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Ground Zero

Summary:

Altair hatte nie ein einfaches Leben. Durch die ständige Bedrohung durch die Templer wird es ihm auch nicht vereinfacht. Trotzdem findet er zwischen allen Intrigen und Gefahren gute Freunde, eine neue Familie und Begleiter für's Leben. Die Assassinenfamilie wächst stetig weiter und stellt regelmäßig den Zusammenhalt der Mitglieder auf die Probe.

Notes:

Diese Fanfiction gehört zu einem größeren Fanprojekt vom Autorenteam KiraKiraRevolution. Dazu zählen Fancomics, Fanarts und diese Fanfiction.

Das AU erstreckt sich über alle bisher erschienenen Spiele der Reihe und greift im Laufe ihrer (langen!) Geschichte viele der Charaktere auf, sodass für jeden etwas dabei herausspringt.
Zudem werden viele Genres bedient. Erwartet Fluff ebenso wie Crack, Romantik, Drama und auch ordentlich Assassinen-Templer-Action.

Die neuesten Updates gibt es regelmäßig hier: http://www.tumblr.com/blog/pretense-and-betrayal

Chapter Text

Jeder einzelne, so ist es nunmal, berührt das Leben eines anderen. Und jeder andere das des nächsten. Die Welt ist voller Geschichten und diese Geschichten sind eins. Manche hast du gekannt, manche vielleicht nicht, aber alle haben deinen Weg gekreuzt und sie haben ihn für alle Zeit verändert.
- Die fünf Menschen die dir im Himmel begegnen, Mitch Albom

Syrien, 05:17Uhr

Im Osten erhob sich langsam die Sonne und tauchte die Berge im Westen in ein sanftes Orange. Obwohl es noch früh war befand sich das ganze Dorf bereits in hellem Aufruhr. Überall wirbelten Frauen und Männer mit Schalen und Schüsseln voller Käse, Oliven, verschiedenem Gemüse, Pasten und frisch gebackenem Brot und Brötchen umher. Dazwischen Söhne und Töchter, die beim Eindecken und herrichten der Tafel halfen. Denn traditionell begann jeder Tag Punkt 5.30Uhr mit einem gemeinsamen Frühstück der Bruderschaft. Doch das heutige glich keinesfalls jedem Anderen.
Nach langer Abwesenheit war am Vorabend der Mentor zurückgekehrt. Zwei seiner Begleiter sollten im Laufe des Tages eintreffen. Sie hatten die Nachhut gebildet um eventuelle Spuren zu verwischen.
Wichtige Ordensangelegenheiten hatten zuvor die Anwesenheit Al Mualim's in Amerika erfordert. Mehr Informationen hatte niemand vor der Abreise bekommen. Und so hoffte jeder auf Neuigkeiten, wenngleich niemand es wagen würde direkt zu fragen. Trotz einem den modernen Zeiten besser angepassten Lebensstil pflegten die Bewohner hier noch alte, strengere Bräuche. Dazu gehörte unter Anderem eine streng hierarchische Rangordnung, wenngleich jeder gesellschaftlich gleichgestellt war.

Nach außen würde diese kleine Dorfgemeinschaft seltsam antiquiert wirken, doch die Mitglieder wählten dieses Leben für sich und ihre Familien. Zudem achtete ein jeder stets darauf, die Lage des Dorfes geheim zu halten. So gab es keinen Anschluss an Verkehrswege, Kommunikationsnetzwerke oder unnötigen Kontakt zur Außenwelt. Alles, was man zum Leben brauchte, wurde selbst angebaut und hergestellt.
Viel zu groß war die Gefahr von ihren Gegnern entdeckt zu werden.

„In Zeiten, in denen es schlecht um den Orden bestellt ist und die Templer uns auf Schritt und Tritt überwachen könnten, sobald wir zu viel Aufmerksamkeit erregen, können wir es uns nicht leisten sie zu einer unserer Siedlungen zu führen.“, predigte der Mentor oft.

Im Gegensatz zu den meisten Bewohnern dieser besonderen Siedlung, hatte Al Mualim mehr Wissen um die Geschehen im Rest der Welt. Doch wie viel er davon mitteilte hing ganz von der Situation ab.
Diente es dem Wohle der Bruderschaft, so war er bereit gewisse Informationen preiszugeben. Hielt er es für überflüssig, verließ er oft tagelang kaum sein Studierzimmer und vertiefte sich in Korrespondenzen, bis er es an der Zeit hielt, sein Wissen zu teilen.

Die einzige Verpflichtung, für die er stets eine Ausnahme machte, waren die Lektionen, die er seinen Schülern gab. Sie waren die jüngsten und vielversprechendsten Anwärter auf ihr zukünftiges Amt als Assassinen und der wichtigste Baustein für die Zukunft des Ordens. Ihre Ausbildung hatte höchste Priorität. Und so hielt Al Mualim es nur für angebracht, dass er sich als Mentor persönlich ihrer Bildung annehmen sollte. Wer sonst wäre ein besseres Beispiel für die erforderlichen Führungsqualitäten und ein Leben, gelebt im Schutze des Kredos.

„Haltet eure Klingen fern vom Fleisch Unschuldiger.
Verbergt euch in der Masse.
Gefährdet nicht die Bruderschaft.“

Diese Werte spiegelten sich in jeder Handlung eines jeden Einzelnen wider.
Von Kindesalter an lernte jeder das Kredo und seine Bedeutung für die Sicherheit und Zukunft ihrer Familien und Freunde.

Die Ausbildung gestaltete sich vielfältig und wurde mit großer Strenge zur Perfektion getrieben. Ab einem Alter von 10 Jahren bestand die Möglichkeit in den Rang eines Novizen aufzusteigen und ein anspruchsvolleres Training zu starten, dass sich nicht nur auf Ausdauer und Beweglichkeit beschränkte, sondern auch den Umgang mit Waffen beinhaltete.

Nun, da der Mentor zurückgekehrt war, würden die Ausbilder auch wieder Novizen und junge Assassinen vorschlagen können, die bereit waren weiter aufzusteigen und die Klinge der Assassinen zu tragen. Eine solche Zeremonie könnte letztendlich nicht ohne den Mentor stattfinden. Die daraus resultierende Anspannung aller Mitglieder war an diesem Morgen deutlich zu spüren.

Als Al Mualim von zwei Wachen begleitet den überdachten Platz betrat fiel Stille über die zuvor wuselnde Masse. Nach wenigen Augenblicken trat einer der ranghöchsten Ausbilder vor. „Friede sei mit Euch Meister.“
„Und mit euch.“
„Vergebt, wenn wir Euren Schlaf mit den Vorbereitungen gestört haben.“, doch der Mentor winkte nur milde lächelnd ab: „Keineswegs. Auf einer langen Reise ist ein gemeinsames Frühstück einer der Lichtpunkte in der Ferne.“
„Wir hoffen Ihr hattet eine angenehme Reise.“, sagte ein weiterer Ausbilder und bat Al Mualim den Platz am Kopf der Tafel an.
„Entsprechend der Umstände war die Reise so angenehm, wie sie es sein konnte, Labib“, erwiderte der Mentor und nahm Platz. Seine Wachen saßen ein wenig entfernt von ihm zu beiden Seiten.
Kurz darauf fanden sich alle um die Tafel ein und die Gespräche wurden wieder lebhafter. Im Laufe der Mahlzeit wurden Al Mualim die Neuigkeiten der letzten Wochen zugetragen, doch die Anspannung verlor sich nicht ganz. Irgendetwas schien nicht zu stimmen und als sich Al Mualim gegen Ende der Mahlzeit erhob um sich Gehör zu verschaffen war auch dem Letzten klar, dass dieses Irgendetwas sie alle betreffen würde.
„Meine Brüder und Schwestern, vielen Dank für die warme Begrüßung.“, der Mentor blickte ruhig in die Runde der Assassinen.
„Doch die Nachrichten, die ich heute bringe sind keineswegs so froh wie ich wünschte.“, er stockte kurz.
„Ganz im Gegenteil.“, dann fuhr er fort.
„Es scheint die Intrigen der Templer sind in dieses unser Land tiefer eingedrungen als geahnt. Schon bald, so vermuten unsere Brüder aus anderen Teilen der Welt, wird unweigerlich Leid, Krieg und Chaos unser Land beherrschen. Die Berge werden nicht länger ein sicherer Zufluchtsort für unseren Orden sein wenn Rebellen und Flüchtlinge nach einem Unterschlupf suchen.“
Al Mualim lief ein paar Schritte zu einer Seite und verschränkte die Arme hinter dem Körper.
„Darum wurde mir nahe gelegt, den Orden weiter südlich nach Jordanien zu verlegen.“
Er lief ein paar Schritte zur anderen Seite.
„Auch wenn das hieße, die Wurzeln unserer Gemeinde abzulegen und hinter uns zu lassen, so sagte man mir könne jedoch nicht allen meiner Brüder Asyl in Amerika beim Hauptsitz ermöglicht werden.“
Al Mualim schaute in einer schweifenden Bewegung über die Köpfe der erschütterten Assassinen.
„Die einzigst andere Möglichkeit wäre, diesen Orden komplett aufzulösen und über die gesamte Welt zu verteilen.“
Gerade als Al Mualim weitersprechen wollte öffnete sich das Tor unter lautem Ächzen und hinein taumelte ein mitgenommen aussehender Mann in kaum noch weißen Ornat.
Zwei Jungen sprangen sofort auf und wollten hinunter ins Dorf rennen, doch einer der Männer hielt sie auf: „Bleibt zurück.“ „Aber Meister Faheem!“ Ernst blickend sprach er genauso energisch weiter: „Altair, Abbas. Wir kümmern uns schon um ihn.“ Dann griff er eine Wasserflasche und eilten mit einigen Assassinen zum Tor. Hilflos blickten die Jungen einander an als um sie herum Tumult ausbrach.
Etwas war nicht so verlaufen wie geplant, so viel stand fest. Alle mussten nun in Windeseile für den Ernstfall bereit sein.

Kurz darauf ertönten auch schon die Hörner, welche das Dorf vor einem möglichen Angriff warnen sollten.
Einige der Frauen sammelten alle Kinder um sich, andere verteilten Waffen, Fackeln und Vorräte an die Novizen und jüngsten Assassinen, jeder Handgriff geübt und routiniert. Faheems Frau rief ihre zwei Söhne zu sich, dann wandte sie sich an Altair und Abbas. „Macht euch keine Sorgen, eure Väter werden schon bald wieder bei uns sein. Vielleicht ist es nur blinder Alarm.“, sagte sie mit einem sanften Lächeln das keiner der beiden wirklich glauben konnte. Aber vorerst würden sie das müssen.
Zusammen mit den anderen, die nicht kämpfen konnten oder durften, machten sie sich auf den Weg bergaufwärts Richtung der Höhlen, die sie in Notfällen als Versteck nutzen konnten. Hinter ihnen hörten sie die Stimme des Mentors, der ein paar Novizen befahl den verletzten Assassinen zu stützen und in Sicherheit zu bringen. Es wäre schwer zu sagen gewesen, wem der beiden Jungen ein größerer Stein vom Herzen gefallen war.

Schon bald waren ein paar Fackeln im Inneren der Höhlen entzündet und der Eingang bis auf eine kleine Öffnung verschlossen. Der stetige Luftzug war ein beruhigendes Zeichen dafür, dass es noch genug Öffnungen gab um weiter Atmen zu können. In einer Nische weiter im Inneren wurde ein provisorisches Lager für den Begleiter Al Mualims hergerichtet, dessen Ankunft für diesen Aufruhr verantwortlich war.
Nun saß der Mentor vor ihm. „Sprecht, Umar, was ist geschehen?“
Als Altair den Namen seines Vaters hörte konnte er nicht mehr an sich halten und stürzte zu seinem Vater. „Abee! Du bist zurück! Geht es dir gut?“
„Altair, mein Sohn. Mir geht es gut, mach dir keine Sorgen.“, dann schaute er wieder auf zu Al Mualim: „Aber ob man das auch über Ahmad sagen kann, das weiß ich nicht.“