Chapter Text
Puuuhh... Frische Luft, dachte Steve, der sich in der Frühlingssonne streckte und tief ihre Luft einatmete. Der kleine Hörsaal war rappel voll gewesen, viele mussten stehen und die Klimaanlage funktionierte anscheinend nicht. Sie wussten doch, wie viele Studenten sich angemeldet hatten, warum bekamen sie dennoch so einen kleinen Saal für ihre Einführung. Steve hoffte, dass die nächste Erstlings-Veranstaltung besser verlief. Er hatte sich für ein Kunst- und gleichzeitig einem Geschichtsstudium eingetragen. Für die Kunst hatte er ein Stipendium erhalten und Geschichte wählte er, weil er sich sehr dafür interessierte, wie sich die Welt im Laufe der Zeit so verändert hatte.
Steve Grant Rogers war 26 Jahre alt – er hatte ein paar Jahre nach seinem Highschoolabschluss erst einmal gearbeitet, damit er sich das Studium auch leisten konnte – war groß und gut gebaut, blond und trug ab und zu eine Brille, war recht unscheinbar gekleidet, meist mit Khakihosen und einem Hemd darüber. Sein Rucksack war gefüllt mit allerlei Bücher und besonders wichtig: Seinem Skizzenbuch, das ihm überallhin mit folgen musste. Er wohnte in Brooklyn in einer kleinen Ein-Zimmer-Wohnung, hatte einen Nebenjob in einem Museum und war ansonsten eigentlich alleine, seine Familie längst von ihm gegangen und Freunde...nun, er hatte nie wirklich welche gehabt, fanden ihn viele immer zu eigenartig. Früher war er gefühlt einen Meter kleiner und hatte ein Viertel seiner jetzigen Körpermasse. Seine Jugend brachte ihn dazu an Muskelmasse zuzunehmen, denn es konnte nicht so weitergehen, dass er jedesmal zusammengefaltet wurde, wenn er versuchte jemandem zu helfen, der gerade noch verschlagen wurde. Es hatte keinen Sinn, dass er einmal die Woche im Krankenhaus aufwachte und die Schläger irgendwann mit voller Absicht auf kleinere Jungs – aber auch Mädchen – losgingen. Es war ein Teufelskreis. So ging er, als seine Mutter als letzter Teil seiner Familie starb, ins Fitnessstudio um Frust und Wut ab- und Muskeln aufzubauen. Es wirkte. Nachdem er wirklich fast täglich dort aufkreuzte und noch in der Pubertät war, konnte sich sein Körper zu dem entwickeln, was er jetzt war. Er war stolz auf seinen Körper, so war er gestählt und fast makellos, doof nur, dass sein fehlendes Selbstvertrauen diese Adonis-Statur kaputt machte und so versteckte er sich meistens, benutzte seine Muskeln nur, um Schwächeren zu helfen und nicht, um damit anzugeben oder Jungs abschleppen zu wollen. Richtig gehört, Jungs. Steve war schwul. Frauen hatten schöne Kurven, waren nackt ästhetischer als so ziemlich jeder Mann, immer gut zu zeichnen, jedoch waren oftmals gerade sie es, die innerlich hässlich und zerstörerisch waren. Mehr Frauen als Männer hatten ihn geschlagen und gemobbt, sie hatten ihm psychisch sehr geschadet, böse Gerüchte verbreitet und öffentlich über ihn gelacht. Kaum sah jemand dies, taten sie einen auf unschuldig und benutzten ihre Brüste, um aus der Situation zu entkommen. Steve mochte das raue und kantige an den Männern mehr, sie waren ehrlicher und loyaler. Er fand sich ihnen mehr hingezogen und erkannte erst vor ein paar Jahren, dass er wohl schwul war.
Inzwischen war Steve im Hörsaal der nächsten Veranstaltung – für Geschichte – angekommen und stellte sich zu anderen Menschen in die hintere Reihe. Na super, schon wieder stehen und ein paar Meter weiter standen ein paar Rowdys, die sich laut unterhielten und einen Scheiß auf den armen kurzen Professor vor ihnen gaben.
***
„Du willst da echt nicht rein, oder?“. „Ich will die Scheiße nicht schon wieder wechseln müssen..“. „Ich weiß auch nicht, warum du dich für Geschichte eingetragen hast..“. „Es interessiert mich einfach, okay?“. „Was auch immer..wir sehen uns dann..“. Brock zündete sich eine Zigarette an, als er ging und Bucky alleine ließ. Eben genannter hob eine Augenbraue und schrie ihm hinterher: „Ich dachte du hättest aufgehört?!“. „Genau so, wie du 'aufgehört' hast!“, kam die Antwort. Der Kaugummi hatte wohl seinen trügerischen Mundgeruch nicht überdeckt. James Buchanan Barnes, lieber genannt als Bucky, 27 Jahre alt, immer mal wieder Ex-Raucher und ein Metaler. Seine dunkelbrauen, fast schwarzen Haare gingen ihm bis zu den Schultern, teilweise auch ins Gesicht, er hatte ein Piercing an der rechten Seite der unteren Lippe und die ganzen Ohren voll mit dem Schmuck. Meist trug er ein Shirt von einen seiner Lieblingsbands, dazu eine schwarze oder blaue Jeans und Kampfboots darunter. Schmuck trug er sonst keinen, außer die schwarze Farbe, die unter seine Haut gestochen war. Viele Tattoos hatte er nicht, aber ein ganz besonders großes, das seinen gesamten linken Arm bedeckte. Er hatte eine Durchblutungsstörung in diesem Arm, was diesen immer bleich und kalt werden ließ – er musste aufpassen, dass er ihn genug bewegte, bevor Teile davon abstarben. Seine Freunde ärgerten ihn damit, dass der Arm bestimmt nicht echt ist und er einfach nur eine Prothese trug und zu eitel war um es zuzugeben. Er ging damals besoffen in ein Tattoostudio von so einem komischen alten Kauz, names Zola, um sich seinen gesamten Arm im biomechanic-style tattoowieren zu lassen. Und so sah es nun aus, als trüge er wirklich eine Prothese und mit dem fehledem Blut in seinem Arm, fühlte er sich auch so an. Er studierte an der Universität schon länger, vorher war es Sport und IT, doch darin hatte er versagt, sodass er sich ein anderes Fach suchte, mit Sport alleine kam er nicht weit. So trug er sich zu Geschichte dazu, da ihn das schon immer interessiert hatte.
Er wohnte in einer WG mit ein paar Freunden in Brooklyn. Sie waren so etwas wie eine Gang, die viel Feiern gingen, sauften und Unfug anstellten. Sie nannten sich Hydra, wie das große drachenartige Monster mit den vielen Köpfen. Alle fanden sie es cool und böse, was sie natürlich auch waren. Bucky und seine Mitbewohner waren aber nur der innerste Kern von Hydra, waren sie doch eigentlich viel größer. Dieser Kern bestand neben ihm noch zusätzlich aus Brock Rumlow (29), Natasha Romanov(25), Jasper Sitwell(29) und Alexander Pierce(31). Sie wurden in der Metal-Szene sehr beliebt und wurden immer mehr, aber auch gefürchteter in den Clubs und Bars, da sie alles zerstörten – was ihre Ausgaben in Alkohol aber immer wieder wett machten. Früher hatte Bucky das alles geliebt, aber inzwischen wurde er immer Älter und somit auch fauler und etwas (!) reifer, der Rest von Hydra aber nicht. Bucky machte sich inzwischen ernsthafte Sorgen, ob Alex nicht inzwischen ein Alkoholprolem hatte, doch wenn man ihn darauf ansprach, gab es meistens Stress. Bucky ging aber in den meisten Fällen mit, wenn sie Feiern gingen, da er irgendwo ja noch seinen Sex bekommen musste. Er war der Frauenheld schlechthin und schleppte jeden Abend eine andere ab, dass es noch welche gab, die er nicht hatte, war ein Wunder. Doch etwas, was keiner wissen sollte: Oft war er zu blau, als dass er tatsächlich seine neue Bekanntschaft geknallt hätte – doch sie war es auch und so erzählten sich beide am jeweiligen nächsten Tag, wie geil doch die Nacht war. Er hatte noch nie eine richtige Freundin gehabt, waren sie alle zu öde oder nervig. Deswegen hatte er es auch mal mit Männern versucht, aber das gab viel Getuschel und so ließ er es bleiben, auch wenn es ihm insgeheim gefallen hatte. Er mochte er seine Ruhe aber trotzdem Vögeln, das sollte auch so bleiben. Arrogant wie er war, war er sich auch sicher, dass es immer so bleiben würde. Mit dem Training würde er ewig so gut aussehen.
So ging er also in den Hörsaal und traf gleich neben der Tür einige Metaler, die an ihrem Körpern irgendwo ein Hydra-Zeichen trugen. „Bucky! Schön, dich zu sehen!“. „Du und Geschichte? Wer hätte es gedacht.“. „Der will doch bestimmt nur geile Mauerblümchen abschleppen, wa?!“. Bucky lachte und gab passende Antworten, obwohl er die Menschen vor sich eigentlich gar nicht kannte, aber sie kannten ihn wohl ziemlich gut. Er unterhielt sich ein wenig mit ihnen, während der Professor vorne schon anfing zu reden.
***
Am nächsten Tag begannen auch schon die Vorlesungen und Steve saß viel zu früh vor dem Hörsaal für 'Mittelalterliche Geschichte'. Schon von weitem hörte er die lauten Idioten von gestern und verdrehte entnervt die Augen. Überall gab es diese nervtötenden Menschen, wieso hatte er auch gehofft auf der Uni seine Ruhe zu haben. Er sah auf seinen Skizzenblock, auf dem er den Flur vor sich zeichnete, während er am Boden an die Wand gelehnt saß. Sie gingen plappernd an ihm vorbei, doch musste er aufschauen, als ein betörender Duft mitzog. Es roch viel nach Parfum und Deodorant, aber auch leicht nach Schweiß – er hatte was animalisches. Steve sah auf und sah einen schwarz gekleideten Mann vor sich stehen, der in etwa in seinem Alter sein könnte, er war es, der so gut roch. Er schwitzte ein wenig und hatte ein fast ungesundes rot im Gesicht – kam er gerade vom Sport? So, wie er körperlich aussah, könnte er einer von den Sportstudenten sein. „Was glotzt'en so?“, fragte ihn einer aus der Gruppe und sah auf ihn herunter. Kurzerhand hatte er ihm sein Skizzenblock aus der Hand gerissen und blätterte wild durch die Seiten. „Was'n das für'n hässliches Gekrackel...Blümchen und Gemüse?“, spottete ein anderer, riss ihm abermals das Buch aus der Hand und wollte gerade ausholen, um es in den nächsten Mülleimer zu schleudern, doch da stand Steve schon auf den Beinen. Er trat ihm in die Kniekehle, sodass er zu Boden sackte und nahm seinen Block wieder an sich, jetzt wo der andere seine Hand auf Steves Augenhöhe hatte. Er sagte dazu nichts weiter und wollte gerade gehen, als der erste, der gesprochen hatte, ihn hart schubste. „Ey! Was soll'n das, du Nerd?!“. Steve drehte sich herum und fing einen Faustschlag ab, konterte mit einem gezielten Stich mit seinem Finger in dessen Zwergfell. Dieser Niemand heulte auf vor Schmerz und krümmte sich.
Steve spürte ein Augenpaar auf sich ruhen und sah zu diesem Jemand, dem diese Augen gehörten. Das war der mysteriöse gutriechende Mann und sie hielten für 2 Sekunden den Augenkontakt, bevor Steve sich herumdrehte und ein paar Meter weiterging, um dort zu warten. Das Augenpaar aber folgte ihm. Steve konnte nicht anders, als sich wundern, wer das war. Er kam ihm vertraut vor, aber in seinen Erinnerungen kam ihm niemand in den Sinn.
***
Bucky sah genervt der Szenerie zu. Diese falschen Freunde waren unglaublich anstrengend und fühlten sich als was besseres, nur weil sie Hydra angehörten. Sie behandelten ihn wie einen Boss und fühlten sich noch mehr, da sie mit 'dem Boss' in den gleichen Unterricht gingen. Er aber fand das alles übertrieben und ignorierte die Bagage meistens. Doch der Mann, der auf dem Boden saß und zeichnete, überraschte ihn. So wehrte er sich gegen den Angriff so einfach und doch so überlegen. Seine meeresblauen Augen, schauten ihn für Sekunden an und wanden sich dann ab. Er bekam Gänsehaut. Sie kamen ihm vertraut vor, doch kam er nicht drauf, wieso. Normalerweise legte er den Gedanken schnell beiseite, doch diesesmal blieb er hartneckig hängen. War wohl keiner aus der Szene, so wie er sich kleidete, wohl jemand von früher?
