Chapter Text
Steve saß allein im Avengers-Tower auf einer der großen Couchen im Wohnzimmer und blickte durch die verglaste Wand auf New York hinab. Seit Tagen war er in Gedanken, redete mit niemandem, aß kaum noch was und bewegte sich nur für dringende Fälle von der Couch herunter.
Sam, der inzwischen ebenfalls im Hauptquartier wohnte, machte sich große Sorgen um Steve. Er kochte Kaffee, füllte ihn in zwei Tassen und ging damit zu Steve auf die Couch.
„Hier, Buddy..“, sagte er leise und hielt ihm die Tasse hin.
Steve reagierte nicht, sondern starrte weiterhin aus dem Fenster. Seine Augen waren blutunterlaufen und dicke, blaue Ringe unter seinen Augen zeigten, wie viel er in letzter Zeit geschlafen hatte. Er wollte nicht mehr schlafen, die Träume waren zu grausam.
Sam seufzte. „Steve..du gehst uns noch ein. Auch wenn dein Körper wesentlich länger ohne Schlaf, Essen oder Trinken auskommt, als ein natürlicher, wirst du über längere Zeit noch daran sterben. Bitte, versuch wenigstens deinen Körper am leben zu erhalten, sonst wirst du Barnes nie wieder sehen..“.
Steves eines Auge zuckte bei dem Namen. Barnes... James Buchanan Barnes.. Bucky. Er war seit dem Kampf gegen Iron Man verschwunden. Als Steve sich noch mit Stark auseinandersetzte, um seinen Freund vor dem sicheren Tod durch einen rachewütigen Mann zu retten, hatte er sich aus dem Staub gemacht. Er war schwer verletzt und kaum eine Stelle seines Körpers war nicht mit seinem Blut getränkt, es war schwer zu sagen, ob er noch lebte. Steve wollte ihn zuerst suchen – obwohl seine Freunde ihm helfen wollten, lehnte er ihre Hilfe ab und suchte alleine – jedoch ohne erfolg. Natasha kam Tage darauf zu ihm, legte ihre Hand auf seine Schulter und murmelte ihm zu, dass sie die Ausbildung der russischen Assassinen nur zu gut kennt und dass, wenn sie nicht gefunden werden wollten, man sie auch nicht finden kann. Die Aussage lies Steve hoffen, dass Bucky noch lebte und er würde warten, bis er ihn kontaktierte. Doch die Tage strichen ins Land und kein Zeichen von ihm.
Das war das schlimmste daran. Steve hat seinen besten Freund sterben sehen, was ihm damals schon fast seine Lebenslust nahm, denn Bucky war alles für ihn. Doch zu wissen, er könnte irgendwo da draußen sein, hilflos, verletzt und vielleicht sterbend und er konnte ihn nicht finden, setzte ihm tausend mal mehr zu.
Steve wand das erste mal seit Stunden die Augen von der durchsichtigen Wand und sah Sam an. Er war ein wahrer Freund, ebenso wie Natasha. Sie wollte ihm nur helfen. Also nahm er die Tasse heißen Kaffe an und schlürfte daran, sagte jedoch immer noch nichts.
Für Sam jedoch war das ein Erfolg, er drehte sich zu Natasha um, die an einer Wand etwas abseits lehnte und grinste sie an. Sie lächelte sanft zurück, stoß sich von der Wand ab und ging fort. Endlich ein Fortschritt.
„Steve...wir wollen dir nur helfen, wenigstens soweit, dass du wieder anfängst etwas normaler zu werden. Hier zu sitzen, in Depressionen zu vergehen und vor dich hin zu vegetieren, hilft nichts-“, „Es hilft aber auch nichts so weiter zu machen, als wäre nichts passiert..“, unterbrach ihn Steve mit rauer Stimme. Sam sagte erst einmal nichts, war geschockt seine Stimme nach Tagen, Wochen wieder zuhören. Als er sich wieder fing, sagte er: „Das stimmt. Ich will auch nicht, dass du so tutst, als wäre nichts. Lass deiner Wut und Trauer freien Raum. Geh trainieren oder boxen, schrei' jemanden an oder fress' dich mit Junkfood voll. Alles in dir zu lassen, frisst dich nur auf und tut mehr und länger weh. Oder teil' dich mir oder Natasha oder sonst wem mit...“
Kurz herrschte Stille und Sam dachte, dass Steve wieder einmal stumm bleiben wird. Gerade als er aufstehen wollte, öffnete Steve den Mund. „Ihr habt ja recht. Aber bitte gebt mir noch Zeit, ich werde euch 'nicht eingehen'.“, krächzte er mit so lang unbenutzter Stimme. Er schaute Sam lange in die Augen, um ihm zu zeigen, dass er es ernst meinte, schließlich log er auch nie, wandte seinen Blick dann aber wieder auf die Stadt vor ihm.
Sam lächelte und freute sich innerlich wie ein Depp, endlich mal etwas positives.
-Flashback-
Steve und Bucky hatten sich zusammen eine Wohnung gemietet, als Bucky entschlossen hatte vom Land weiter in die Stadt zu ziehen, damit er nicht über 2 Stunden laufen musste, um zum Übungsplatz der Army zu kommen; in der Kaserne konnte er nicht bleiben, da sie total überlaufen war. Steve kam mit und hoffte, dass er sich irgendwo noch als Soldat einschreiben lassen konnte. Außerdem wollte er nicht soweit von seinem besten Freund wegwohnen, er hatte schließlich nur noch ihn.
Die Wohnung war eher ein Zimmer von gerade mal 15m² mit einem sehr kleinen Bad neben an. Eine Küche hatten sie nicht, dafür aber einen Heizofen, auf dem man auch kochen konnte. Der Ofen war ihr größter stolz, sowas hatte nicht jeder. Steve hatte ihn aus seinem Elternhaus mitgenommen, jetzt, wo es eh verlassen war. Der Transport war ein riesen Akt, zum Glück hatte Bucky Verbindungen und konnte einen Traktor besorgen.
Steve war die meiste Zeit alleine in dem Zimmer und zeichnete entweder oder überlegte sich neue Identitäten um doch noch rekrutiert zu werden. Abends ging Bucky häufig mit Frauen weg, trank billigen Whisky und kam betrunken wieder – oftmals mit Frau. Dann steckte sich Steve Watte in die Ohren, da die betrunkenen Frauen lauter waren, als ein vorbeifahrender Panzer. Aber ihm war das lieber, als dass Bucky mit den Frauen zu ihnen gingen und dort blieb. Jedesmal fraß ihn die Sorge auf, dass er nie wieder kommen würde. Er hatte Angst, dass Bucky eine Freundin finden würde und ihn vergessen würde, jedoch schwand die Angst von mal zu mal, da Bucky nie wirklich lange eine Frau an seiner Seite hatte – meist war er genervt von ihr.
Steve kam selten mit zu solchen Partys. Er wurde zu 99% wie Luft behandelt und wenn er mal Beachtung bekam, waren das böse und herunterziehende Worte, bis hin zu Fäusten in seiner Magengegend oder seinem Gesicht. Er wusste nicht, warum er nicht gemocht wurde, aber er hatte sich daran gewöhnt. Zudem hatte er Bucky, der ihn jedesmal aus der Scheiße zog – noch ein Grund warum er nicht mitkam: denn für Bucky war die Party dann auch gelaufen und er wollte ihm diese Zeiten nicht vermiesen, wer weiß, wie lange es noch friedlich war und er nicht eingezogen wurde. Er verstand einfach nicht, warum Bucky ihn leiden konnte; er war langweilig, andauernd krank, ein kleiner Besserwisser, nicht sehr redseelig, versank in seinen Zeichnungen, ging nicht auf Partys und konnte mit ihm nicht über Frauen reden.
