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Arktische Brise

Summary:

Wäschewaschen statt Glühweintrinken ist mal so gar nicht nach Bobs Geschmack. Zu seinem Glück ist Peter zur Stelle, um ihm diese Aufgabe etwas angenehmer zu machen — auch wenn das bedeutet, dass ein Geheimnis ans Licht kommt, das er lieber für sich behalten hätte.

Notes:

Mein Weihnachtsgeschenk ans Fandom: slightly random, light smut in winterlichem Setting. Enjoy!

(See the end of the work for more notes.)

Work Text:

Bob starrte mit zusammengezogenen Augenbrauen auf die Zeitanzeige der Waschmaschine, als hätte sie ihn persönlich beleidigt. Auf eine Art hatte sie das auch: Statt der verbleibenden Dauer des Waschgangs zeigte das LED-Display nämlich nur ein wildes Durcheinander aus Strichen und Punkten an und ließ Bob ohne einen vernünftigen Anhaltspunkt zurück, wann er wohl endlich ins Bett durfte. 

Genervt rollte er mit den Augen und lehnte sich mit der Hüfte gegen das Gerät, um seinen Blick durch den Raum schweifen zu lassen. Viel Unterhaltsames gab es in dem Verschlag, der die Waschmaschine und den Trockner der Pension, in der sie ihre letzte Nacht in Alaska verbringen würden, beherbergte, nicht zu sehen. Holzvertäfelungen an den Wänden, ein kleines Fenster, aus dem man über die verschneiten Ebenen, die sich hinter dem Ortsrand des Städtchens Dawson erstreckten, blicken konnte. 

An der Wand oberhalb der Tür hing die Jagdtrophäe eines Hirschkopfes, von dem Bob sich schon seit er den kleinen Raum betreten hatte, beobachtet fühlte. Auch ihn bedachte er mit einem finsteren Blick und musste dann über sich selbst lachen. Der arme Hirsch konnte ja weder etwas dafür, dass Menschen aus ihm einen solch geschmacklosen Wandschmuck gemacht hatten, noch war es seine Schuld, dass Bob mal wieder das kürzeste Streichholz gezogen hatte und seinen Abend in der Waschküche statt im geselligen Gemeinschaftsraum ihrer Unterkunft verbrachte.

Als sie nach dem vorzeitigen Ende des Schlittenhunderennens wieder in Dawson angekommen waren, war es für die drei Detektive bereits zu spät am Tag gewesen, um ihre Heimreise anzutreten, weswegen sie sich in der Pension eingemietet hatten. Auch jene Teilnehmer, die nicht aus der unmittelbaren Umgebung stammten sowie ihre Auftraggeberin Carol Fords waren dort untergekommen. Nach einem gemeinsamen Abendessen war dann eine recht lustige Runde entstanden. Die Bob leider frühzeitig hatte verlassen müssen, um sich dem Berg Schmutzwäsche zu widmen, den er, Justus und Peter von ihrer Tour durch die Wildnis Alaskas mitgebracht hatten. 

Alle ihre Sachen waren durch den vielen Schnee feucht und nach einigen Tagen in ihren Rucksäcken dementsprechend muffig gewesen. Wenn sie nicht in den alten Trainingshosen und verwaschenen T-Shirts, die ihnen die Besitzerin der Pension freundlicherweise geliehen hatte, morgen zurück nach Kalifornien reisen wollten, dann musste das heute noch erledigt werden. Was nichts daran änderte, dass Bob nach all den Strapazen der letzten Tage mal so was von überhaupt keine Lust auf Hausarbeit hatte. Aber es half ja nichts. 

Mit einem Seufzen drehte er dem Hirschgeweih doch wieder den Rücken zu und dosierte mithilfe eines kleinen Plastikbechers schon einmal das Waschmittel für die Ladung, die er noch waschen wollte, sobald er die aktuelle in den Trockner verfrachtet hatte. Wenn er dann morgen vor dem Frühstück noch ein letztes Mal den Trockner belud, wäre bis zu ihrer Abreise am späten Vormittag alles fertig.

Ungeduldig trommelte er mit den Fingern auf den Rand des vollen Wäschekorbs, den er auf dem Tockner abgestellt hatte. Dass die Geräusche, die die Waschmaschine momentan machte, sich anhörten, als würde sie das Wasser abpumpen, musste doch eigentlich ein gutes Zeichen sein, oder?

Über das Rauschen des Wassers hörte er es nicht sofort, als hinter ihm die Tür zur Waschküche geöffnet wurde. Erst eine Bewegung am Rande seines Sichtfeldes ließ ihn sich erschrocken umdrehen. Es war aber zum Glück nicht der Hirschkopf, der plötzlich zum Leben erwacht war, sondern nur Peter, der mit einer Schulter am Türrahmen lehnte. 

„Hi.”

Peters schiefes Lächeln und die leichte Röte in seinen Wangen ließen darauf schließen, dass der Flasche Glühwein, die Baxter Norsworthy angeschleppt hatte, bevor Bob seinen Wäschedienst angetreten hatte, noch eine weitere gefolgt war. Bob wandte sich wieder ab, allerdings nicht bevor sein überaus hilfreiches Hirn Notiz davon genommen hatte, wie sich Peters geliehenes T-Shirt über seinen Bizeps spannte, wenn er, wie jetzt, die Arme vor der Brust verschränkte.

„Alles in Ordnung?”, fragte Bob über seine Schulter hinweg und zupfte halbherzig an der obersten Schicht Kleidung in dem Wäschekorb herum.

Die Tür zur Waschküche fiel mit einem Klicken ins Schloss, als Peter ein paar Schritte in den Raum trat. „Ja. Alle sind ins Bett. Justus hat zwei Becher Glühwein getrunken und schnarcht, dass die Wände wackeln. Ich wollte nur mal sehen, wie lange du noch brauchst.”

Warum, damit du dich unter der Bettdecke an mir wärmen kannst, nur um am nächsten Tag so zu tun, als wäre nichts gewesen? Die Frage lag Bob — nicht zum ersten Mal — auf der Zunge, doch er hätte sie niemals laut ausgesprochen. Dafür mochte er es insgeheim viel zu sehr, wenn Peter bei gemeinsamen Übernachtungen im Schlaf manchmal näher an ihn heranrückte. Wenn er mitten in der Nacht aufwachte, und sich von dem herrlich vertrauten Duft des zweiten Detektivs umgeben fand, mit dem Gewicht von Peters Arm um seine Taille und dessen Wärme an seinem Rücken. Dass er in jüngerer Vergangenheit sehr viel schlechter darin geworden war, nach solchen Nächten einfach ganz normal weiterzumachen, war sein Problem und nicht Peters.

„Ein bisschen dauert es noch”, sagte er deshalb bloß.

„Hm.” Zufrieden klang Peter nicht mit dieser Antwort, sagte aber sonst nichts weiter. 

Ein wenig dankbar für den Lärm, den die Waschmaschine veranstaltete, war Bob jetzt dann doch. Immerhin füllte das monotone Rauschen die Stille zwischen ihm und Peter, die heute Abend irgendwie unangenehmer als sonst war. So ganz hatte Bob das Gefühl der stechenden Eifersucht, die ihn so plötzlich überkommen hatte, als Peter und Justus ihn vormittags einfach im Camp zurückgelassen hatten, noch nicht überwunden. Peters strahlendes Lächeln, als Bob seine beiden Detektivkollegen dann später aus ihrer misslichen Lage gerettet hatte, sprach dafür, dass Peter keine Ahnung hatte, was es mit Bob machte, wenn der zweite Detektiv ihn einfach fallen ließ wie eine heiße Kartoffel, um dem nächstbesten Abenteuer nachzujagen. Und irgendwie hatte diese Tatsache Bob auf eine vollkommen irrationale Weise ziemlich wütend gemacht — ein Gefühl, dass er schon den ganzen Abend verzweifelt versuchte zu unterdrücken.

Er seufzte abermals in seinen Wäscheberg. Wahrscheinlich würde ihm ein bisschen Abstand, wenn sie wieder in Rocky Beach wären, ganz gut tun. Die Kälte schien ihm nicht nur aufs Gemüt, sondern auch auf den Verstand zu schlagen. „Geh ruhig ins Bett”, sagte er zu Peter und hoffte, dass dieser die Resignation in seiner Stimme bloß als körperliche Erschöpfung deuten würde.

„Bist du sicher, dass ich dir nicht noch bei irgendwas helfen kann?”

Bob drehte den Kopf halb über die Schulter. „Ich schaff das schon allein. Aber gib mir kurz noch meinen Rucksack rüber, bevor du gehst. Ich glaube, eins von meinen Handtüchern ist noch da drin.”

Dass er gerade einen großen Fehler gemacht hatte, bemerkte Bob im selben Moment, in dem Peter bereits einmal ungläubig auflachte. Bob drehte sich noch um, um Peter den weit geöffneten Rucksack aus der Hand zu reißen, doch es war schon zu spät. Mit einem breiten Grinsen zog Peter die Parfümflasche, die am Boden des Rucksacks gelegen hatte, hervor.

Arktische Brise”, las Peter das Etikett vor, als wüsste er nicht ganz genau, was darauf stand. „Wie kommt das Zeug denn bitte in deinen Rucksack?”

„Gib das wieder her”, knurrte Bob und war sich schmerzlich bewusst, dass seine Ohren gerade die Farbe überreifer Tomaten annahmen. Egal wie sehr er sich jedoch auch auf die Zehenspitzen streckte — an den Flakon, den Peter nun hoch über seinen Kopf hielt, kam er nicht einmal ansatzweise heran. 

Peter schien sich währenddessen bestens zu amüsieren. „Nicht, bevor du mir nicht sagst, was du damit willst. Warst du es nicht, der sich vorhin noch am allermeisten über den Gestank aufgeregt hat?”

Weil es ganz bestimmt keine einzige plausible Erklärung dafür gab, dass Bob das Parfüm aus dem Müll gefischt und heimlich eingesteckt hatte, außer eben der, dass der Duft ihn für immer daran erinnern würde, neben Peter unter den wunderschönen Nordlichtern im Schlafsack zu liegen, gab er schlagartig jeden Versuch auf, das Fläschchen zurückzuerobern. „Fein. Behalt es meinetwegen.”

Doch so leicht ließ Peter nicht locker. „Ach komm schon, jetzt sag doch. Du kannst ruhig zugeben, wenn der Duft dir einfach so gut gefällt.” Peter bebte vor unterdrücktem Lachen, doch das lenkte ihn scheinbar nicht genug ab, um nicht zu bemerken, wie Bobs Blick kurz ertappt zur Seite huschte. Er grinste triumphierend. „Das ist es, oder? Du stehst auf—”, er las abermals mit dramatisch verstellter Stimme vom Etikett ab, “den Duft der Wildnis.”

Bob schnaubte zornig und verschränkte die Arme. „Bist du jetzt fertig?”

„Nö.” Peter zog den Deckel des Parfüms ab und spritzte sich einen Sprühstoß davon seitlich an den Hals, bevor er den Flakon auf dem niedrigen Regal, in dem das Waschpulver gelagert wurde, parkte. Mit einem diabolischen Lächeln kam er einen Schritt näher. Bob wollte zurückweichen, doch der Weg wurde ihm von der Waschmaschine versperrt. Peter drehte den Kopf zur Seite, präsentierte Bob seinen langen Hals. „Na? Gefällt dir das?”

Die ganze Situation war einfach so etwas von lächerlich. Bob verdrehte die Augen und machte einen Schritt zur Seite, um Peter zu umrunden. Sollte er sich doch um die Wäsche kümmern, Bob hatte jetzt auf jeden Fall genug. Peter war jedoch schneller und schnitt Bob immer noch lachend den Weg ab.

Diese Aktion brachte bei Bob das sprichwörtliche Fass zum Überlaufen. Was bildete sich der Kerl eigentlich ein? Der Ärger, der Frust, die Enttäuschung, die Bob schon den ganzen Tag versuchte zu überspielen, weil er sich nicht einmal sicher war, warum er sie überhaupt empfand, kamen mit einem Mal in einer explosiven Mischung zusammen. Anstatt weiter zu versuchen, Peter zu umrunden, machte er noch einen halben Schritt auf seinen Freund zu. Packte Peter sogar am T-Shirt, um ihn ruckartig noch näher zu sich zu ziehen.

Durch ihren Größenunterschied musste Bob nicht einmal wirklich den Kopf neigen, um sein Gesicht ganz nah an Peters Hals zu bringen. Er nahm einen tiefen Atemzug, stellte zufrieden fest, wie Peter unwillkürlich erschauderte. „Weißt du was?”, raunte er in der tiefsten Stimmlage, zu der er fähig war. „Vielleicht gefällt mir der Duft ja wirklich. Vielleicht macht er mich sogar ziemlich an. So herb. So männlich.”

Da. Was Peter konnte, konnte Bob schon lange. Den zweiten Detektiv aus dem Konzept zu bringen, zählte zu einer seiner leichtesten Übungen und wenn er dafür eben die eine Sache ins Spiel bringen musste, die schon seit der Party vor ein paar Wochen, auf der Peter ihn beim Rumknutschen mit Nick aus ihrem Geschichtskurs überrascht hatte, unausgesprochen zwischen ihnen in der Luft hing, dann sei’s drum. War sowieso längst überfällig. Dass er sich mittlerweile sogar vor seinen Eltern als bi geoutet hatte und mit seinem ältesten Freund noch immer um das Thema herumtanzte, konnte er so langsam nicht einmal mehr vor sich selbst rechtfertigen.

Zuversichtlich, dass Peter nun zumindest sein dummes Spielchen sein lassen würde, lockerte Bob seinen Griff und sah triumphierend zu Peter auf. Dessen Augen waren aber nicht, wie von Bob erwartet, vor Schreck geweitet. Eher das Gegenteil, um ehrlich zu sein. Peters Blick war starr, beinahe schon glasig, seine Lider schwer. Verunsichert wollte Bob einen Schritt nach hinten machen, kam jedoch nicht einmal bis zu der vor sich hin ratternden Waschmaschine, bevor Peters Hände sich um seine Schultern schlossen.

„Was—”, brachte er noch hervor, bevor sich Peters Lippen auf seine legten. Und dann stand erst einmal die Welt still. Peter küsste ihn. Mit etwas zu viel Druck und Peter hatte den Winkel leicht falsch eingeschätzt, weswegen ihre Münder nicht ganz richtig aufeinander lagen. Aber ein Kuss, das war es trotzdem. Ein Kuss von Peter Shaw. 

Mit einem Geräusch wie jemand, der nach einem zu langen Tauchgang wieder an die Oberfläche kam, löste sich Peter von Bob. Der konnte nur ein paar Mal langsam blinzeln, während er darauf wartete, dass bei Peter der Fluchtinstinkt einsetzen würde. Doch wie auch Bob selbst schien Peter zur Salzsäule erstarrt zu sein.

„Peter—”, setzte Bob an. Was er genau sagen wollte, wusste er selbst nicht, doch eigentlich war es auch egal. Seine Stimme riss Peter aus seiner Trance, doch anstatt sich abzuwenden, schloss er die Lücke zwischen ihnen wieder und küsste Bob erneut.

Bobs Hirn schien eine Art Kurzschluss erlitten zu haben und erst, als Peters Hände an seinen Schultern nach oben glitten und sich seitlich an seinen Unterkiefer legten, verstand er so richtig, was hier passierte. Mit einem kleinen Seufzen gab er dem Impuls nach, den Peter hier gab, und neigte den Kopf ein wenig, sodass Peter ihren Kuss vertiefen konnte. 

Das hier war. . . Das war einfach alles. Dass Bob sich einen solchen Moment mit Peter schon länger heimlich wünschte, hatte er sich bereits eingestanden, aber erst jetzt wurde ihm bewusst, wie sehr er ihn auch gebraucht hatte. Peters Berührungen vermochten es, die Kälte, die Bob noch immer in den Knochen saß, endgültig zu vertreiben und gleichzeitig den Knoten, der ihm schon den ganzen Tag so schwer auf der Brust gelegen hatte, zu lösen. 

Ein kleiner Teil von ihm rechnete nach wie vor damit, dass Peter jede Sekunde realisieren würde, was sie hier taten und die Flucht ergreifen würde. Unter anderen Umständen hätte ihn das vielleicht dazu gebracht, sich möglichst behutsam voranzutasten, um Peter nicht zu verschrecken. Doch er war gierig, wollte selbst so viel von diesem Moment auskosten, wie nur irgendwie möglich. Daher schlang er seine Arme um Peters Taille und grub seine Fingerspitzen in die Muskeln links und rechts von Peters Wirbelsäule, als er den zweiten Detektiv noch näher an sich zog.

Das leise Keuchen, für das Peter ihren Kuss kurz unterbrach, sorgte dafür, dass Bobs Verlangen ihn wie ein Blitz durchzuckte. Ohne weiter darüber nachzudenken, schob er seine Hände unter Peters T-Shirt und zog es ihm über den Kopf. Bereitwillig hob Peter die Arme, um sich gänzlich des Kleidungsstücks zu entledigen. Dann ließ er sie allerdings direkt wieder fallen und fuhr mit den Handflächen an den Außenseiten von Bobs Oberschenkeln entlang. Mit festem Griff umfasste er Bobs Beinrückseiten und hob den dritten Detektiv in einer flüssigen Bewegung auf den vorderen Rand der Waschmaschine, deren Getöse mittlerweile von dem Rauschen in Bobs Ohren weitestgehend übertönt wurde. 

Als wäre das alles eine einstudierte Choreographie zwischen ihnen, öffnete Bob wie ganz von selbst die Beine, um sie um Peters Hüften zu schlingen. Peter lehnte sich etwas nach vorne, stützte sich mit einer Hand auf der Oberseite der Waschmaschine ab und fuhr mit der anderen in Bobs Nacken, wahrscheinlich um ihn in einen erneuten Kuss zu ziehen. 

Ihre Blicke trafen sich und sie erstarrten. Durch die dünnen Jogginghosen konnte Bob spüren, dass Peter steinhart war, wusste, dass für den zweiten Detektiv kein Zweifel daran bestehen konnte, dass es ihm umgekehrt genauso ging. Und auch wenn sein Kopf kaum noch zu einem klaren Gedanken fähig war, fragte er sich doch, ob sie hier nicht zu weit gingen. Eine Knutscherei war ja eine Sache, aber das. . .

Bob hatte schon die Muskeln angespannt, die er benötigen würde, um auf der Waschmaschine nach hinten zu rutschen. Peter Raum zu geben, damit er sich aus dieser Situation zurückziehen könnte. Bevor er jedoch auch nur einen Zentimeter weit kam, spürte er den Druck von Peters Handfläche an seinem Steißbein. Ein hilfloses Stöhnen kam ihm über die Lippen, als Peter ihn noch näher an sich zog und gleichzeitig gegen ihn drängte. Das hier war beinahe schon zu viel und dennoch wollte Bob nur eins — mehr.

Was so ziemlich genau das war, was er bekam, als die Waschmaschine wenige Sekunden später in den Schleudergang wechselte. 

„Oh Gott.”

Gleichzeitig mit seinen Worten fiel Peters Kopf nach vorne, seine Stirn nun an Bobs Schulter gelehnt. Die Hitze von Peters Atem durch den Stoff von Bobs T-Shirt reichte aus, damit dieser sich automatisch ins Hohlkreuz drückte — egal was er tun müsste, egal wie schamlos er dabei wirken könnte, er würde es machen, wenn es nur bedeutete, dass er irgendwie noch ein bisschen mehr Druck, ein bisschen mehr Reibung zwischen ihnen erzeugte.

Während die Waschmaschine unter Bob langsam so richtig in Fahrt kam, fanden Peters Lippen seine wieder. Die Küsse, die folgen, waren wohl die anzüglichsten, die Bob in seinem Leben mit irgendwem ausgetauscht hatte. Langsam und lasziv erkundete Peter mit der Zunge Bobs Mund, grinste spürbar gegen Bobs Lippen, als dieser ungehemmt aufstöhnte und Peters Unterlippe zur Revanche kurz zwischen seine Zähne zog. 

Es wäre für Bob ein Leichtes gewesen, so zu kommen. Für Peter ebenfalls, danach zu urteilen, wie seine Atmung zunehmend flacher und stoßweiser wurde, während seine Hüften sich in dem Rhythmus, zu dem Bob ihn mit leichtem Druck seiner Oberschenkel ermutigte, vor und zurück bewegten. Und trotzdem war das alles mit einem Mal nicht mehr genug. Bob hatte keine Ahnung, was hier gerade passierte, aber wenn dies das einzige Mal sein sollte, dass er Peter so für sich hatte, dann würde es verdammt nochmal nicht damit enden, dass er in seine geborgte Jogginghose kam.

Unter Protest seiner Bauchmuskeln setzte er sich etwas gerader auf, sodass er sich nicht mehr nach hinten abstützen musste. Die neu gewonnene Freiheit seiner Hände nutzte er, um seine Finger an Peters unterem Rücken unter den Stretchbund seiner Hose zu schieben. Langsam wanderte er mit der Hand unter dem Hosenbund über Peters Hüfte nach vorn, wo sich die Hitze zwischen ihren Körpern langsam ins Unermessliche zu stauen schien.

Es war eigentlich als eine Art Frage gemeint, doch Peter schien es als Aufforderung zu verstehen. Eine Aufforderung, der er enthusiastisch nachkam, seine Hose und auch gleich noch seine Boxershorts nach unten schob, bis sie ihm in mehreren Lagen Stoff um die Knöchel fielen. Er löste seine Lippen gerade weit genug von Bobs, um zu murmeln, „Du?”

Ein wenig gefiel es Bob, komplett bekleidet zu sein, während Peter praktisch nackt und bebend vor Lust vor ihm stand. Trotzdem zögerte er keine Sekunde, ehe er beide Hände auf der Waschmaschine aufstützte und seine Hüfte ein Stück anhob, damit Peter ihm mit einer schnellen Bewegung Hose und Boxer ausziehen konnte. Er war ja schließlich nicht komplett bescheuert.

Einen kleinen Schritt musste Peter nach hinten machen, um die Kleidungsstücke über Bobs Knöchel schieben zu können. Beinahe hätte er sich dabei in seiner eigenen Kleidung verheddert und wäre zu Fall gegangen. Während er mit einem heiseren Lachen nun doch noch vollständig aus seiner Hose stieg, ließ Bob seinen Blick über den Körper des zweiten Detektivs wandern.

In den langen Jahren ihrer Freundschaft und den vielen merkwürdigen Situationen, in denen sie sich schon wiedergefunden hatten, hatte Bob wohl so ziemlich jeden Teil von Peter schon einmal gesehen. Aber noch nie so, noch nie alles auf einmal, und schon gar nicht vor Erregung gerötet und, im Fall eines ganz bestimmten Körperteils, so angeschwollen vor Lust, dass es schon beinahe schmerzhaft aussah.

Bobs Mund war ganz trocken. Am liebsten wäre er vollends von der Waschmaschine gerutscht und hätte sich vor Peter hingekniet, seine Lippen um ihn gelegt und zugelassen, dass Peter jeden Zentimeter von ihm ausfüllte. Hätte Peter mit seinem Mund und seiner Zunge noch mehr von den Lauten entlockt, die er während ihrer zunehmend wilden Knutscherei von sich gegeben hatte. Doch dann war Peter schon wieder bei ihm, beugte sich über ihn, sodass Bob sich ein wenig nach hinten lehnen musste, und jeder Gedanke an irgendetwas anderes wurde unmöglich. 

Halb rechnete er damit, dass Peter das Gefühl einer anderen Erektion an seiner eigenen verunsichern, vielleicht sogar vollends aus dem Konzept bringen würde. Bob selbst hatte bei seinem ersten Mal vor ein paar Monaten zumindest kurz innegehalten. Peter tat nichts dergleichen, oder wenn, dann merkte man es ihm nicht an. Stattdessen verschluckte er Bobs lustvolles Stöhnen mit einem tiefen Kuss, bei dem er Bob mit den Fingern am Hinterkopf in die Locken fuhr und leicht daran zog, während er genau da weitermachte, wo sie aufgehört hatten, als sie noch angezogen gewesen waren.

Bob war dazu nur zu gerne bereit. In seiner Position sitzend auf der Waschmaschine konnte er allerdings nicht viel mehr zum Geschehen beitragen, als Peter so gut es ging entgegenzukommen. Das reichte nicht.

Einer plötzlichen Eingebung folgend gab Bob es schließlich auf, zu versuchen, die Hüften von der Waschmaschine zu heben. Stattdessen löste er eine der Hände, die er hinter sich aufgestützt hatte, griff zwischen ihre Körper und umschloss damit sich selbst und Peter. 

Und — oh, ja. Das war es, was gefehlt hatte. Dem schien auch Peter zuzustimmen, seinem stoßartigen Ausatmen und dem gehauchten Fuck, Bob nach zu urteilen.

Bob grinste in den etwas unkoordinierten Kuss, in den Peter ihn nun zog und bewegte langsam seine Hand auf und ab. Mit etwas Gleitgel wäre das Ganze sicherlich geschmeidiger gewesen. Andererseits war es einfach unglaublich, Peter so spüren, so unmittelbar, so echt, so—

Bobs Kopf rollte in seinen Nacken, als Peter ein Stück Kontrolle zurückgewann und mit einer schnellen Bewegung seiner Hüften in Bobs lockere Faust stieß.

„Mach das nochmal”, keuchte er, kam Peters Bewegung mit einer Drehung seines Handgelenks entgegen.

Dass die Waschmaschine ratterte, als würde sie Anstalten machen, demnächst abzuheben, war eine glückliche Fügung. Bob versuchte zwar einigermaßen leise zu sein, aber als sie erst einmal einen gemeinsamen Rhythmus gefunden hatten, wurde das zusehends schwieriger. Wie konnte sich Sex bloß so anfühlen? Also nicht nur gut, das tat es ja eigentlich immer, sondern so, dass Bob jetzt schon wusste, dass die Welt nicht mehr die gleiche sein würde, wenn das hier vorbei war, dass er niemals—

„Bob, ich—” Weiter kam Peter, die Stirn nun erneut an Bobs Schulter gepresst, nicht, ehe ein Schauer durch seinen gesamten Körper zu laufen schien und er mit einem heiseren Keuchen über Bobs Hand kam.

Bob drückte sich so weit ins Hohlkreuz, dass er es morgen garantiert spüren würde und beschleunigte dem Brennen seiner Armmuskeln zum Trotz die Bewegungen seiner Hand. Sein eigener Orgasmus erwischte ihn mit einer Wucht, die sein Herz kurz stolpern ließ und er seufzte hilflos gegen Peters Nacken, eingehüllt in den Geruch von Peters Shampoo, seinem Schweiß und einer ordentlichen Portion Arktische Brise.

Während Bobs Puls noch in seinen Ohren wummerte, fanden Peters Lippen seine. Der Kuss war langsamer als alle, die sie zuvor miteinander geteilt hatten, zärtlicher, und auch wenn Bob sich dazu eigentlich noch gar nicht imstande fühlte, konnte er nicht verhindern, dass seine Gedanken sofort anfingen zu kreisen. Was bedeutete das, was eben geschehen war, für sie? Würde es jetzt irgendwie unangenehm sein zwischen ihnen? Oder würde sich so etwas vielleicht sogar von nun an wiederholen?

Er löste sich widerwillig aus dem Kuss. „Peter, wir—”

Sollten reden, hatte er eigentlich sagen wollen, wurde bei seinem Vorhaben jedoch von der Waschmaschine unterbrochen, die mit einem lauten Klack den Verriegelungsmechanismus der Tür öffnete und einen schrillen Piepton von sich gab.

Peter lachte leise auf und machte einen Schritt nach hinten, damit Bob von der Waschmaschine rutschen konnte. Auf wackeligen Knien wandte er sich zu dem Gerät um und drehte schnell den Schalter für die Programmauswahl auf Null. Das Piepen verstummte.

Mit den Händen auf der Oberseite der Waschmaschine abgestützt, verweilte Bob einen Moment. Wartete darauf, dass sein Herzschlag endlich wieder auf ein normales Niveau zurückkehrte, während er sich fragte, wie er Peter nun begegnen sollte. Hinter sich konnte er hören, wie Peter sich wieder in seine Kleidung kämpfte.

Kleidung. Ja. Das war wahrscheinlich eine gute Idee. Seine Hose und Boxershorts lagen direkt neben ihm auf dem Boden und er schlüpfte trotz zittriger Beine einigermaßen schnell hinein. Mit einer kleinen Grimasse angesichts des klebrigen, zunehmend kalten Gefühls auf seiner Hand griff er nach einem der Handtücher auf dem Wäscheberg, dem er sich noch annehmen musste. 

Mit dem Handtuch in der nun gesäuberten Hand drehte er sich zu Peter, um ihm auch etwas zum Abwischen anzubieten.

Peter hatte es noch nicht weiter als bis zur Hose gebracht und Bob musste sehr darum kämpfen, sich nicht von seinem nackten Oberkörper und vor allem den feuchten, in der spärlichen Beleuchtung leicht milchig glänzenden Schlieren auf seinen perfekt definierten Bauchmuskeln ablenken zu lassen. Er — Bob — hatte das angestellt, so unfassbar es auch klingen mochte. Mit Mühe konzentrierte sich Bob auf den skeptischen Gesichtsausdruck, mit dem Peter den Gegenstand in seiner Hand betrachtete. Die Flasche Arktische Brise. 

Eine tiefe Falte hatte sich zwischen Peters Augenbrauen gebildet. „Denkst du, da ist irgendwas drin?”

Bob runzelte die Stirn, neigte fragend den Kopf. „Wie meinst du das, ,was drin’?”

„Na, du weißt schon.” Bob wusste nicht und Peter wedelte vage mit der Hand und rollte ungeduldig mit den Augen. „Pharo— Phero— Dingsbumsda.”

„Meinst du Pheromone?”

„Ja. Das Zeug, das einen—naja. . .”

Dazu bringt, mit dem besten Freund Sex auf einer Waschmaschine haben zu wollen?, hätte Bob gerne gefragt, wurde aber von einem Lachkrampf geschüttelt, der so heftig war, dass an Reden nicht zu denken war.

Als er sich schließlich die Tränen aus den Augenwinkeln wischte, sah Peter ein bisschen beleidigt aus. Bob gab sein Bestes, um sich zusammenzureißen und machte ein paar Schritte auf Peter zu. 

„Hattest du draußen im Schnee je das Bedürfnis mit Baxter Norsworthy so was—” er gestikulierte vielsagend in Richtung der Waschmaschine, „zu tun?”

Peters Augenbrauen zogen sich zusammen. „Äh, nee.”

„Gut.” Bob lächelte. „Ich denke, dann können wir ausschließen, dass ein billiges Parfüm irgendwelche magischen Sexkräfte besitzt.”

„Hm.” Peters Stirn war immer noch gerunzelt, während er wieder auf die Flasche in seiner Hand blickte.

„Peter.” Bob trat noch einen Schritt näher. So nah, dass ihre Fußspitzen sich fast berührten und Peter nicht viel anderes übrig blieb, als Bob in die Augen zu schauen. Der verfluchte die Schmetterlinge in seinem Bauch, die Peters Nähe jetzt noch mehr denn je in ihm auslöste und versuchte, jegliche Nervosität bestmöglich aus seiner Stimme zu halten, als er sprach. “Wenn du wirklich glaubst, dass ich mir nicht auch ohne ein paar Spritzer Arktische Brise schon tausend Mal ausgemalt habe, mit dir sowas zu tun, dann hast du echt noch einiges aufzuholen.”

Er hielt Peters Blick, sah genau, wie sich dessen Augen vor Überraschung kurz weiteten. Betont langsam ließ Bob seinen Blick zu Peters Lippen und wieder zurück zu seinen Augen wandern, grinste, als er feststellte, dass Peters Atem deutlich schneller ging. Dann drückte er Peter das besudelte Handtuch in den Arm und machte auf dem Absatz kehrt.

„Du kannst ja mal drüber nachdenken, während du den Rest der Wäsche erledigst.” Bereits mit einem Fuß in der Tür zum Hauptgebäude drehte Bob sich noch einmal um. „Nun mach nicht so ein Gesicht, Peter”, echote er die exakten Worte des zweiten Detektivs vom selben Vormittag. „Du kannst dann ja die Lorbeeren für das Bezwingen des Wäschebergs einstecken.”

Er trat in den Flur und ließ die Tür hinter sich zufallen. Ein breites Grinsen stahl sich über sein Gesicht, als Peters amüsiertes Schnauben aus der Waschküche zu ihm drang. Früher oder später würden sie über das, was eben passiert war, reden müssen. Für den Moment aber war Rache eben einfach nur süß.

Notes:

Zwischen den Jahren soll man ja bekanntlich keine Wäsche waschen. Falls euch solcher Aberglauben nicht interessiert und ihr es trotzdem tut, habt ihr jetzt was, woran ihr dabei denken könnt ;) In diesem Sinne, frohes Wäschewaschen und, noch viel wichtiger, frohe Weihnachten!