Chapter Text
Bier, Couch, Musik. Genau so stellt sich Franz Leitmayr seinen Freitagabend vor. GEANAU SO. Nicht anders. Wenn auch die gemeinsamen Observierungen mit dem Ivo um dieselbe Uhrzeit gelegentlich recht amüsant waren, so wollte er die Freitagabende nicht immer so verbringen, denn so eine Couch war bequemer als ein Dienstwagen.
Doch lange hielt der Frieden nicht, grade als er so senierte, dass die Platte wohl bald umgedreht werden wollte, klingelte es an der Tür. Praktisch, denkt er, dann müsste er bloß einmal laufen.
Dann fiel im auf, dass er niemanden erwartete, das Menü Prospekt der Pizza lag neben dem Telefon, aber angerufen hatte er nie.
Die neue Panik aufgrund des fehlenden Abendessens verging aber schnell, vor der Tür stand nämlich ein Ivo, offensichtlich nicht aus dienstlichen Gründen, denn er hatte einen Topf dabei.
„Ich hab viel zu viel gekocht!“ stammelt der als Begrüßung, noch bevor der Franz den Mund geöffnet hat und drückt sich an ihm vorbei in die Küche und erzählt weiter.
Als Franz wieder in die Küche kommt hört er nur noch. „- und dann hab ich mir halt dacht, so wie ich meinen Franz kenn, hat der aa no nix gessen, gehst halt schnell ma nüber und dann ess ma zam“
„Sehr umsichtig“ , nickt Franz und beschließt nicht weiter über die Implikationen von „meinem Franz“ nachzudenken, macht nur Kopfschmerzen.
„Hast am End jetzt scho was gessen k‘apt?“, fragt der Ivo. Naa und wenn dann würde er eine Scheiß tun und es ihm sagen dass es so wäre. Ivo hatte den bedröppelten Hundeblick quasi erfunden, das tat sich Franz jetzt nicht an.
„Klar, fünf Gänge hats geben, Privatkoch, und die Claudia Schiffer war a dabei“ „Also Nein?“ „Nein“ Da strahlt der Ivo, neu, denkt sich der Franz, normalerweise wird er immer angeschnautzt wenn er nichts isst.
Dann deckt er wohl mal den Tisch, in die Küche darf er eh nicht wenn sein Kollege drinsteht.
„Magst du auch n Bier?“ „Des is Reis“ kam als Antwort „Und?“ „Da trinkt man Wein zu, findst net?“ Nee, eigendlich net, Bier passt zu allem. „Aha, Weiß oder Rot?“ „Rot“ so also, der Schlawiner wusste doch genau dass er zum Geburtstag eine sündhaft Teure Rotweinflasche von der Katrin bekommen hat, ehe sie sich trennenten.
Und Franz tat dem Ivo den gefallen, weil er extra rüber gekommen ist.
Und weil er den Ivo gerne bei sich hat.
„So alles wieder warm“ Ivo kommt mit dem dampfenden Topf aus der Küche. „Noch mehr warm“, mault Franz, es war die letzten Tage wirklich bruns heiß gewesen, draußen.
Aber die wärme störte ihn nicht mehr, sobald er einen Löffel nahm, das Essen war wirklich köstlich. „Lecker“ sagt er deswegen.
Komplimente verteilen muss er noch üben hat die Katrin gesagt, also fängt er jetzt mal beim Ivo an. „Danke“ Ivo strahlt schon wieder so komisch, der war doch sonst auch nicht so gut drauf. Vielleicht wollte er nicht so verbittert enden wie ihr letzter Täter, wirklich ein einsamer Grandler, eigentlich eine arme Sau, aber lange kein Grund seinen Nachbarn umzubringen. Fand zumindest der Franz.
Abstinenz war aber augenscheinlich nicht unter Ivos neuen Vorsetzten, denn er schenkt schon wieder nach.
„Ohne dich tät ich echt mal Verhungern“ sagt der Franz jetzt, „Wollt ja was bestellen, aber dann hab ichs doch vergessen“
„Dafür hast ja mich“ verschwörerisch zwinkert der Ivo über sein Weinglass.
Auch neu, dass der Ivo zwinkert, findet Franz, also ihn anzwinkert. Dem muss wirklich saulangweilig sein in seinem Singledarsein.
Und dann kams: „Jetzt wo die Katrin nimmer is, simmer wieder zu zwot. Einsam, zweisam aber immer noch allein“ Oha, war doch schlimmer als angenommen
„Schad eigendlich ich hab se gemocht. Die Katrin. Aber was nix is is hat nix oder wie des hoast. Aber dann sin mer jetzt wenigstens zu zweit allein. Ho i eh am libsten. Has-“ Jetzt muss Franz den Monolog aber wirklich unterbrechen, morgen wird’s seinem Kollegen wieder peinlich sein sich von seiner vulnerablen Seite gezeigt zu haben und dann herrscht immer diese peinlich berührte stille zwischen ihnen.
Franz mochte diese Stille nicht.
„Magst denn mal a weng a Glass Wasser mh? Komm“ sagte er und nahm Ivo das Weinglas weg. „Ej“, beschwert dieser sich und folgt seiner Bewegung, „Jetzt gibs halt wieder her, des is fei net witzig, ich halt doch paar Glässer Wein aus“ „Ja aber net innerhalb von ner Dreiviertel Stund, Ivo“ Franz hielt weiterhin das Glass hoch, was auch einwandfrei funktioniert dank der paar Zentimeter, die er größer war.
„Bist ja richtig“ lenkt Ivo ein, steht aber immer noch entschieden zu weit in Franz Persönlicher Zone. Aber er machte keine Anstalten zurückzutreten. Schien ihm fast zu gefallen so nah bei Franz zu stehen. Ohje war wohl wirklich schlimm mit der Einsamkeit.
Es war beim besten Willen nicht so als ob Franz diesen Gedanken nicht auch schon gehabt hatte, grade früher hat er ja nicht gerade selektiert bei seiner Panterwahl und der Ivo war der Einzige der seinen Beruf nachvollziehen kann
und der Ivo war der einzige der ihn so richtig kannte und aushalten konnte
und der Ivo sah verdammt gut aus, Grade jetzt in dem luftigen Hemd den geröteten Wangen und den Sommersprossen die durch die viele Sonne entstanden sind.
Und der Ivo war einfühlsam
und der Ivo war extra hergekommen, um ihm was zu essen zu bringen…
Und der Ivo war leider der heterosexuellste Mann, den sich der Franz nur vorstellen konnte.
Deshalb hat der Franz relativ früh beschlossen, dass das mit dem Traumpaar von der Mordkommission wohl eher nichts wird und sich damit abgefunden. Dachte er. Bis jetzt.
„Steht dir. Der Sommerlook“ Ivos Nase hatte sich noch mehr zu ihm bewegt. Jetzt sah man die Sommersprossen erst recht. Viele wussten nicht von Ivos Sommersprossen und Franz hinterfragte
wirklich, woher er das wusste? Standen sie sich öfter so nah?
Er hatte nichts dagegen stellt er fest.
Aber der Ivo war betrunken und obendrein einsam.
Franz wurde klar, dass er nichts von dem meinte, was er da sagte und Franz war nur Plan B. Oder überhaupt kein Plan. Nur da. Und dafür war sich Franz zu schade.
Ein Plan A musste her. Eine Frau. Und Franz hatte auch schon eine Kandidatin.
