Chapter Text
Überall war Blut. Die rote Flüssigkeit befleckte die vorher noch unberührten weißen Wände und zogen Linien, die weit bis zum Boden reichten. Das, was ein Mensch zum Leben brauchte, war nun unbrauchbar. Leblose Körper und Einzelteile von mutigen Soldaten lagen verstreut im weiten Flur, aber das Monster wanderte immer noch frei herum.
Seine Glieder knackten und summten bei jeder all so kleinen Bewegung, während er sein geschlachtetes Werk begutachtete. Das blaue Metall seines massiven Körpers schimmerte im abwechselnden roten und weißen Licht der Deckenleuchten. Normalerweise tötete er nicht. Angst war nämlich das, was seinen Hunger stillte. Doch heute gönnte er sich einen etwas mehr fleischigen Snack. Auch wenn er es nicht schmecken oder überhaupt verdauen konnte. Aber das eisige Blut, welches an seiner breiten Schnauze klebte, konnte er förmlich riechen, und die kleinen Fleischfetzen knautschten zwischen seinen scharfen Eisenzähnen. Es hinterließ ihm ein Gefühl von Lebendigkeit und Sätte. Schon lange hatte er dieses Gefühl vermisst, jedoch ist es nichts im Vergleich zu menschlichem Sinne.
Dieses mechanische Biest schloss seine glühenden Optiks, als es langsam und tief einatmete. Der Sog durch sein Maul benebelte seine Sinne, auch wenn er nicht atmen musste, und hauchte den Geruch von Tod und Angst wieder aus. Sein Atem dampfte im Raum, denn sein kaputter Körper war erhitzt vom Zerreißen und Zerbeißen von menschlichen Körpern.
Sein linkes Ohr zuckte, als er etwas hinter ihm vernahm, und seine pinken Optiks wanderten den Flur hinter ihm entlang, bis sie auf einem verkrüppelt kleinen Menschen trafen, der noch mit letzter Kraft versuchte, dem Monster zu entkommen.
Der Soldat versuchte so leise wie möglich zu sein, während er seinen Körper über die Fliesen zog, um zum Aufzug zu gelangen. Sein abgetrennter Oberschenkel hinterließ eine dicke Spur auf dem Boden, welche der Hase folgte und seine Qual beobachtete. Endlich beim Aufzug angekommen, streckte der Krüppel seinen Arm aus, doch kam nicht sofort ran. Nach mehreren verzweifelten Versuchen drückte er mit seinen Fingerspitzen auf den Rufknopf des Aufzugs und ließ sich erleichternd wieder zu Boden fallen.
Klank
Die Atmung des kleinen Menschen stockte, als er ein metallisches Geräusch neben sich hörte. Seine weit aufgerissenen Augen wanderten über die Fliesen, als sie auf einem großen metallischen Fuß landeten. Daraufhin hob er zitternd und wimmernd seinen Blick zu dem Besitzer hoch und sah in das Gesicht eines Alptraumes. Die langen Ohren des Monsters beugten sich leicht über sein Gesicht und seine Optics funkelten im wiederkehrenden roten Licht, während er auf seine Beute hinab starrte.
"AAAAAAAAAAAAAAHHHHHHHHHH."
Ich schreckte zusammen, als ich plötzlich einen schrillen Schrei außerhalb des Aufzugs wahrnahm, und presste mich weiter an die Wand. Meine Augen beobachteten die Zahlen, die sich mit jeder Etage änderten, und mein Atem stockte, als der Aufzug nicht an meinem Ziel stoppte, sondern ein paar Etagen vorher anhielt. Jemand wollte auch hier rein, doch es war so still auf der anderen Seite. Komische Geräusche wie Geplätscher waren zu hören und die Türen des Aufzugs öffneten sich. Meine Augen weiteten sich, als sie auf einem drei Meter großen mechanischen Hasen landeten.
Alles, nur das nicht bitte!
Komplett unter Schock fiel mein Kinn immer weiter runter. Selbst der Animatronik regte sich kein bisschen, als es mich im Aufzug bemerkte. Meine Augen wanderten zum Maul des Animatroniks, indem der zerquetschte Schädel eines Soldaten steckte, während sein restlicher lebloser Körper aus seinem Maul baumelte. Daraufhin bemerkte ich das blutige Massaker im Flur und den stechenden Geruch von Eisen in meiner Nase. Langsam lockerte der Hase seinen Kiefer und der Körper des Soldaten landete mit einem dumpfen Geräusch auf dem Boden. Währenddessen floss das eingesammelte Blut in seinem Maul herunter und platschte deutlich zu hören auf den Boden. Pure Übelkeit brach in meinem Magen aus, woraufhin ich mir die Hand auf den Mund schlug, um mich vom Würgen abzuhalten. Die nächsten Sekunden vergingen wie in Zeitlupe. Die Türen des Aufzuges knarzten, als sie sich schließten und den alptraumhaften Anblick des Monsters für ein paar Sekunden unterbrachen. Für auch nur eine Sekunde war ich erleichtert davon, entkommen zu sein. Doch dieses Gefühl wurde sofort von Bord geschmissen, als die Türen sich plötzlich wieder öffneten.
Bestürzt hob ich meinen Blick und sah, wie der Hase den Rufknopf betätigt hatte. Er zögerte nicht und trat sofort in den kleinen Raum hinein. Ich spürte den Boden beben, als er den kleinen Raum mit luftzischenden Schritten betrat. Der drastische Gewichtsunterschied ließ den Aufzug einige Zentimeter runterfahren. Es war schließlich ein drei Meter großer Hase, dessen Innereien aus schweren Maschinenteilen bestanden. Nicht lange danach schlossen sich die Türen und ich war nun mit einer menschenfressenden Maschine eingesperrt.
Der breite Körper des Animatroniks nahm den meisten Platz im Aufzug ein, weswegen er sich über mich beugte und somit einen Schatten über mich warf. Verängstigt, kauerte ich nur noch mehr unter ihm. Es gab keinen Weg mehr hinaus. Meine Augen konnten sich nicht von seinen leuchtenden, pinken Optiks trennen, die meine Seele geradezu durchbohrten. Können diese Augen mich sehen? Können sie Gefühle lesen? Weiß er, dass ich Angst vor ihm habe? Mir wurde wieder übel, als das Blut von seiner Schnauze auf mich hinab tropfte und ich den stechenden Geruch von Blut vernahm. Ich versuchte so wenig zu atmen wie nur möglich und schloss meine Augen in der Hoffnung, seinen Anblick umgehen zu können. Doch auch in der Schwärze konnte ich dem Alptraum nicht entrinnen.
Plötzlich hörte ich das Knacken und Zischen seines Körpers und erkannte, wie er sich immer mehr zu mir runterbeugte. Sein massiver Körper erhitzte den kleinen Raum, woraufhin sich Schweißperlen auf meiner Stirn bildeten. Mein Herz raßte und meine Atmung tat es gleich. Meine Lippen zitterten, als ich wimmernd mich immer mehr gegen die Wand presste, um seinen scharfen Zähnen und seinem immer heißer werdenden Körper zu entkommen. Je näher er kam, desto mehr drehte ich meinen Kopf von ihm weg und zog meine Schultern ein, um zu verhindern, mich an seinem erhitzten Metall zu verbrennen. Eine große Klaue aus Drähten stützte seinen Körper an der Spiegelscheibe, sodass das Glas unter seinen spitzen Krallen leise platzte. Meine Augen nässten sich in Tränen und ich versuchte schmerzhaft mein Schluchzen zu unterdrücken. Als ich hörte, wie er tief Luft nahm und dann seinen warmen, schon fast brennenden Atem auf meiner Haut spürte, zuckte ich leicht zusammen und machte mich auf den Tod gefasst.
Doch dieser kam nicht. Stattdessen richtete sich der Hase wieder auf und wandte sich von mir ab. Verwirrt davon, dass ich nicht im Jenseits gelandet bin, öffnete ich blinzelnd meine Augen. Daraufhin bemerkte ich, dass die Türen offen und wir endlich im Erdgeschoss angekommen waren. Jedoch wäre ich erfreuter, wenn ich endlich weit weg von der Maschine wäre. Der massive Hase verließ den Fahrstuhl, während ich weiterhin paralysiert dastand und ihn dabei beobachtete, wie er sich immer weiter mit seinen schweren Schritten von mir entfernte.
