen.” gab der zweite Detektiv schließlich zu. “Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll.”
Bob konnte nicht anders als breit zu lächeln. “Schon in Ordnung. Wir sollten aber nicht den ganzen Tag so stehen bleiben, das ist ungemütlich.” Er zog sie beide herunter und schon lagen sie im Gras, kichernd als sie die Arme umeinander legten und sich noch einmal küssten. Und nochmal. Und nochmal.
“Ich bin froh, dass du da bist.” sagte Bob später, als sie vor seiner Haustür standen und Peter kurz davor war, sich zu seinem MG zu begeben und nach Hause zu fahren.
Peter umarmte ihn fest. “Ich auch.”
