Chapter Text
Ich machte meinen Nachmittagsspaziergang. Wie üblich nahm ich eine Abkürzung, die einen Trampelpfad entlang durch den Wald und dann ein Stück durch ein trockenes Flussbett führte. Doch heute war etwas anders. Ich sah eine Silhouette. Auf einer der Steinstufen des Flusses saß ein Mädchen, zusammengesunken, den Kopf in die Hände gestützt. Sie wandte mir den Rücken zu. Ich näherte mich vorsichtig, wollte sie nicht erschrecken. Am Bein hatte sie einen Schnitt, der blutete. Plötzlich schien sie mich zu hören und wandte sich um. Sie hatte einen traurigen Blick und versuchte unauffällig ihre Tränen wegzuwischen, während sie aufsprang. Ich erhaschte einen Blick auf einen Unterarm, der aufgeschürft schien. Merkwürdige Stelle, überlegte ich.
"Ist alles in Ordnung?", fragte ich besorgt. Sie nickte und schluckte.
"Ich muss gehen", meinte sie mit belegter Stimme und schlüpfte an mir vorbei. Dieses mal achtete ich darauf und war mir dann sicher, die roten Striemen am Unterarm waren nicht zufällig entstanden.
"Bist du sicher, dass du OK bist? Ich meine nur... Wenn du reden willst... ich bin ein guter Zuhörer."
Sie starrte mich an, schien zu überlegen. Der Blick gehetzt, die Schultern hochgezogen, verletzlich.
"Ich komme jeden Tag so gegen drei Uhr vorbei. Also wenn du willst...?"
Sie zögerte noch einen Moment, dann nickte sie fast unmerklich, drehte sich um und lief durch das Flussbett davon. Ich blickte ihr hinterher und hoffte inständig, sie möge kommen und reden. Mir war klar, dass dort irgendetwas ganz schief lief...
