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Ein besonderes Geschenk

Summary:

Es ist Dezember und Oscar und André sind beide viel mit der Arbeit beschäftigt, weshalb sie kaum Zeit füreinander haben. Am 25. Dezember, an Oscars Geburtstag, haben sie jedoch ein Rendezvous geplant, für das André sich viel Mühe gibt, denn schließlich ist es ihr erstes Mal, dass sie Weihnachten und Oscars Geburtstag gemeinsam als Liebespaar verbringen...

Notes:

Ich bin so glücklich, dass ich es dieses Jahr wenigstens für Oscars Geburtstag geschafft habe, diese Geschichte pünktlich fertig zu schreiben, obwohl die Vorweihnachtszeit etwas stressig war...

Hier ist jetzt gerade der 25. Dezember...

Frohe Weihnachten an alle und herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Oscar!

Work Text:

Es war Dezember geworden und das Anwesen der Jarjayes lag in den frühen Morgenstunden noch im Nebel. Andrés Atem war weiß, als er ausatmete, den Besen an die Stallwand lehnte und sich seine Hände gewölbt vor den Mund hielt. Durch das Fegen und die Kälte waren seine Finger ganz starr gekrümmt. Er atmete in seine Hände, um sie zu erwärmen. "Wo hab ich bloß meine Handschuhe gelassen?", ärgerte er sich über sich selbst. Als er zum Himmel schaute, sah er, dass die helle Morgenröte sich langsam endlich durch die schweren, dunklen Nachtwolken brach. In der Ferne krähten ein paar Raben.

Die körperliche Arbeit hatte ihm den Schweiß auf die Stirn getrieben, den er sich grob mit dem Ärmel wegwischte, bevor er durch die offene Tür in den Stall ging, um die Kehrschaufel zu holen. Es galt keine Müdigkeit vorzuschützen, denn es gab heute einiges zu tun. Oscars Pferd musste gesattelt werden und danach hatte er Einkäufe und andere Angelegenheiten für die Jarjayes in Paris zu erledigen. Am Nachmittag hatte er versprochen seiner Großmutter beim Putzen und  verschiedenen Vorbereitungen für die Festtage im Haus zu helfen. Nicht nur Weihnachten und Neujahr würden gefeiert werden, sondern auch der Geburtstag seiner geliebten Oscar! Alle Bediensteten waren sicher schon in großer Aufregung... "Ah...", murmelte er leise vor sich, "Heute Abend übernehme ich ja noch Mathéos Aufgaben..."

"André! Guten Morgen!", ertönte es plötzlich und als er sich umdrehte, sah er Oscar im Eingang stehen. "Du bist ja mal wieder früh dran..." Sie kam lächelnd auf ihn zu und schlang die Arme um ihn. 

"Guten Morgen.""Schau mal, was ich dir mitgebracht habe. Die lagen auf dem Fußboden im Flur."

"Ah! Merci!" Dankbar schaute er auf das Paar Handschuhe, das sie ihm entgegenhielt. "Ich hab mich schon gefragt, wo sie sind! Ich muss sie heute Morgen beim Rausgehen wohl verloren haben..."

"Wie gut, dass du mich hast." Sie hatte den Kopf in den Nacken gelegt, damit er ihren Wunsch sie zu küssen in ihren Augen ablesen konnte. Er lächelte glücklich zurück, bevor er mit seinem Zeigefinger ihr Kinn anhob und sanft seine Lippen auf die ihren legte.

"Hihi...", kicherte sie zufrieden vor sich hin, als sie spürte, wie André sie näher zu sich heranzog, während ihre Lippen sich leicht öffneten und seiner Zunge Einlass gewährten. 

"Mmmh..." Verspielt begegneten sich ihrer beider Zungenspitzen, bis sie miteinander verschmolzen und ihre Küsse immer leidenschaftlicher wurden.

Seit Anfang der Adventszeit war es zu ihrer beider Routine geworden, sich morgens in aller Frühe bei den Pferden zu treffen und dort ein wenig Zweisamkeit zu genießen. Oscar war in den letzten Wochen noch mehr als sonst im Dienst der königlichen Familie eingespannt, denn schließlich würde der Adel aus ganz Frankreich zu Neujahr nach Versailles kommen, um das Königspaar zu grüßen. Die Leibgarde musste dafür perfekt vorbereitet sein, weshalb sie Extra-Trainings anordnete, mit ihren engsten Untergebenen Sicherheitspläne durchging und die Gästeliste auswendig lernte. Abends kam sie dann erschöpft nach Hause und obwohl sie eigentlich nach all den Überstunden gerne mit André die Nächte verbringen wollte, schlief sie häufig nach dem Abendessen ein. Allerdings schien ihr Geliebter auch ziemlich beschäftigt, denn wenn sie nach ihm rief, kam es öfters vor, dass er nicht aufzufinden war. "Er muss noch arbeiten..." oder "Er hat noch was zu erledigen...", erklärte Baaya ihr auf ihre Nachfragen und auch wenn sie das Ganze etwas seltsam fand, bohrte sie nicht weiter nach, denn sie wusste, dass das Ende des Jahres für alle am anstrengendsten war. 

"Oscar...", hauchte André, während er versuchte, sich langsam zurückzuziehen, was sich als schwerer als gedacht herausstellte, da Oscar immer wieder ihren Mund auf den seinen presste. "Oscar... ich muss... dein Pferd..."

"Gleich... Oder magst du nicht mehr...?"

"Doch... natürlich..." Voll Verlangen küsste er sie zurück, bis er seine Lippen abwand und über Wange ihre Stirn küsste. "Aber wir verspäten uns sonst noch..." André umarmte sie zur Bekräftigung ganz fest und streichelte mit einer Hand über ihr Haar.

Oscar schmiegte sich an ihn und seufzte. "Du hast ja recht... Ruf mich, wenn du fertig bist..."

"Mach ich." Zart strich er ihr über ihre Wange und sie konnte sich in seinem weichen Blick spiegeln sehen. 

Oscar verabschiedete sich und ging zurück zum Haus, während André den Sattel holte und die Boxentür der weißen Stute öffnete. "Guten Morgen!", grüßte er sie und kraulte sie am Widerrist. Sie wieherte erfreut als Antwort.

 

Der Himmel war den ganzen Tag wolkenlos blau gewesen und als sich die Sonne am Nachmittag langsam senkte, war André gerade dabei, seiner Oma mit der Wäsche zu helfen.

"André, hier sind noch ein paar Kissen und Decken, die ich ausgebessert habe. Ich möchte, dass du die in die Jagdhütte bringst. Hier im Haus werden sie nicht mehr benötigt, aber falls General de Jarjayes in den nächsten Monaten auf die Jagd geht, sollten ein paar warme Decken zur Sicherheit bereitliegen."

"Gut, dann bring ich sie gleich hin."

"Danke. Nimm am besten den Karren mit! Danach kannst du Feierabend machen." Marron Glacé Mont Blanc atmete erschöpft aus und rückte ihre Brille zurecht. "So, ich werde jetzt das Abendessen vorbereiten. Wir sehen uns dann beim Essen."

André nickte. "Bis später."

Er musste ein paar Mal hin und her gehen, um die Kissen und Decken zu verladen, weil er nicht alles auf einmal tragen konnte. Bis zum Einbruch der Dunkelheit könnte er es schaffen zurück zu sein, doch dafür musste er sich jetzt wirklich beeilen. Kräftig zog er den Karren hinter sich her und marschierte in den Wald hinein.

Die kleine, steinerne Jagdhütte am Rand einer Waldlichtung wurde manchmal genutzt, wenn Oscars Vater mit einigen seiner Bekannten Geschäfte abschließen oder Vereinbarungen treffen wollte uns sich diese bei einer Verabredung zur Jagd besonders anbot. Dabei kam es oft vor, dass in der Hütte übernachtet wurde, um entweder am späten Abend oder in den frühen Morgenstunden das Wild gleich aufspüren zu können. Nach der Jagd führte der Weg ins Haus der Jarjayes, wo bei üppigem Mahl, möglichst aus dem erbeuteten Wild bestehend, und reichlich Wein, der Erfolg der Jägerei und die Besiegelung der Verträge gefeiert wurde.

André schloss die Tür der Hütte auf und trat ein. Einige Sonnenstrahlen fielen durch das Fenster auf den Holzboden. Er sah sich um. Es war schon einige Zeit her, seitdem er das letzte Mal hier gewesen war, doch der Anblick der dunklen Möbel frischte sogleich seine Erinnerungen auf. Die Inneneinrichtung war ländlich-rustikal gehalten und erzeugte eine gemütliche Atmosphäre. "Eigentlich eine Verschwendung, dass die Hütte so selten benutzt wird...", dachte er bei sich, während er mit seinem Fuß den Türstopper vor die Tür schob. Geschwind trug er die Kissen und Decken hinein und verstaute sie in zwei großen Truhen, die an der Wand standen.

Auf dem Weg zurück legte sich der frühe Abend über den Wald und das große Grundstück der Jarjayes. Es war auch eindeutig kälter geworden und als André mit hochgezogenen Schultern und händereibend in die Küche eintrat, rührte seine Großmutter gerade in einem Kochtopf. 

"Du kommst gerade richtig, André, die Suppe ist gleich fertig. Setz dich schonmal hin, ich gebe Manon Bescheid, dass sie den Herrschaften servieren soll."

"Danke...", bibberte ihr Enkel und setzte sich.

Manon, eines der Dienstmädchen, schob das Servierwägelchen, auf dem die Vorspeise, bestehend aus zwei Tellern mit dampfender Gemüsesuppe und einem Körbchen Brot, stand, hinaus über den Flur ins Speisezimmer.

Da es nur zwei Teller waren, bedeute das wohl, dass Oscar noch nicht zurück aus Versailles war.

Mit einem "Bon appétit" wurde vor André ebenfalls ein tiefer Teller Suppe und ein kleiner Teller mit etwas Brot hingestellt. "Hm!", schnupperte er und kostete einen Löffel. Das warme Gericht war lecker und tat wirklich gut. 

Als sein Blick jedoch auf die Küchenuhr fiel, verschluckte er sich fast. Ihm blieb noch knapp eine Viertelstunde bis zu seiner nächsten Aufgabe. Hastig schlang er den Rest Suppe hinunter und biss in eine Scheibe Brot. "Danke, Oma, das war echt lecker", mampfte er und stand auf.

"Aber wo willst du denn hin? Was ist denn mit dem Hauptgericht?!"

"Ich muss noch arbeiten..." Damit verschwand André aus der Küche und eilte nach draußen über den finsteren Hinterhof, wo Mathéo bereits neben zwei hellen Fackeln auf ihn wartete.

"N´Abend. Ist ja schon ganz schön kalt geworden, was? Dauert sicher nicht mehr lange, bis der erste Schnee fällt." Der blonde Mathéo verschränkte die Arme wärmend vor der Brust.

"Guten Abend. Ja, da könntest du recht haben..." 

"Hier...", Mathéo zeigte auf einige Reihen aufeinander gelegtes Brennholz, "die hier müsstest du hacken. Da liegt die Axt."

André zog bei der überraschenden Menge die Luft ein. "Alles klar..."

"Hier ist schonmal dein Lohn." Mathéo übergab André ein kleines, vor Münzen klingelndes Säckchen. "Viel Erfolg... Wir sehen uns dann morgen. Und danke..." Im Vorbeigehen klopfte er ihm freundschaftlich auf die Schulter. 

"Bis morgen..." André atmete noch einmal tief ein und aus, bevor er sich selbst motivierend zunickte, dass er die Arbeit nur anpacken und erledigen müsse. Er zog seine Handschuhe an, nahm das erste Stück Brennholz, legte es auf den Baumstumpf nah bei und holte die Axt. Konzentriert holte er aus und zerteilte es in zwei.

Mathéo war hauptsächlich für den Wald und die Ländereien der Jarjayes verantwortlich und besorgte im Winter auch das Feuerholz für die Adelsfamilie. André hatte ihn vor ein paar Wochen gefragt, ob er ihm für einige Zeit nicht helfen könnte und seitdem hackte er fast jeden Abend für einige Stunden Holz. Mathéo kam das Hilfsangebot äußerst gelegen, denn sein Rücken machte ihm öfters zu schaffen, und das Holzhacken überließ er gerne jemand jüngerem. Zudem war auf André Verlass, er erledigte seine Aufgaben immer gewissenhaft. Weshalb dieser allerdings nach seiner Arbeit, die doch quasi bei Sonnenaufgang begann und bei Sonnenuntergang endete, da er im Dienst der Mademoiselle und ihrer Familie stand, noch eine Nebentätigkeit anfing, war ihm schleierhaft. Ebenso der Grund, wofür er das Taschengeld brauchte... Das hatte André ihm alles nicht verraten...

Obwohl es inzwischen sehr kalt geworden war, strich André sich die schweißnassen Haare aus der Stirn. Seine Kleidung klebte dazu unangenehm an seinem Körper. Auch wenn er sich mittlerweile an das Holzhacken gewöhnt hatte, war er nach einem langen Arbeitstag erschöpft und sehnte sich nach einem heißen Bad, seinem Bett und... Oscar in seinen Armen. 

Letzteres würde aber auch heute sicher wieder nur ein Wunschtraum bleiben...

Nachdem er fertig war, löschte er die Fackeln und begab sich zurück ins Haus. Schweren Schrittes begann er die Treppen in den dritten Stock zu seinem Zimmer hinaufzusteigen, um sein Schlafgewand zu holen. "Nur noch schnell baden und dann schlafen...", dachte er sich, als er seine Toilettenartikel zusammengeklaubt hatte und sich auf den Weg ins Badezimmer für die Angestellten machte.

"Oscar!" André sah auf einmal, wie diese die Eingangstür hinter sich schloss und beeilte sich schnell nach unten.

"Oh, André!"

"Du bist aber ganz schön spät heute..."

"Naja..." Oscars Blick blieb an Andrés müden Augen haften.

"Hast du schon gegessen? Oder soll ich dir was zu trinken bringen...?"

"Nein, schon gut...", lächelte sie. "Ich gehe kurz hoch in mein Zimmer und leg die Uniform ab... Ich geb danach Baaya Bescheid..." 

"Na gut..."

Sie blickte kurz zur Seite, um sicherzugehen, dass sie niemand sehen konnte, bevor sie seine Hand ergriff und sie leicht drückte. "Komm am 25. nach dem Abendessen zu mir. Ich muss am 26. erst ab nachmittags arbeiten..."

Andrés Herz machte einen Sprung. "In Ordnung. Ich freu´ mich..."

Ihre Wangen erröteten. "Schlaf gut. Bis morgen."

Er drückte ihre Hand zurück. Sein Blick war ganz weich. "Gute Nacht, Oscar."

Sie schauten einander noch einmal fest in die Augen, bevor Oscar die Treppe hinaufging.

 

Das Bad hatte gutgetan, fast zu gut, denn er wäre beinahe in der schneeweißen Wanne eingenickt. Die Uhr hatte bereits zwölf geschlagen, als er am Schreibtisch in seinem Zimmer saß und auf das Blatt vor sich starrte. Daneben lagen ordentlich der Größe nach geordnet Münzen und das Säckchen, das er heute von Mathéo erhalten hatte. In fein säuberlicher Handschrift schrieb er einige Zahlen auf das Papier. Er tippte sich mit dem Zeigefinger an die Unterlippe, während er zur Sicherheit nochmal durchrechnete. "In zwei Tagen bekomme ich mein Gehalt... Und nur noch fünfmal Holzhacken... Dann hab ich das Geld zusammen...", murmelte er freudvoll vor sich hin. Und er würde mit Oscar an ihrem Geburtstag ein Rendezvous haben! Er lächelte vor sich hin. Bis in den nächsten Tag hinein könnten sie Zeit miteinander verbringen, hatte sie gesagt. Was für ein Luxus bei ihren jetzigen Schichten! Oscar hatte auch ziemlich ermattet gewirkt... Etwas mehr Ruhe täte ihr sicher gut, aber das war gerade undenkbar. Er musste sich etwas einfallen lassen, um sie während ihrer Zweisamkeit ganz sicher von der Arbeit abzulenken!

Er blies die Kerze auf dem Schreibtisch aus, bevor er sich zu Bett begab und weiter überlegte, wie er ihren Geburtstag zu etwas Besonderem für sie gestalten konnte. 

 

Die Tage vergingen und am Morgen des 24. Dezembers machte sich André auf nach Paris. Der Himmel war grau und ein eisiger Wind wehte. Schnellen Schrittes durchquerte er die Straßen, in denen langsam die Tagesgeschäfte begannen. Er zupfte den Kragen seines Mantels zurecht, bevor er die Hand auf die Türklinke des Lädchens legte, für das er heute in die Hauptstadt gekommen war. Beim Eintreten in das Juweliergeschäft klingelte ein Glöckchen.

"Bonjour Monsieur", begrüßte ihn der Besitzer. "Was kann ich für Sie tun?"

"Ich hatte eine Anzahlung auf eine Brosche bei Ihnen gemacht und möchte heute den restlichen Betrag bezahlen."

"Ah, Monsieur Grandier, nicht wahr? Bitte warten Sie kurz." Aus der Schublade hinter dem Tresen holte er eine kleine, kunstvoll verschnörkelte Schatulle hervor. Vorsichtig  öffnete er diese und schob sie vor André. "Bitte überprüfen Sie, ob dies die richtige Brosche ist."

André schaute auf das funkelnde Schmuckstück, das aus einem recht großen ovalen Rubin in einer Goldfassung, umrandet von vielen kleineren hellroten Rhodoniten bestand. "Ja, das ist die Brosche."

"Gut, dann mache ich sie fertig für Sie."

Nachdem André bezahlt hatte und wieder draußen auf der Straße gestanden hatte, konnte er das Lächeln, das begann, sich in seinem Gesicht auszubreiten, nicht unterdrücken. Endlich hielt er das Geburtstagsgeschenk für Oscar in seinen Händen! Die harte Arbeit in den letzten Wochen und Monaten hatte sich am Ende ausgezahlt! Seit er an einem Spätsommertag zufällig die Brosche im Schaufenster gesehen hatte, wusste er, dass er sie Oscar schenken wollte, und auch wenn sie ein Vermögen kostete, hatte er so schnell es ging eine Anzahlung gemacht. 

Natürlich wusste er, dass Oscar keine kostspieligen Geschenke in Form von Schmuck von ihm erwartete. Nicht nur, dass sie um sein ungefähres Gehalt Bescheid wusste, sie war im Gegensatz zu den anderen Adeligen in Versailles nicht an schweren Juwelenkreationen wie Ketten oder Ohrringen zu den pompösen Kleidern interessiert. Durch ihre Stellung als Kommandant in der Leibgarde hatte sie ohnehin kaum Gelegenheit etwas anderes außer ihrer Uniform zu tragen, und selbst dann verzichtete sie auf Schmuck.

Eine Brosche allerdings würde sie sowohl beruflich als auch privat tragen können...

Seit zwei Jahrzehnten hatten sie jedes Jahr zusammen ihren Geburtstag verbracht, aber dieses Jahr würden sie ihn zum ersten Mal als Liebespaar feiern und er wollte dieses besondere Ereignis mit einem außergewöhnlichen Geschenk für sie unvergesslich machen.

Er blickte noch einmal zufrieden auf die Schatulle in seiner Hand, bevor er sie in seiner Manteltasche verschwinden ließ. Später am Nachmittag würde er die letzten Vorbereitungen beenden und dann stünde dem Geburtstags-Rendezvous zu zweit nichts mehr im Weg.

 

Als Oscar am frühen Morgen des nächsten Tages durch die Korridore des Schlosses ging, rauschten bereits einige adelige Damen auf sie zu, die auf ihre Ankunft gewartet hatten: "Oscar, herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag! Und frohe Weihnachten!"

"Danke, ich wünsche Ihnen auch frohe Weihnachten!"

"Uwaaaah!" Erfreut klatschten sie die Hände ineinander und starrten Oscar  hinterher, die sie soeben freundlich angelächelt hatte. 

"Haaa, Oscar ist wie immer wunderschön!", hauchte die eine.

"Jaaa, und ist sie nicht gerade heute besonders schön?", fragte die andere.

Die Dritte nickte bekräftigend. "Jaja, sie schien gerade äußerst guter Laune zu sein..."

 

Den Vormittag verbrachte Oscar mit Papierarbeit, bevor sie der königlichen Familie und dem Adel bei einem festlichen Mittagessen beiwohnte. Der lange Tisch war prächtig mit Kerzen und verschiedenen Zweigen, Pflänzchen und Christrosen geschmückt. Es wurde opulent aufgedeckt und die Gerichte aus Fleisch, Fisch und Gemüse, begleitet von Brot und gekrönt durch allerlei Kuchen, würden sicher nicht vollkommen verzehrt werden können.

Marie Antoinette hielt eine kleine Ansprache, in der sie am Ende auch Oscars Geburtstag erwähnte, woraufhin alle Köpfe sich in Richtung der blond gelockten Schönheit drehten und die Gläser erhoben wurden. Oscar nickte kurz zum Dank und trank einen Schluck von ihrem Wein. Sie war ja nicht zum Feiern, sondern zum Arbeiten hier. Ihr Blick streifte über die Gäste. Die Stimmung war heiter und ausgelassen. 

Obwohl bekannt war, dass Oscar niemals Geschenke von jemandem annahm - sie war schließlich nicht käuflich - würden nachher in ihrem Büro wieder von Damen jedes Alters ein Haufen Präsente mit teurem Schmuck, Schokolade und Kleidung liegen, alle versehen mit Karten, die eher den Eindruck von kurzen Liebesbriefen als  Geburtstagsglückwünschen machten. 

"Aaaah...", würde André wieder seufzen, "Wissen die denn noch immer nicht, dass du eine Frau bist?! Und ich muss alles wieder zurückgeben..." Bei dem Gedanken an seinen theatralischen Gesichtsausdruck musste sie schmunzeln. 

Nach dem Essen musste sie nur noch ein paar Dinge mit ihrem Untergebenen Graf de Girodelle besprechen, bevor sie Feierabend machen konnte. Oscar hatte  den Grafen schon vor längerer Zeit gebeten, am Abend des 25. Dezembers mit der Königsfamilie die heilige Messe besuchen, um ihren Geburtstag zu Hause in Ruhe mit ihrer Familie feiern zu können. 

Das war natürlich nur die halbe Wahrheit, in Wirklichkeit wollte sie an ihrem Ehrentag mit ihrem Geliebten André zusammen sein. 

Zum Austausch hatte  sie am 24. die Spätschicht übernommen, damit der Graf Heiligabend im Kreise seiner Familie verbringen konnte. Er hatte dankbarerweise sofort zugestimmt.

"André... Nur noch ein paar Stunden, bis wir uns wiedersehen..."

 

Es war bereits dunkel, als Oscar am Nachmittag nach Hause kam. Von Baaya erfuhr sie, dass André noch bei den Pferden war. Da bis zur Messe und zum Abendessen noch Zeit war, bat Oscar sie darum, ein Bad eingelassen zu bekommen.

Sie steckte sich die Haare zu einem hohen Dutt zusammen, bevor sie in das frisch erhitzte Wasser stieg und sich bis zu den Schultern hineingleiten ließ. Ihr ganzer Körper erwärmte sich umgehend und sie atmete entspannt aus.

Nachdem sie sich abgetrocknet hatte, öffnete sie ein Fläschchen mit Rosenöl und roch kurz daran, bevor sie sich damit einrieb. Der sanfte, süße Rosenduft hing in der Luft und während sie mit einer Hand über ihren Arm strich, hoffte sie verträumt vor sich hin lächelnd, dass André ihre samtweiche Haut gefallen würde.

 

Zurück von der Kirche stieß Oscar mit ihren Eltern beim Abendessen auf ihren Geburtstag an, bevor sie zu essen begannen. Ihre Mutter, Georgette, erzählte nostalgisch über den Tag, als Oscar geboren wurde und blickte schelmisch zu ihrem Mann Reynier, der mit gesenktem Blick und vor Scham geröteten Wangen ein Stück Fleisch schnitt. "Du warst so ein süßes Baby, Oscar."

"Und nun hat sie es so weit am Hof geschafft", murmelte ihr Vater, nicht ohne Stolz.

Oscars Wangen färbten sich rot. Obwohl sie bereits lange erwachsen war, fühlte sie sich an ihrem Geburtstag immer wieder wie ein kleines Kind. "Mutter... Vater... bitte..."

Die Dienstmädchen, die in den Ecken des Speisezimmers standen, hielten sich die Hände vor den Mund, um ihr Kichern zu verbergen, und  die kleine Marron Glacé Mont Blanc drehte sich um, um ihre aufkommenden Tränen zu aufzufangen. Sie kannte Oscar seit dem Moment, als sie auf die Welt gekommen war, und hatte sie als Amme die ersten Jahre mehr als jeder andere im Arm gehabt. Wer hätte gedacht, dass das hübsche, kleine Baby zu so einer wunderschönen Frau mit Rang und Namen heranwachsen würde...! 

Die  Jarjayes waren wirkliche eine warmherzige Familie...

Als Oscar bemerkte, dass André in den Raum getreten und sich an die Wand für Anordnungen gestellt hatte, schlug ihr Herz kurz auf.

Das Dessert war bereits verzehrt und die Tafel würde bald aufgehoben werden. 

"Mutter, Vater, vielen Dank für den Abend heute. Ich würde mich nun gerne auf mein Zimmer zurückziehen..."

"Natürlich...", erwiderte Georgette de Jarjayes sofort, "du hattest ja in letzter Zeit so viel zu tun... Ruh dich bitte gut aus. Morgen kannst du ja auch ausschlafen..."

Reynier de Jarjayes nickte freundlich. "Gute Nacht, Oscar."

"Danke." Oscar erhob sich. "Gute Nacht!"

Beim Herausgehen schaute sie André ausdruckslos an. "Komm gleich in mein Zimmer."

Dieser presste die Lippen zusammen um ein Lächeln zu unterdrücken. "Verstanden..."

 

André klopfte an die Oscars Zimmertür. "Ich bin´s."

"Herein."

Er schloss die Tür hinter sich und sie kam gleich freudestrahlend auf ihn zu. "Nanu?", entfuhr es ihr, als sie André nicht wie erwartet in einfachem Hemd und Hose, sondern dick eingepackt im Wintermantel vor sich stehen sah.

"Oscar, zieh dich warm an. Wir gehen nach draußen."

"Nach draußen?", fragte sie verwundert. "Jetzt noch?"

"Ja... Wir machen einen kleinen Spaziergang. Es ist... eine Überraschung...", zwinkerte er.

"Na gut, da bin ich ja mal gespannt..." Sie schaute auf die kleine Laterne und eine Tasche, die André abgesetzt hatte. "Warte kurz..." In ihrem Schrank suchte sie nach etwas, bevor sie sich eine Weste über ihr weißes Hemd anzog und darüber einen Mantel.

"Hier, nicht vergessen", sagte André und setzte ihr eine Pelzmütze auf den Kopf. Nicht auszudenken, wenn Oscar seinetwegen krank werden würde!

"Danke..."

Die beiden verließen das Zimmer und schlichen sich die Treppe hinunter nach draußen, wo sie in der Sicherheit der Nacht einander an den Händen halten konnten. Es war bitterkalt und das Paar presste sich dicht aneinander, während sie den stockdunklen Weg in den Wald fortsetzten. 

"Ah!" André blieb abrupt stehen und hielt das Licht nach vorne. "Ah! Es schneit!"

"Tatsächlich!" Oscar streckte ihre freie Hand aus und sah, wie vereinzelt ein paar Schneeflocken in ihrer Handinnenfläche schmolzen. "Wo gehen wir denn eigentlich hin?"

"Du wirst schon sehen... es ist nicht mehr weit...", lächelte André sie an und drückte ihre Hand in der seinen.

Sie erreichten die Jagdhütte bald darauf. André schloss die Tür auf und legte seine Tasche auf den kleinen Tisch an der Wand. "Warte kurz", sagte er und begann die Kerzen anzuzünden, die überall aufgestellt waren, und den kleinen Raum gleich warm erleuchteten. 

"Setz dich, ich mach schnell Feuer." Er deute auf eine kleine lauschige Oase aus flauschigen Teppichen, auf der eine weiche Matratze mit vielen weichen, bunten Kissen und, sorgfältig zusammengefaltet mehrere Wolldecken lagen. Oscar tat wie ihr geheißen und setzte sich auf die Matratze, während sie André dabei zuschaute, wie er Feuer im Kamin entzündete. Zwischen den Holzstücken funkelte es und die Flammen begannen langsam zu lodern. "Hoffentlich wird es schnell warm..."

Oscar schaute sich in der Hütte um, die makellos aufgeräumt und geputzt war. "Ich war schon lange nicht mehr hier... Das letzte Mal muss vor ein paar Jahren gewesen sein... Mit Vater und dir..." 

"Stimmt..." André legte seinen Mantel über einen Stuhl und stocherte danach mit einer Eisenstange im Kamin.

Das Holz knisterte in den Flammen und die Wärme des Feuers breitete sich allmählich im Raum aus. Oscar zog ebenfalls ihren Mantel und ihre Stiefel aus, bevor sie sich eine Decke über die Beine legte. 

"Möchtest du was trinken?", fragte André über die Schulter.

"Gern."

Er hob ihren Mantel auf und stellte ihre Stiefel ordentlich nebeneinander. Mit zwei Gläsern Champagner in den Händen setzte er sich zu ihr. "Hier, bitte."

"Danke", bemerkte Oscar beeindruckt, "Du hast wirklich an alles gedacht."

"Auf dich, Oscar, alles Gute zum Geburtstag!"

Die beiden stießen miteinander an und die Gläser mit dem prickelnden Getränk klirrten leicht. Der Champagner schmeckte leicht und köstlich.

André stellte sein Glas auf den Boden und holte die Schatulle hervor. "Oscar, das ist für dich..."

Oscar nahm das Geschenk entgegen und schluckte, als sie die wertvolle Aufmachung genauer sah. Sie öffnete die Schatulle und die Brosche funkelte ihr entgegen. "André...", brachte sie mit zittriger Stimme hervor, "Die ist wunderschön..." Behutsam nahm sie das Schmuckstück in beide Hände und wiegte es leicht hin und her. Das Licht brach sich schillernd darin. "Das wäre wirklich nicht..."

"nötig gewesen!", wollte sie eigentlich den Satz beenden, doch als sie in Andrés sanft glänzende Augen sah, brach sie mittendrin ab. Ihr Geliebter hatte ihr mit alles in seiner Macht Stehende das schönste Geburtstagsgeschenk machen wollen, das konnte sie deutlich spüren. Die Brosche musste ihn so viel Geld gekostet haben! Und er hatte genau ihren Geschmack getroffen! 

Oscar blickte erneut auf den Schmuck und ein Lächeln begann ihre Lippen zu umspielen. "Vielen Dank, André!" Sie hielt sich die Brosche vor die Brust. "Na, was meinst du? Steht sie mir?"

Das weiche Kerzenlicht schmeichelte ihrer Haut und die rote Brosche betonte ihre goldene Lockenpracht und ihre blauen Augen. André stockte vor ihrer himmlischen Schönheit der Atem. "Ja... sie steht dir ganz ausgezeichnet..."

"Fufu...", kicherte sie. "Ich werde sie ganz oft tragen!"

"Ja..."

"Ich hab auch etwas für dich..." Sie übergab ihm ein Paar Handschuhe aus Wildleder und einen Pelz, den man als Schal gebrauchte. Als André sie in ihrem Zimmer gebeten hatte, sich warm anzuziehen, hatte sie instinktiv gespürt, dass sie die beiden Geschenke für ihn, die sie in ihrem Kleiderschrank aufbewahrt hatte, mitnehmen sollte, und sie heimlich unter ihrem Mantel versteckt.  "Frohe Weihnachten!"

"Oscar..." André betrachtete die Kleidungsstücke perplex in seinen Händen.

"Deine Handschuhe sind ja schon ganz abgenutzt", zwinkerte sie. 

"Danke..."

Sie rückte auf den Knien näher an ihn heran und schlang den Pelz um seinen Hals. "Der passt wirklich gut zu deinen Haaren..." Für einen Moment schaute sie ihm in die Augen, bevor ihr Blick zu seinen Lippen wanderte. Er legte seine Hände an ihre Hüften und sie schloss die Lider, als er ihren Mund küsste. Ihre Arme schlangen sich um seinen Nacken, damit er sie dicht an sich ziehen konnte. "Ich...", hauchte sie zwischen ihren Küssen. "hab dich so vermisst..."

Andrés Herz schlug laut auf. "Ich dich auch, Oscar..."

Ihrer beider Sehnsucht nacheinander nahm Überhand und beide öffneten ihre Münder, um ihre Zungen miteinander verschmelzen zu lassen. 

"Hnnn..." Oscar spürte, wie ihr die Röte ins Gesicht stieg und sich ein Ziehen in ihrem Unterleib bemerkbar machte. Sie ließ sich  von André in die Kissen leiten und versuchte ihm dabei seine Jacke von den Schultern zu streifen. Als diese ausgezogen war, begann André die Knöpfe von Oscars Weste und die Schleife ihres Hemdes zu lösen. Mit einem linden Lächeln beobachtete er dabei, wie ihre runden, weißen Brüste freigelegt wurden. Wenn sie mit ihm zusammen war, trug sie meistens kein Korsett. 

"Ah... wie weich sie aussehen..."

Als er sich anstellte eine anzufassen, quiekte sie plötzlich auf und schlug seine Hand weg. "Kyaaah!"

"Was ist los?! Hab ich dir weh getan?!" Mit großen Augen schaute er sie erschrocken an. Dann blickte er auf ihre Brust, deren pfirsichfarbene Brustwarze sich merklich erhärtet hatte.

"Deine Hand ist so kalt!", erklärte Oscar ihm mit verzogener Miene.

"Oh, tut mir leid...", entschuldigte er sich, bevor sich ein schelmisches Lächeln in seinem Gesicht ausbreitete. "Dann kann ich wohl vorerst meine Hände nicht benutzen..."

"Hmm...", bejahte sie giggelnd.

"Na dann... bleib mir nur eines übrig..." 

Sie biss sich auf die Unterlippe und dachte daran, dass sich sein jungenhaftes Lächeln über all die Jahre nicht verändert hatte. Dass sie beide nun seit einem halben Jahr nicht mehr wie Geschwister oder enge Freunde, sondern Liebende waren, fühlte sich gleichzeitig wie ewig vertraut, und dennoch immer noch neu an.

Sie gluckste, während André ihre Brust sanft küsste und seine warme Zunge um ihre Brustwarze kreisen ließ, bevor er sich langsam über ihren flachen Bauch vorarbeitete. Um ihm das Ausziehen ihrer dunkelblauen Hose leichter zu machen, hob sie kurz ihr Becken an, bevor er ihre Knie auseinanderschob und sein Kopf zwischen ihren Beinen verschwand. Ihre Hände begannen wie automatisch seine Haare zu streicheln. Als er ihre geheimste Stelle zart mit der Zungenspitze liebkoste, lachte sie kurz auf, doch bald darauf änderte sich ihr Kichern in ein entspanntes Seufzen, wobei sich ihre langen, schlanken Finger immer mehr in Andrés dunklen Locken krallten. Wärme breitete sich allmählich in ihrem ganzen Körper aus, die ihre Seufzer steigerten und ihr Atmen in ein lustvolles Stöhnen übergehen ließ. 

"Hnn.. ah... An...dré..."

Sie drückte seinen Kopf weiter nach unten, um ihm mitzuteilen, dass er an der richtigen Stelle war. 

"Hmmm...", keuchte er genüsslich und seine Zunge kreiste noch einige Male weiter, bis sie von einer Welle erfasst wurde und glaubte dahin zu schmelzen.

Doch das war noch nicht genug. 

"André...", hauchte sie und breitete ihre Arme nach ihm aus.

André strich sich mit dem Daumen und Zeigefinger einmal über die Lippen, bevor er Oscars Mund küsste. "Oscar..." Vorsichtig drang er in sie ein und begann sich zu bewegen.
Ihre erröteten Wangen und wie fiebrig glänzenden Augen entfachten noch mehr Lust in ihm, während er sich rhythmisch so intensiv wie möglich in ihr Inneres stieß. Da sie länger nicht so intim miteinander gewesen waren, fiel es ihm schwer, sich zurückzuhalten.

"Oscar... kann ich...?

"Ja...", flüsterte sie mit süßer Stimme.

Vor seinem Höhepunkt schloss sie ihre Beine eng um ihn, damit er das Feuerwerk genauso stark spüren konnte, welches sie kurz zuvor auch erlebt hatte. Er ergoss sich stürmisch in ihr. 
Schwer atmend legte er sich auf sie, wobei sein Kopf auf ihrer Brust ruhte. Sie umarmte ihn zärtlich und streichelte über sein Haar. Bald darauf rückte er zu ihr, sodass sie einander ansehen konnten.

Seine dunklen Augen funkelten wie ein Sternenhimmel. "Ich liebe dich", sagte er und strich ihr eine Locke aus der Stirn.

Ihre wunderschönen blauen Augen glänzten ebenfalls. "Ich liebe dich auch."

Er legte seine Hand an ihren Kopf und zog sie ganz nah an sich heran. Sie konnte sein noch immer wild klopfendes Herz hören. Dann schlief sie in seinen starken Armen selig ein...

 

Als Oscar am nächsten Morgen aufwachte, sah sie, wie André mit einer Wolldecke über den Schultern vor dem Kamin hockte und Holz nachschob. Sie bedeckte ihren nackten Körper so gut es ging mit ihrer Decke und richtete sich etwas auf. "Guten Morgen..."

André drehte seinen Kopf über die Schulter und lächelte sie an. "Guten Morgen, Oscar. Es hat in der Nacht ziemlich viel geschneit. Draußen ist alles weiß."

"Oh wirklich?!" Sie stand auf und ging zum Fenster. Tatsächlich, die Lichtung sah in der frühen Morgensonne aus wie ein weiß glitzerndes Meer und auch die Tannen waren mit einer dicken Schicht Schnee bedeckt. "Die Landschaft sieht echt märchenhaft aus..."

"Ja, aber es ist sicher richtig kalt... Zieh´ dir was an, damit du dich nicht erkältest!", mahnte er.

"Ja, gleich...", lachte sie und legte sich seitlich auf die Matratze. "Mit all den Decken hier friere ich gar nicht."

"Gott sei Dank..." André stach mit der Eisenzange ein letztes Mal die Holzscheite in den Flammen zurecht, bevor er zu ihrem provisorischen Bett zurückging und sich unter die Decken an Oscars Rücken schmiegte. Sie blickte in das lodernde Feuer und genoss seine Umarmung von hinten. "Wenn du aber einen Tee willst, sag Bescheid. Der wärmt ja zusätzlich."

"Nicht jetzt, mit dir ist es gerade so kuschelig", zwinkerte Oscar. Sie war gerade wunschlos glücklich.

"Dann bleiben wir einfach noch so etwas liegen...", lächelte André und schob ihre Haare etwas zur Seite, um einen Kuss auf ihren Nacken zu platzieren. "Hmmm... deine Haut ist immer so weich... Und du riechst so gut...", murmelte er, während er mit der rechten Hand über ihre rechte Schulter und ihren Arm streichelte, womit er ihr eine wohlige Gänsehaut bescherte.

"Hihi, das ist wegen des Rosenöls, das ich immer benutze..."

"Aha..." Seine Hand setzte ihren Weg weiter über Oscars Hüfte über ihren Bauch fort. "Sehr verführerisch..." Sanft ergriff er eine von Oscars Brüsten und massierte diese begierig.

"Hnn...", entfuhr es ihr, als er dabei fest an ihrem Nacken saugte.

Zart knabberte er an ihrem Ohrläppchen, bevor er seine Zunge in ihre Ohrmuschel gleiten ließ. "Oscar..."

Ein angenehmes Kribbeln machte sich in ihrem Bauch bemerkbar. Sie drehte ihren Oberkörper so weit zu ihm, dass sie ihren Arm um seinen Hals legen konnte, um ihn zu küssen. Derweil strich seine Hand ihren Nabel nach unten hinab und sein Mittelfinger versank in ihr. Oscar seufzte auf, als er begann, sich wie in Zeitlupe zu kreisen und sie merklich feucht wurde.

Andrés Atem ging schwer an ihrem Ohr, während er immer wieder verlangend ihren Hals oder ihren Nacken küsste.

Bald darauf spürte sie seine Männlichkeit zwischen ihren Beinen, die um Einlass in ihr Inneres bat. "An...dré...", keuchte sie, "Mach... schnell..."

Er küsste sie noch einmal heftig, bevor er seine Spitze langsam in sie eintauchte und sich dann noch enger an sie presste, um sich ganz in sie zu begeben. "Ich... beweg mich jetzt...", raunte er. Seine Hüften fingen an sich kontrolliert vor und zurückzuschieben. Oscar entflohen süße Laute, als er sein Tempo anzog und dabei weiter ihre erogenste Stelle stimulierte.

"Aaaah..." Sie schloss vor Lust die Augen und überließ sich seinem Rhythmus. Als er seinen Winkel etwas änderte und dabei einen Punkt anstieß, der ihr ein sinnliches Vergnügen bereitete, das sie so bisher noch nicht gespürt hatte, konnte sie sich nicht mehr beherrschen. Ihre Stimme wurde vor Erregung dünner, bis ihr unter Andrés Liebkosungen von beiden Seiten die überwältigende Klimax ihr den Verstand raubte. Ihr Geliebter ergoss sich kurz nach ihr wie im Rausch und schlang automatisch die Arme um sie, damit er nicht von ihr getrennt würde, wenn er für einen kurzen Moment nicht vollkommen bei Sinnen war.

 

Nachdem sie beide noch einmal etwas geschlafen hatten, deckte André den Tisch und schüttete Tee in zwei Tassen. Auf ein paar Tellern waren verschiedene Essensreste serviert, die er unter anderem vom Abendessen aus der Küche entwendet hatte.

Oscar hatte sich gerade angezogen und setzte sich an den Tisch. Erfreut bemerkte André, dass sie die Rubinbrosche angesteckt hatte, die mit ihren saphierblauen Augen um die Wette funkelte.

Sie nippte an ihrem Tee, bevor sie sich Stück vom Berawecka nahm. "Dass wir davon noch was da hatten!", sagte sie begeistert und biss von dem Früchtebrot ab.

"Ich hab Heiligabend auf dem Markt bei dem Verkäufer aus dem Elsass noch zwei gekauft, bevor er seine Rückfahrt antreten wollte. Deine Eltern mögen es ja auch so gern."

"Ja, Mutter hat immer vom Berawecka geschwärmt, weil sie, als sie als Kind in Lothringen gelebt hat, zur Weihnachtszeit immer mit ihren Eltern ins Elsass gefahren sind, um es dort zu kaufen... Durch die Arbeit ist dieses Jahr die ganze Adventszeit aber irgendwie nur so an mir vorbeigeflogen... Hmm, es ist wirklich köstlich!"

André hatte sich auch ein bisschen genommen und kaute. "Ja, das Berawecka ist echt lecker..."

"Es wäre schön, wenn wir nächstes Jahr im Winter zusammen nach Straßburg oder Colmar fahren könnten... Für ein paar Tage, nur wir beide...", lächelte sie.

"Ja, das wäre wirklich schön."

 

Nach Mittag verließen sie die Jagdhütte und machten sich auf dem Weg zurück zum Anwesen der Jarjayes. Trotz der Kälte schien am azurblauen Himmel hell die Sonne über die weiche, weiße Schneelandschaft. 

"Gehen wir", sagte André und ergriff Oscars Hand. Bis ihr Elternhaus in Sicht kam, konnten sie noch ein bisschen ihre Zweisamkeit als Liebespaar auskosten.

Im Wald mit seinen hohen schneebedeckten Tannen war es ganz still, nur das Knatschen des Schnees war unter ihren Schuhen zu hören. Die Luft war frisch und ihr Atem war weiß. Beide schwiegen und wünschten, der Weg würde noch ewig dauern...

Als das Haus von Weitem zu erkennen war, lösten sie ihre Hände, während sie einander ein letztes Mal liebevoll anblickten. 

"Ich gehe ins Haus und mach mich für die Arbeit fertig. Du brauchst mich heute nicht nach Versailles zu fahren."

"Wirklich nicht?"

"Nein, ich werd selber hinreiten, weil ich noch nicht weiß, wie lange es heute dauert..."

"Ok... Ich mach dein Pferd dann fertig."

"Danke!" Oscar nickte ihm zu und ging Richtung Eingangstür. Sie drehte sich noch einmal um. "Für alles!"

Andrés Lippen umspielten ein glückliches Lächeln, während er mit einer Handbewegung abwiegelte.

 

In Versailles war Oscars Brosche augenblicklich ein Gesprächsthema. Jedem, der an der hochgewachsenen blonden Schönheit vorbeiging, fiel das Schmuckstück ins Auge, trug sie doch nie derartigen Schmuck und schon gar nicht einen Tag nach ihrem Geburtstag! Die adeligen Damen waren in Aufruhr. Von welchem Grafen hatte sie dieses recht schlichte, doch äußerst elegante Schmuckstück erhalten, das ihre Augen und Haare so derart bezaubernd betonte, als begegne man einer griechischen Göttin in Uniform?!

Die Herzoginnen und Gräfinnen bildeten gleich Grüppchen in den Gängen und Sälen und steckten die Köpfe hinter ihren Fächern zusammen. "Ist die Brosche etwa von einem Verehrer?" "Welcher Graf könnte ihr die wohl geschenkt haben?" "Hat sie die Absicht, bald zu heiraten?"

Oscar wartete mit den Damen in einem der Säle auf die Ankunft von Marie Antoinette, um sie zu grüßen, bevor sie in ihr Büro ging.

Natürlich fiel auch Marie Antoinette der eingefasste Rubin auf. "Oscar", sprach sie sie mit glockenheller Stimme an, "das ist wirklich eine schöne Brosche. Sie steht dir ganz ausgezeichnet!"

"Danke, Euer Majestät." Oscar neigte den Kopf ehrerbietig. 

"Ich hoffe, du hattest einen schönen Geburtstag."

"Ja, Euer Majestät."

Plötzlich preschte eine junge Gräfin nach vorn. "Oscar, sagt, von wem ist die Brosche? Ist sie von einem... Grafen? Werdet Ihr heiraten?"

"Aber, aber...", ermahnte Marie Antoinette diese. "Nicht so neugierig!"

"Fufufu...", lachte Oscar verschmitzt, "Die Brosche ist von einer mir sehr lieben, wichtigen Person. Alles andere überlasse ich Ihrer Fantasie..."

Damit wurde ein lautes Durcheinander ausgelöst. "Waaaas?!" "Welcher Graf ist es? Nun sagen Sie schon!" "Ich wollte Sie doch eigentlich heiraten!"

Marie Antoinette schaute nur irritiert zu, wie die Gräfinnen sich wilde Gedanken über diese "liebe, wichtige Person" machten. "Ich begebe mich für heute zurück in meine Gemächer, Oscar. Es war schön, dich zu sehen."

"Euer Majestät." Oscar verbeugte sich.

Die Königin schritt mit einigen Dienerinnen aus dem Saal und Oscar ließ den aufgescheuchten Adel, ohne sich noch einmal umzudrehen, zurück. 

 

Sie begab sich über einen einsamen Korridor zu ihrem Arbeitszimmer. Die Strahlen der untergehenden Sonne fielen durch die Fenster und warfen Oscars Schatten lang an die Wand. Sie hielt inne und trat nah an ein Fenster. Man konnte die kleine Schlosskapelle mit dem Glockenturm und dem Kreuz auf dem Dach sehen. Der Himmel über der Kapelle war in ein wunderbares Farbenspiel aus Rosa- und Violetttönen getaucht, fast als ob die Engel ihn gemalt hätten.

"Ob André den Himmel auch gerade sieht...?", dachte sie. 

Ihr Herz pochte. 

"André..."

Was er ihr für einen wunderbaren Geburtstag bereitet hatte! Wie er die Hütte, ihre Schlafstelle, Besteck und Essen vorbereitet hatte! Und als Krönung dieses kostspielige Geschenk... 

Sie vermisste seine Nähe bereits und sehnte sich danach, wenn Neujahr vorbei sein würde und sie endlich wieder mehr Zeit mit ihm verbringen könnte...

Oscar faltete die Hände ganz fest vor ihrer Brust, da wo die Brosche angesteckt war. Wie sehr er sich um sie kümmerte und ihr immer wieder seine Zuneigung zeigte! Und wie gesegnet sie sich schätzen durfte, ihm begegnet und die Auserwählte seiner tiefen Liebe zu sein! 

Freudentränen traten ihr in die Augen, als sie im Herzen Gott anrief und ihm dankte, dass er ihr auf Erden ein so großartiges Geschenk gemacht hatte. 

Das besondere, unersetzliche Geschenk namens "André Grandier".