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Fandoms:
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Characters:
Language:
Deutsch
Series:
Part 2 of Mit euren Flammen ziert
Stats:
Published:
2016-07-31
Updated:
2017-03-18
Words:
22,615
Chapters:
6/?
Comments:
22
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37
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510

Morgenstern

Chapter 6: Erklärungen

Chapter Text

"Hux."

General Hux verschränkte die Hände hinter dem Rücken. Unwillkürlich war er in der Shuttlekabine ein paar Schritte auf und ab gegangen, aber das beruhigte ihn nicht. Er blieb abrupt stehen, mit dem Rücken zum steuerbordseitigen Schott. Diese Position, direkt gegenüber von Kylo Rens Standort, erschien ihm angemessen konfrontativ.

"Ich verlange nicht viel, Kylo", sagte er. "Aber eine Erklärung wäre doch angebracht. Eine schlichte Erklärung für diese plötzliche Kursänderung. Der letzte Befehl des Obersten Anführers lautete, ich solle dich zu ihm bringen, damit du dein Training fortsetzen kannst. Ich weiß zwar nicht, was das für ein Training ist -"

Ren wollte etwas sagen, aber Hux hob abwehrend die Hand: "Ich will es auch gar nicht wissen. Ich habe Snokes Befehl befolgt, ohne Fragen zu stellen. Aber ich habe ein Recht darauf, zu erfahren, warum wir plötzlich auf dem Weg zu deinen Ritterfreunden sind!"

"Ich brauche ein Schwert", sagte Ren.

"Wozu? Ist dein altes nicht mehr gut genug?"

Kylo Ren sah ihn an und Hux fiel auf, dass Rens Hand auf seiner Hüfte lag, an der Stelle, wo ihn das Geschoss aus der Wookiee-Armbrust getroffen hatte.

Als hätte er Schmerzen.

"Ich habe mein Lichtschwert verloren", sagte Ren. "Sie hat – Es ist zerstört worden."

Hux kniff die Augen zusammen. "Du wirst ein Neues bekommen. Wo liegt das Problem?"

Ren lachte leise. Es war das wehmütigste Lachen, das Hux je gehört hatte. "Ja", sagte er, "ich werde ein Neues konstruieren. Sobald ich einen passenden Kristall gefunden habe."

"Du baust es selbst?"

"Das ist Tradition." Ren lehnte sich mit dem Rücken an die backbordseitige Sichtscheibe. "Ein Lichtschwert und sein Träger sind eins. Es wird nicht einfach, ein neues zu konstruieren. Es war ein Teil von mir."

Hux schwieg, ein wenig peinlich berührt von dieser Erklärung. Und Ren hatte nicht einmal den Anstand, seinem Blick auszuweichen.

Stattdessen wandte Hux sich ab und musterte die verschlossene Tür des Cockpits. "Woher bekommt man diese Kristalle?", fragte er. "Energiekristalle, richtig?"

"Kyberkristalle, um genau zu sein."

"Ich vermute, dass es sie nicht zu kaufen gibt."

Ren schüttelte den Kopf. "Es gibt eine Handvoll Planeten, die Kristalllagerstätten aufweisen. Aber nicht jeder Kyberkristall ist für jedes Schwert geeignet. Jeder hat seine eigenen Schwingungen."

Hux löste sich von seiner Position an der Wand. "Ich bin neugierig", sagte er, während er sich auf einen der freistehenden Plätze setzte. "War dein Kristall von Natur aus rot oder hast du -", er machte eine vage Handbewegung, "du weißt schon, hast du irgendetwas mit der Macht gemacht?"

Ren lächelte. Seine Hand strich über seine verwundete Seite. "Teils, teils", sagte er kryptisch. "Ich habe doch gesagt, es war ein Teil von mir."

"Es tut mir leid, dass du es verloren hast."

Ren nickte kurz. Dann kehrte er Hux den Rücken zu und blickte durch die Transparistahl-Scheibe, hinaus auf die seltsam unwirkliche Kulisse des Hyperraum-Tunnels. Der Anblick konnte einem ein klaustrophobes Gefühl geben, wenn man für so etwas anfällig war.

"Es gibt noch ein zweites Schwert", sagte Ren langsam. "Das Mädchen hat es. Ich weiß nicht, wie es in die Hände des Widerstands gefallen ist, aber es gehört mir. Es steht mir zu."

"Dann werden wir es zurückholen!"

"Noch nicht. Erst brauche ich wieder eine Waffe. Ein Schwert und einen Helm."

"Was ist auf Starkiller vorgefallen, Kylo? Bevor ich dich gefunden habe."

Ren antwortete nicht. Hux sah sein Gesicht im Fenster, aber er wurde nicht klug daraus. Er versuchte es noch einmal. "Ich sage dir, was ich schon weiß. Du warst mit einer Patrouille unterwegs, um dieses Mädchen Rey zu finden. Dann gab es die Explosion im Oszillator. Aber was hat sie verursacht? Und was ist danach passiert?"

Ren schaute auf. Sein Blick traf Hux' in der spiegelnden Scheibe. "Mein Vater war da."

"Wie bitte?"

"Mein Vater. Han Solo."

Es dauerte eine Weile, bis Hux die Begriffe Vater und Han Solo verarbeitet hatte. Sie ergaben weder getrennt voneinander, noch zusammen besonders viel Sinn. Zu allem Überfluss dachte Hux einen Augenblick lang an seinen eigenen Vater, den Commandanten - es war beschämend, wie sehr dieser primitive Instinkt in ihm verankert war. Dann erst sickerte wirklich ein, was Ren gesagt hatte. "Du meinst den Kriminellen?", fragte er. "Den Schmuggler Han Solo?"

"Mein Vater." Ren blickte durch die Scheibe in die schlierige Unwirklichkeit des Hyperraum-Tunnels. "Er war da, zusammen mit dem Verräter und dem Mädchen. Sie haben Sprengsätze im Oszillator deponiert. Der – Ein Wookiee war auch dabei. Und Han Solo - Hux, ich habe ihn getötet."

Wieder trafen sich ihre Blicke in der Scheibe. Wieder dauerte es einen Moment, bis Hux verstand.

Er versuchte sich vorzustellen, wie es wäre, den Satz auszusprechen Ich habe meinen Vater getötet.

Er vermochte es nicht.

"Es war eine Prüfung", sagte Ren. "Ich habe sie bestanden. Ich habe getan, was ich tun musste."

"Was für eine Prüfung? Von Snoke?"

Ren fuhr herum. "Von Snoke, von der Macht, vom Leben, ist das nicht gleichgültig? Es war notwendig! Es war der nächste Schritt."

"Ich verstehe."

Rens Blick veränderte sich und Hux fühlte sich von einem plötzlichen, scharfen Schmerz erfasst, der ihm fast den Atem nahm. Ren kniff die Augen zusammen und wandte sich hastig ab. Der rötliche Schein der Illuminatoren spielte über seine zerschnittene Wange.

Hux bemühte sich, seiner Stimme einen ruhigen Klang zu geben. "Erzähl mir, was dann passiert ist."

"Der Wookiee", sagte Ren heiser. "Er hat auf mich geschossen."

"Mit seiner Armbrust."

"Ja."

"Und dann?"

"Das Mädchen und der Verräter sind geflüchtet. Ich habe die Verfolgung aufgenommen. Es gab einen Kampf."

Hux hatte plötzlich eine Erkenntnis - es war so simpel, es hätte ihm früher einfallen können. Hiebwunden, die aussahen wie verbrannt. "Dann war es also ein Kampf mit dem Lichtschwert", sagte er. "Gegen das Mädchen? Wer ist sie, eine Jedi-Schülerin?"

Ren wandte sich um und knurrte. "Nicht, wenn ich es verhindern kann."

"Aber du hast mit ihr gefochten. Ein Duell."

"Es war kein Duell. In einem Duell hätte ich sie getötet. Ich wollte sie lebend, für Snoke."

Hux dachte an den erschreckenden Krater, den die Wookiee-Armbrust in Rens Körper gerissen hatte. Und dann Rens Körper, reglos im Schnee. "Wie konntest du überhaupt kämpfen, in diesem Zustand?"

"Ich habe versucht -" Ren schüttelte den Kopf. Ein Ausdruck von Verachtung huschte über sein Gesicht. "Ich habe versucht, das Mädchen auf unsere Seite zu bringen. Es ist mir nicht gelungen."

"Und der Sturmtruppler? FN-2487?"

"Was tut das zur Sache? Ich nehme an, er ist tot."

"Kylo." Hux sah ihn an. Er konnte nicht fassen, dass er plötzlich das Bedürfnis hatte, es zu sagen, aber er sagte es trotzdem. "Ich hätte deine Einschätzung nicht anzweifeln sollen, was dieses Mädchen betrifft. Du hattest Recht. Wenn ich – Wenn wir besser kooperiert hätten, hätten wir die Katastrophe vielleicht abwenden können."

Ren löste sich von seinem Platz an der Sichtscheibe. Einen Moment lang stand er wortlos, dann ging er nach vorne durch die Kabine, öffnete die Tür des Cockpits und verschwand dahinter.

Er kam lange Zeit nicht wieder.

 

Hux ließ das Flimsiplast der Hülle in seiner Hand knistern, während er mit den Lippen eine Zigarette aus der Packung fischte und den Kopf in den Nacken legte. Er sog an der Zigarette, die Spitze entzündete sich und Hux atmete tief ein. Der kleine Raum der Kombüse war leer und steril - aber das Belüftungssystem an der Decke gab Hux die Sicherheit, dass der Rauch nirgends hingelangte, wo er Alarm auslösen würde. Er fühlte sich müde und ausgelaugt, aber das war nicht der Grund, warum er diese Zigarette einfach brauchte.

Etwas Merkwürdiges ging mit ihm vor.

Es war nicht Teil seines Repertoires, sich zu entschuldigen.

Oder vielleicht wurde es Teil seines Repertoires, seit es Kylo Ren in seinem Leben gab. Und das wäre der Gipfel des Absurden, schließlich hatte er Kylo Ren vom ersten Moment an gehasst. Vermutlich hasste er ihn noch immer. Aber zugleich hatte er das unstillbare Bedürfnis, Ren nahe zu sein, ihn zu berühren, ihn anzusehen.

Ihn anzusehen.

Er war verloren gewesen, als er Rens Gesicht zum ersten Mal gesehen hatte. Alles, was danach gekommen war, war ein hilfloses Strampeln gegen das Unvermeidliche gewesen.

Und Hux wollte mehr.

Er wollte jeden Zentimeter dieser weißen Haut sehen, jede Schramme, jede Narbe, jedes Muttermal. Er stellte sich vor, wie Kylo Ren mit dem Rücken an der Transparistahl-Scheibe gelehnt war, gerade eben, die linke Hand gedankenverloren auf seiner Hüfte. Er stellte sich vor, die Hand auf diese Stelle zu pressen, mit sanftem Druck, bis er Ren ein Geräusch entlockt hatte. Bis er unter der frischen Narbe das Blut pulsieren spürte. Bis Ren unter seiner Hand bebte.

Und danach hätte er vermutlich das Bedürfnis gehabt, sich zu entschuldigen.

Hux zog an seiner Zigarette.

Das war alles nicht normal. Er sollte sich keine Gedanken darüber machen, wie Kylo Ren sich fühlte.

Starkiller, dachte er. Die Zerstörung von Starkiller hat etwas in mir zerstört.

Vor allem meine Vernunft.

Hux dämpfte die Zigarette aus und warf sie in den Abfallentsorger. Der Wassercontainer war leer, aber die Wasserrationen waren vorschriftsmäßig im Kombüsenschrank eingelagert. Hux öffnete eine Ration und trank einen Schluck, bevor er die Pillen aus der Tasche nahm und eine davon in den Mund schnippte. Dann trank er den Rest des Wassers.

Immerhin, es schmeckte frisch.

 

Das Shuttle glitt durch den Hyperraum und Hux hatte es satt, auf die rot-leuchtenden Kanten der Innenausstattung zu starren und zu warten, dass die Zeit verging. Mit einer Hand begann er, durch den Bericht zu scrollen, von dem Kylo Ren behauptet hatte, dass er nun überflüssig sei. Aber natürlich war es sinnlos, halbherzig auf Zahlen zu schauen, die er schon gesehen hatte - von denen er wusste, dass sie ihm nichts Neues vermitteln konnten. Er hatte schlicht nichts anderes zu tun, während er alleine in der Passagierkabine saß und die unheimliche Munterkeit, die ihm die Pille ermöglichte, irgendwie nutzen wollte.

"Was hast du genommen?" Ren ließ sich auf den Sitz neben ihn fallen.

Hux tat, als sei er auf das Datapad konzentriert, aber Ren fasste ihn am Kinn und drehte seinen Kopf zur Seite. Er musterte Hux mit gerunzelter Stirn. "Dein Blick ist noch verrückter als sonst. Du hättest dich schlafen legen sollen, statt Drogen zu nehmen."

"Ich habe eine ärztliche Verschreibung", sagte Hux. Er fühlte sich wie ein Idiot, aber er wollte sich rechtfertigen. "Abgesehen davon - glaubst du ernsthaft, ich trete einer Horde machtnutzender Schwertkämpfer wie ein Schlafwandler gegenüber?"

Ren schnaubte amüsiert. Hux legte das Datapad auf den Sitz neben sich.

"Also stimmt das? Die Ritter kämpfen mit dem Lichtschwert, so wie du?"

"Nur zwei meiner Brüder. Die anderen kommen – aus anderen Traditionen."

"Aber sie sind alle machtbegabt."

"Mehr oder weniger."

"Was bedeutet das?"

"Machtsensitivität äußert sich nicht immer als Begabung. So wie du das verstehst."

"Sondern?"

Ren antwortete nicht. Hux betrachtete ihn. "Wie fühlt es sich an, wenn man die Macht hat?"

"Darauf gibt es keine Antwort. Es ist für jeden anders."

"Kann ich mit den Rittern kommunizieren? Sind sie Menschen?"

"Ist das wichtig?"

"Ich frage aus Interesse."

"Hux." Rens Augen wurden dunkel. "Sie werden dich respektieren. Wer es nicht tut, wird dafür bezahlen."

"Ich fühle mich äußerst geschmeichelt. Und ein klein wenig beunruhigt."

"Beunruhigung", sagte Ren, "hat noch nie jemandem geschadet."

Sehr amüsant.

Hux schloss die Augen. "Es ist merkwürdig", sagte er, "als du kurz vorm Sterben warst, hatte ich den Eindruck, unsere Kommunikationsfähigkeit hätte sich verbessert. Aber seit du deine fünf Sinne wieder beisammen hast, bringst du mich regelmäßig auf die Palme."

"Wie bitte?"

"Eine Art Baum", sagte Hux ohne die Augen zu öffnen. "Ist nur eine humorvolle Metapher."

"Ich weiß, was eine Palme ist. Ich protestiere gegen die fünf Sinne, die ich angeblich habe. Ich habe mindestens sieben."

Hux blinzelte. "War das ein Scherz? Kylo-Rens-Humor-Hausmarke?"

"Hast du deinen Blaster bei dir?"

Überrascht schaute Hux auf. "Immer. Warum fragst du?" Er griff mit der Hand an seine Hüfte und tastete nach dem Halfter. "Ist es doch nicht so sicher bei den Herren Rittern?"

"Nein, es ist definitiv nicht sicher."

Ein Signal ertönte, und kurz darauf meldete der Captain des Shuttles, dass sie die Zielkoordinaten erreicht hatten.

Hux zog die Augenbrauen hoch.

"Landeanflug", bestätigte Ren.

 

Als Hux und Ren die Shuttlerampe herunter kamen, hatten sich die Ritter von Ren in loser Formation versammelt. Mit einer gewissen Missbilligung stellte Hux fest, dass die Ritter - was auch immer sie darstellten – jedenfalls keine rein militärische Organisation waren. Es irritierte ihn, dass die Angehörigen der kleinen Gruppe äußerst individuell bekleidet waren, mit allen Arten von Umhängen, Waffenröcken und Kampfkleidung, dazu fantasievolle Helme und ein Arsenal von Waffen, das Hux eher an Einzelkämpfern vermutet hätte: Äxte, Blasterkanonen, Hellebarden, Wurfgeschosse.

Die Gesichter der Ritter waren allesamt hinter Helmen verborgen, bei manchen der verhüllten Gestalten konnte Hux nicht einmal das Geschlecht eindeutig erkennen. Und das allgemeine Auftreten des halben Dutzends Kämpfer kam ihm völlig ungeordnet vor, offenbar konnten sich die Ritter nicht einmal darauf einigen, wie sie ihren Anführer begrüßten - von einem regulären militärischen Gruß konnte jedenfalls nicht die Rede sein.

Hux blieb stehen. Neben ihm war Kylo Ren ebenfalls zum Stehen gekommen und blickte von der leicht erhöhten Rampe des Shuttles über die versammelten Kämpfer.

Nach einem Moment des Abwartens löste sich ein groß gewachsener Ritter aus der Gruppe, ließ sich vor Kylo Ren auf ein Knie nieder und legte die Hand an sein Herz. Dann begann ein ganzer Reigen von Begrüßungsritualen: Neben dem Ritter, der zuerst gegrüßt hatte, kniete ein zweiter und drückte seine Stirn auf den Boden. Ein anderer Ritter, der einen kunstvoll geschlungenen Mantel trug, senkte schlicht den Kopf, während der bullige Mann hinter ihm eine komplizierte Geste mit der Hand vollführte. Ein weiterer kniete auf dem Boden nieder, und eine große, schlanke Gestalt, die Hux für weiblich hielt, grüßte mit einem Schlag der Faust gegen ihre gepanzerte Brust.

Hux drehte sich zu Kylo Ren, aber der stand nur schweigend da, als ob ihn der Anblick seiner Ritter überraschte oder überwältigte. Dann erst bemerkte Hux Rens funkelnde Augen, und als sich die Ritter einer nach dem anderen erhoben oder aufblickten, verstand er, dass etwas vorging – ein Gespräch, das er nicht hören konnte.

Gedankenkonversation.

Natürlich.

Seltsamerweise füllte diese Erkenntnis Hux mit absurder Eifersucht. Irgendwie hatte er angenommen, er sei der einzige, der diese Art von telepathischer Unterhaltung mit Kylo Ren pflegte. Aber das war natürlich Unsinn, schließlich lag es nahe, dass Machtnutzer auf diese Weise miteinander kommunizierten, und die Ritter von Ren waren nun einmal Kylo Rens engste Vertraute.

Im Unterschied zu Hux, der trotz aller gemeinsamen Abenteuer ein Außenstehender war - weder machtbegabt noch Teil einer spirituellen Bruderschaft noch sonst etwas.

Was zum wiederholten Mal die Frage aufwarf, was zum Teufel er eigentlich hier machte.

"Meister."

Diesmal war das Wort hörbar, wenn auch durch einen Vokabulator verzerrt. Der große Ritter trat vor, Ren streckte die Hand aus und der Mann beugte sich noch einmal nieder, um seine behelmte Stirn auf Rens Handrücken zu pressen.

Ren wartete, bis der Ritter sich wieder erhoben hatte. "Llewyn Ren", sagte er dann. "Ich freue mich, dich zu sehen. Ich freue mich, euch alle zu sehen."

Sehen, dachte Hux, war in Anbetracht der grotesken Helme relativ. Im Grunde konnte irgendjemand hinter den Gesichtsmasken stecken. Aber vielleicht spielten solche Äußerlichkeiten zwischen Machtbegabten gar keine Rolle. Hatte ein felusianischer Prophet nicht den berühmten Satz geprägt, Man sieht nur mit dem Herzen gut?

Hux unterdrückte sein Amüsement - gerade rechtzeitig, denn die Aufmerksamkeit richtete sich auf ihn. Kylo Ren hatte sich ihm zugewandt, und mehrere Ritter nickten wissend. Hux hatte das untrügliche Gefühl, es sei schon wieder tonlos gesprochen worden, diesmal über ihn.

Der Ritter, den Ren Llewyn genannt hatte, streckte ihm die Hand entgegen. "General", sagte er ausdruckslos. "Willkommen in unserem Kreis."

Hux erwiderte seinen Händedruck. "Ich danke Ihnen. Es war seit langem mein Wunsch, die Organisation kennenzulernen, die der Ersten Ordnung in der Vergangenheit unverzichtbare Dienste geleistet hat."

"Und weiterhin leisten wird, General, wenn es der Wille unseres Meisters ist."

Hux dachte einen Moment lang, der Ritter meine Supreme Leader Snoke, wenn er von einem Meister sprach. Aber dann wurde ihm bewusst, dass ja Kylo Ren der Anführer dieser Leute war. Er fragte sich, wie viel Macht das Kommando über die Ritter tatsächlich bedeutete.

Llewyn streckte die Hand in einer einladenden Geste aus. "Kommen Sie, General. Ich werde Ihnen Gesellschaft leisten, solange unser Meister unabkömmlich ist."

Hux wandte sich um. Ren stand in der Mitte seiner Ritter, und der Ausdruck auf seinem Gesicht war – verändert. Nachdenklich, aber auch gelöst, als fühle er sich endlich unter seinesgleichen. Unter Vermummten, die bis an die Zähne bewaffnet sind.

Hux wandte sich ab und suchte den Blick des fremden Ritters, den er irgendwo auf der Höhe des verspiegelten Visors vermutete. Der Helm des Ritters war schartig und zerbeult, als sei er mehr als einem tödlichen Hieb nur knapp entgangen. Hux traute sich keine Vermutung zu, ob es sich um einen jungen oder alten Mann handelte. "Unabkömmlich?", fragte er. "Bei welcher Art von Verpflichtung, wenn ich fragen darf?"

Llewyn trat näher heran. Seine Tracht ähnelte der von Kylo Ren, er trug eine dunkle, grobgewebte Kutte und darunter schmale lederne Beinkleider, die in hohen Stiefeln steckten. "Der Meister der Ritter von Ren hat keine Verpflichtungen als die, die er sich selbst auferlegt", erklärte er. "In diesem Fall ist es die Pflicht, seinen Brüdern und Schwestern nach einer langen Abwesenheit beizustehen. Ich kann Ihnen versichern, General Hux, dass Ihre Gegenwart dabei weder erforderlich noch für Sie selbst besonders ersprießlich wäre. Kommen Sie mit mir, ich führe Sie zu Ihrer Unterkunft."

Ersprießlich. Hux hielt sich für einen Menschen mit breitem Wortschatz, aber die Tage, an denen er das Wort ersprießlich gebraucht hatte, konnte er an einem Finger abzählen.

Er wandte sich um, aber Kylo Ren schien bereits in ein Gespräch vertieft.

Überflüssig und unersprießlich.

Er schüttelte den Gedanken ab und konzentrierte sich auf das vertraute Gewicht des Blasters an seinem Gürtel. "Ich komme", sagte er.

 

Ausgedörrte Böden. Karge Vegetation. Gräser, Buschwerk und föhren- oder pinienähnliche Gewächse. Die klimatische Analyse des Planeten lief vollautomatisch in Hux' Kopf ab, er sah das Ergebnis direkt vor sich, ganz ohne die Anzeige, die die Sturmtruppler auf der Innenseite ihrer Helme hatten: aride Sommermonate, geringe Niederschlagsmengen, ganzjährig milde Temperaturen.

Die kleine Siedlung, zu der Llewyn Ren ihn führte, gruppierte sich um eine Talsenke - Häuser oder besser Hütten, die an den bewaldeten Hängen rund um ein betoniertes Rollfeld erbaut worden waren. Diese Hütten, wie auch der kleine Flughangar und mehrere Gebäude, die wie Werkstätten aussahen, machten einen merkwürdig improvisierten Eindruck auf Hux, als hätte sich nie jemand die Mühe gemacht, etwas Dauerhaftes hier einzurichten. Er sah Wellblech, rostige Gitter, kunstlos zusammengelötete Stahlplatten. Ein Provisorium, das die Jahre überdauert hatte.

Oder Ausdruck einer Philosophie des Verzichts?

"Die Siedlung ist zweckmäßig", sagte Llewyn Ren. "Wir betrachten die Dinge des Lebens als vergänglich und unbedeutend, wie das Leben im Allgemeinen."

Es war das erste, was der Ritter zu Hux sagte, seit sie die anderen zurückgelassen hatten. Das Shuttle war nur wenige hundert Meter entfernt auf dem Kamm des Tales gelandet, aber je weiter sie die Hänge hinunterstiegen, desto mehr fühlte sich Hux von Ruhe und Einsamkeit umsponnen. Das Tal war definitiv still – obwohl die Niederlassung den Eindruck einer aufgelassenen Großbaustelle auf ihn machte.

Mit einem gelegentlichen Hauch von Treibstoffgeruch, der den Pinienduft überlagerte.

Hux musterte eine Ansammlung von Stahlfässern, die pittoresk vor sich hin rosteten. "Eine gewisse Beschränkung auf das Wesentliche kann man diesem Ort nicht absprechen."

"Sie meinen das zynisch, General."

"Ganz und gar nicht. Ich bin beeindruckt von den Parallelen zwischen einer gewissen – anhedonischen Grundhaltung ihres Ordens und der Müllhalde, die Sie hier bewohnen."

Llewyn Ren blieb stehen. "Anhedonisch bedeutet, den Freuden des Lebens abgeneigt." Es klang ein wenig zweifelnd.

"Ganz recht", bestätigte Hux.

"Dann haben Sie ein falsches Bild von uns. Wir üben uns bisweilen in strengem Verzicht, aber wir kennen keine Verbote. Kennen Sie den Spruch work hard, play hard?"

"Das ist ein überraschendes Motto für eine spirituelle Bruderschaft."

Llewyn gab einen Laut von sich, den Hux als Mischung aus Verachtung und Fassungslosigkeit interpretierte. "Es ist selbstverständlich nicht unser Motto. Ich wollte Ihnen lediglich etwas sagen, das Sie erfassen können."

Leicht zu provozieren, dachte Hux. "Besten Dank", sagte er, "aber ich habe keinerlei Interesse, mich mit Ihrer Philosophie auseinanderzusetzen."

Llewyn wandte sich ab und stieg weiter ins Tal hinunter. "Sie sind genau so, wie der Meister Sie beschrieben hat."

"Wie mich wer beschrieben hat? – Oh." Ren hatte ihn beschrieben? Wann, während des zweiminütigen Gedanken-Tratsches kurz nach der Landung?

"Das ist übrigens sein Haus", sagte Llewyn. "Lord Ren hat mich angewiesen, Sie hierher zu bringen." Er wies auf die Wellblechhütte zu ihrer Linken.

"Das ist Rens Haus? Ich meine, Kylo Rens Haus?"

Es sah aus wie der Unterstand eines Tankwarts auf Mos Eisley. Oder eines Schrottsammlers auf Jakku. Oder -

"Es ist ein zweckmäßiges Haus", sagte Llewyn Ren mit Betonung. Er machte eine Handbewegung und die Tür glitt auf. Dahinter lag ein kleiner Raum im Halbdunkel, Hux konnte eine Feuerstelle und eine Schlafstatt ausmachen. Kein richtiges Bett, keine richtige Heizung, vermutlich kein Vorratsschrank.

"Hübsch", sagte er. "Kann man hier auch etwas anderes tun als meditieren?"

"Sie können tun, was Ihnen beliebt. Das dürfen Sie übrigens tatsächlich als unser Motto ansehen."

"Tu, was du willst? Sehr originell." Hux schnaubte resigniert, aber er konnte seine Frustration nicht ganz verbergen. Er sollte überhaupt nicht hier sein. Er sollte auf Zeytar sein, dem Obersten Anführer Bericht erstatten und verdammt noch mal aufklären, was auf Starkiller Base schiefgegangen war.

"General."

Er fuhr zusammen, als ihm Llewyn die Hand auf die Schulter legte.

Der Ritter zog seine Hand zurück. "Haben Sie noch Wünsche oder Anweisungen an mich?" Er wartete einen Moment, aber da von Hux keine Antwort kam, ging er an ihm vorüber in die Hütte und ließ mit einer verschlungenen Geste das Feuer im Kamin aufflackern. Als er sich umwandte, züngelte der Schein der Flammen über seinen blanken Visor.

Und über den blanken Griff eines Lichtschwertes an seinem Gürtel. Interessant.

"Wissen Sie", sagte Hux, "ich habe ein seltsames Gefühl in der Gegenwart eines –" Er wollte sagen Menschen, besann sich aber eines besseren, "eines Wesens, dessen Gesicht ich noch nie gesehen habe."

"Warum? Was kann Ihnen mein Gesicht sagen, was Ihnen meine Worte nicht sagen können?"

"Nennen Sie es Neugier." Hux griff nach seinem Kragen und lockerte den Verschluss. "Kylo Ren erwähnte, es gäbe zwei weitere Brüder, die ein Lichtschwert führen. Sie sind einer davon."

Statt einer Antwort schlug der Ritter seinen Umhang zurück und ließ Hux das Schwert an seiner Seite sehen. Die Pose erschien Hux so arrogant wie kindisch. Aber immerhin gekonnt.

Er musterte den Mann. "Darf ich eine Frage stellen? Auch wenn ich schon als Skeptiker enttarnt worden bin?"

"Nur zu."

"Sie nennen Kylo Ihren Meister. Wie wird man dazu? Was muss man tun, um Meister der Ritter von Ren zu werden?"

"Wie sind Sie General geworden?"

"Ich bezweifle, dass man das vergleichen kann."

Die Maske sah ihm ins Gesicht. "Der Weg ist doch immer ähnlich: Man wartet auf eine Gelegenheit, oder man schafft sich eine. Nicht wahr?"

Hux trat an den Kamin. Die Wärme, die von den wohlriechenden Holzscheitern abstrahlte, ließ ihn spüren, dass es bei Sonnenuntergang kühl geworden war. "Ich kenne Ihre Gebräuche nicht", sagte er. "Es war lediglich eine Frage."

"Ich werde Sie jetzt alleine lassen, General. Verbringen Sie eine ruhige Nacht."

"Meine Nacht wäre ruhiger, wenn ich wüsste, wo Lord Ren sie verbringt." Hux wandte sich um.

"Das", sagte Llewyn, "müssen Sie wohl ihm selbst überlassen." Er neigte grüßend den Kopf. "Aber Sie können darauf vertrauen, dass Ihr Leben an diesem Ort so sicher ist wie an jedem anderen. Schlafen Sie wohl, General."

 

An Schlaf war natürlich nicht zu denken. Hux fühlte zwar bleierne Müdigkeit in seinem Körper – und, wie er sich einbildete, sogar in seinen Gehirnwindungen – aber die unselige Pille, die er auf dem Shuttle genommen hatte, hielt ihn mit sanfter Gewalt wach. Weil es aber doch sinnlos war, in der Mitte des Raumes zu stehen und auf Ren zu warten, zog er die flache Schlafmatte näher an den Kamin und machte es sich darauf bequem. Immerhin hatte er ein frisches Päckchen Zigaretten dabei, das er sorgfältig öffnete und sich genießerisch eine Zigarette anzündete.

Sollte Ren doch im Quadrat springen vor Ärger über den Rauch.

Als es dunkel wurde, verzichtete Hux darauf, Licht aufzudrehen, und starrte stattdessen ins Feuer. Es war ein urtümliches Gefühl, die Hitze der Flammen auf seinem Gesicht zu spüren, aber es war nicht unangenehm. Es hatte sogar einen eigenen Reiz, dem ständig wechselnden Spiel der Flammen zuzusehen.

Und es war auf primitive Weise beruhigend.

Bei der zweiten Zigarette streckte sich Hux auf der Matte aus, dann hatte er keine Lust mehr zu rauchen und schaute nur mehr in die tanzenden Flammen. Wenn er gewusst hätte, wie Meditation funktioniert, hätte er es an diesem Ort vielleicht sogar probiert.

Schritte.

Hux setzte sich auf und lauschte in die Dunkelheit. Zweifellos, Schritte vor dem Haus. Er griff nach seinem Blaster - die Schritte näherten sich der Tür. Dann öffnete sich der Mechanismus mit leisem Klicken, die Tür glitt auf und jemand trat ein.

"Kylo?"

Die Gestalt an der Tür erstarrte. "Kann ich herein kommen?"

Hux ließ den Blaster sinken. "Ja, sicher. Es ist dein Haus."

"Es ist niemandes Haus." Hux sah im Halbdunkel, wie Ren seinen Umhang ablegte und die Stiefel auszog. "Es ist nur ein besserer Unterstand."

"Auch gut", sagte er. "Ist alles in Ordnung mit dir?"

"Ja. - Ich wollte dich nicht wecken."

"Ich kann ohnehin nicht schlafen", sagte Hux, "die verdammte Chemie hält mich wach." Er verzichtete auf die Bemerkung, dass er in einer gottverlassenen Wellblechhütte umgeben von Sondermüll und bewaffneten Spinnern unter keinen Umständen der Welt hätte schlafen können. "Du kannst Licht machen, wenn du willst."

"Ich brauche kein Licht."

Die Stille im Raum sagte ihm, dass Ren sich nicht von der Stelle bewegt hatte. "Was ist los, Kylo?"

"Du findest es hier merkwürdig."

"Ungefähr so, wie ich es mir vorgestellt habe."

"Hast du mit Llewyn gesprochen?"

"Das war unvermeidbar." Hux tastete nach seinen Zigaretten. "Offenbar hört er sich gerne reden. Gibt es einen bestimmten Grund, dass du ihn auf mich angesetzt hast?"

"Hux?"

"Ja." Er zog an seiner Zigarette und lauschte auf das leise Knistern, als die Spitze sich entzündete. Aus dem Augenwinkel sah er, dass Ren barfuß zu ihm herübertappte, den Umhang in der Hand.

"Stört es dich, wenn ich neben dir schlafe?"

Hux streckte sich wieder auf der Matte aus. Dann blies er den Rauch ein wenig schuldbewusst in Richtung des Kaminfeuers. "Ich dachte, euer Motto ist Tu was du willst." Er rollte sich zur Seite und drehte Ren den Rücken zu. "Da mische ich mich nicht ein."

 

Er erwachte in der Dunkelheit, es fühlte sich an, als ob er aus tiefem Wasser auftauchte. Wann er eingeschlafen war, daran konnte er sich nicht erinnern, aber jetzt war es warm und jemand hatte eine Decke über ihn gebreitet.

Nicht seinen Mantel, sondern etwas mit mehr Gewicht –

Hux hielt den Atem an.

Es war keine Decke, die jemand über ihn gebreitet hatte, es war Kylo Rens Arm, der um ihn lag.

Er spürte nur Rens Arm um seine Hüften, Rens Hand, die seine Brust berührte – und eine Ahnung von Nähe, die fast unheimlich war.

Es fühlte sich an, als ob er in etwas Tiefem, Dunklem, Bodenlosem versank. Es war wohltuend und erschreckend zu gleichen Teilen, er hatte nicht die Willenskraft, etwas dagegen zu unternehmen.

Hux schloss die Augen und schlief wieder ein.

 

Notes:

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