Work Text:
POV: Leo
Da sitzt sie. In eine Ecke ihres Bettes gekauert.
Sie weint. Schon wieder.
Die Traurigkeit stammt aus den Tiefen ihres Seins.
Nina weint oft. Zu oft. Mein Herz erträgt es kaum.
Ich flüstere leise ihren Namen: „Nina?“
Sie zuckt zusammen, hebt schützend die Arme über ihren Kopf. Sie hält den Atem an. Bloß keinen Laut von sich geben.
„Ich bin’s. Leo.“
Sie stößt den angehaltenen Atem aus und wirft mir einen angstvollen Blick zwischen ihren Armen zu. Erkennen blitzt in ihren Augen auf. Ihre Arme senken sich, doch ihre Hände verdecken nun ihr Gesicht. Sie weint wieder. Schluchzt leise vor sich hin. Immer noch voller Trauer, doch weniger angstvoll.
Ich trete näher und verfalle in die mittlerweile vertraute Routine.
Mich neben sie zu setzen, zu warten, beruhigende Worte zu sprechen, ihr falsche Versprechungen zu machen, dass alles wieder gut werden würde.
Irgendwann würde sie zu mir krabbeln. Ich würde sie in den Arm nehmen. Und wir würden so lange verweilen, bis die Tränen getrocknet wären. Das was das Einzige, was half.
Und wie sehr wünsche ich mir die Fähigkeiten von Ms Roudrigez. Wenn wir aus ihrer Küche treten, ist Nina eine gänzlich andere. Sie lächelt dann! Und zu solchen Momenten, zieht sich mein Herz zusammen, weil ich weiß, wie sehr die Dunkelheit sie ihrer Schönheit - ihres Lebenswillens - beraubt. Ich wünschte so sehr, ich könnte mehr tun, um ihr zu helfen!
Ständig soll sie zu Dr. Kessler, doch nach diesen Sitzungen ist Nina immer nur noch trauriger!
Und jetzt, da Ms. Roudrigez weg ist, bleibt mir nichts anderes übrig, als die Schübe mit ihr durchzustehen. Diese unvorstellbare Last mit ihr zu tragen.
Ich möchte sie so gerne wieder lachen sehen…
Ihre Hand berührt meine. Ich atme tief durch, nehme ihre Hand und drücke sie sanft. „Da bist du ja.“
Sie blickt mir in die Augen, nickt und schnieft. Ich reiche ihr ein Taschentusch und nachdem sie ihre Nase geputzt hat, kuschelt sie sich an mich. Sie zittert. Ich streichle ihr über den Kopf, streiche eine verwirrte Strähne hinter ihr Ohr und schließe sie in meine Arme. Sie schluchzt erneut und ich fühle, wie heiße Tränen auf mein Schlüsselbein tropfen. Meine Hand streicht unablässig über ihren Rücken.
„Es ist okay. Ich bin bei dir. Es geht vorbei.“
Irgendwann wird ihr Atem regelmäßiger, das Zittern hört auf. Ihr Kopf liegt schwer auf meiner Schulter und kippt gelegentlich weg. Sie scheint eingeschlafen zu sein.
Vorsichtig bette ich sie auf ihr Kissen und ziehe die Decke über ihren Körper.
„Schlaf gut, Nina.“
