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Archive Warning:
Category:
Fandoms:
Relationship:
Characters:
Additional Tags:
Language:
Deutsch
Series:
Part 1 of Mit euren Flammen ziert
Stats:
Published:
2016-04-19
Completed:
2016-07-10
Words:
36,121
Chapters:
11/11
Comments:
49
Kudos:
90
Bookmarks:
7
Hits:
1,328

Nachthimmel

Summary:

General Hux hat das Kommando auf Starkiller Base. Die Anwesenheit von Kylo Ren ist in jeder Hinsicht eine Störung.
Oder: Hux verfällt Ren - er weiß es nur noch nicht.

Faschistoide Romantik auf einer Massenvernichtungswaffe - only in the Kylux-Fandom. You have been warned.

Notes:

Ein dreifaches Hipp, Hipp, Hurra! für die großartige KrizzleMizzle, die sich mit ihren Beta-Künsten um die grammatikalische Korrektheit dieser Fic bemüht. Verbliebene Fehler sind ausschließlich meine.

(See the end of the work for more notes.)

Chapter 1: Erste Ordnung

Chapter Text

Am ersten Tag war alles gut.

Es war, strenggenommen, nicht der allererste Tag, den Hux auf Starkiller Base verbrachte, aber es war das erste Mal, dass auf diesem Eisklumpen von einer Basis die Rede sein konnte. Nach Jahren der Suche nach einem geeigneten Planeten, nach Monaten der Projektvorbereitung endlich Fortschritt: Im Herzen des Planeten waren die Fundamente gelegt für das größte, das leistungsfähigste Waffensystem aller Zeiten. Die Berechnungen standen, es war nur noch eine Frage der Zeit, bis Starkiller die Quintessenz des benachbarten Sternes in sich aufnehmen und sammeln würde, bis die Energiekollektoren ihre Arbeit aufnehmen konnten. Es war der Tag, an dem endlich die Lebenserhaltungsysteme so weit funktionsfähig waren, dass eine Kernmannschaft den Planeten beziehen konnte, um die Fertigstellung des Systems vor Ort zu überwachen.

Und Hux, General Hux, war mit dem Kommando der Basis betraut.

Sie standen vor dem Eingang zu den unterirdischen Anlagen, nur Hux, Phasma, und die leitenden Ingenieure. Der Zugang ins Innere des Planeten sah aus wie die Zufahrt zu einer öffentlichen Parkgarage, es war eisig kalt, und alle waren begeistert. (Vor ihnen, noch vor den Ingenieuren, waren die Scouts und die Schneetruppen dagewesen und hatten auf der Oberfläche alles ausgerottet, was an indigenen Lebensformen für Mensch oder Maschine schädlich sein konnte. Übrig blieb eisige, waldige, unbelebte Landschaft. Endlose, endlose Landschaft, und als Hux an diesem offiziell ersten Tag mit dem Shuttle gelandet war, hatte er die schneebedeckten Wälder fast schön gefunden.)

Trotzdem - nach einer Weile begann man hier draußen unweigerlich zu frieren. Der Wind kam in heftigen Böen, der Schnee stob meterhoch und trieb in glitzernden Flocken durch die Luft. (Warum hatte er nicht daran gedacht, seinen Mantel mitzunehmen? Wie zur Hölle kamen die Ingenieure hier zurecht?) An diesem Punkt machte einer der Techniker den Vorschlag, Hux möge ihnen doch die Ehre erweisen, ihren bescheidenen Unterstand zu besichtigen. Der "Unterstand" war das Oberflächenquartier der Ingenieure, von dem aus ein Großteil der Bauarbeiten geleitet worden war. Die Runde war sofort einig, dass man dieses legendäre Bauwerk unbedingt sehen müsse, und dann hatte man erst einmal ausgiebig den gut beheizten Unterstand besichtigt. Weil das Wetter immer schlechter wurde, stellte jemand Brandy auf den Tisch, und als es dunkel wurde tauchte auch Whisky auf.

Den Rest des Abends wurde nur mehr getrunken, warum auch nicht, es gab Grund zu feiern. Und wenn man ehrlich war - wer konnte versprechen, dass es irgendwann in nächster Zeit wieder etwas zu feiern geben würde?

Die Logik dahinter hatte Hux restlos überzeugt. Er hatte tatsächlich, seit seinen dümmsten Zeiten, nie mehr soviel getrunken wie an diesem Abend, und es hatte, auf eine vollkommen verantwortungslose Art und Weise, Spaß gemacht. Nach und nach waren auch die Offiziere aus dem Shuttle dazugekommen, und dann hatte die Disziplin doch einigermaßen gelitten. Hux hatte seinen Adjutanten zum Shuttle zurückgeschickt, um seinen Mantel zu holen, und Lieutenant Terius war unterwegs verlorengegangen und musste von einem Suchtrupp eingesammelt werden. Die Schneetruppler hatten zur Belohnung auch etwas zu trinken bekommen, es war eben der erste Tag, und ja, ab morgen würden diese Dinge nicht mehr vorkommen, nie mehr.

Was später noch alles passierte, daran erinnerte sich Hux nur mehr bruchstückhaft, einzelne Blitzlichter, wie Chefingenieur Valoros, der an den Griffen der Dachluke hängend Klimmzüge vorführte, und Captain Phasma, meine Güte‑

Hux kannte Phasma schon ewig und er wusste, dass die blonde Truppenkommandantin fast schon unheimlich trinkfest war. Dass sie sich an diesem Abend plötzlich an seinem Arm festhielt, um nicht umzukippen, bewies nur, dass sie noch mehr als der Rest von ihnen getrunken haben musste, und Hux verstand sofort, was Sache war. Er hatte also Phasma dezent nach draußen bugsiert und war mit ihr im Schnee gestanden, während sie sich die Seele aus dem Leib kotzte, das nennt man Kameradschaft. Danach ging es ihr schlagartig besser, sie klopfte Hux auf die Schulter und zog ab, mit einer dunkelhaarigen Technikerin aus dem Ingenieurkorps, die am Eingang des Unterstands auf sie wartete. Phasma eben.

Und dann, mitten der Nacht, niemand mehr nüchtern, hatten sie die Quartiere bezogen. Finstere, kalte Quartiere in den Eingeweiden des Planeten (es war natürlich weder finster noch kalt, die phänomenale Technik hatte schon an diesem ersten Tag phänomenal funktioniert), und hier, in den funkelnagelneuen Räumen der Kommandantenwohnung, verbrachte Hux seine erste Nacht auf Starkiller Base.

Alles war gut.

 

Der Traum kam aus dem Nichts. Er träumte von der Hitze auf Maru, und noch im Traum dachte Hux, dass solche Träume ohne Alkohol nicht zustande kommen, selbst wenn sie Erinnerungen sind. Er träumte, dass ihm jemand an diesem heißen Nachmittag auf Maru in einem schäbigen Straßencafe Gesellschaft geleistet hatte, dass sie eine Zigarette geteilt hatten, duftend und exotisch würzig. Der Mann hatte ihn über den Tisch hinweg angesehen, aus großen hellen Augen, schönen Augen, und Hux hatte die Zigarette aus dem Mund genommen und seinen Blick erwidert. Hux hatte die Zigarette zwischen Daumen und Zeigefinger gehalten und die glühende Spitze in die warme Haut des Mannes gedrückt, die weiße Haut seines nackten Unterarms. Er erinnerte sich an einen erstickten Laut, an das Zucken der fremden Hand unter seinem Griff, und dass die hellen Augen sich nicht von ihm abgewandt hatten, helle schöne Augen, er erinnerte sich -

 

Hux fuhr auf, als sein Kommunikator piepte, durchdringend und beharrlich, auf dem Fußboden neben dem Bett. Hux schlief nie so lang, dass die Nachrichten anderer Leute ihn aufweckten, und er ließ nie, nie sein Komm auf dem Boden liegen. Aber an diesem Morgen tastete er mit der Hand nach dem störenden Piepen, mit halbgeschlossenen Augen, weil sein Kopf zu sehr schmerzte, um die Augen ganz zu öffnen. Dann hustete er erst einmal (er hustete nie), und zwang sich die Augen zu öffnen. Der Bildschirm des Kommunikators war viel zu grell. Hux blinzelte: Eine Übertragung aus Snokes Hauptquartier.

Er setzte sich auf und war sofort hellwach.

Snokes Kommunikationsoffizier war am anderen Ende der Leitung.

"General Hux."

"Ich höre Sie, Major Dak."

"Der Oberste Anführer wünscht, dass Sie sich ehestmöglich zu einer Audienz im Konferenzraum einfinden. Ich werde eine Direktschaltung einrichten für – 0600?"

"Selbstverständlich. Ich werde da sein."

"Ich darf Ihnen meine persönlichen Glückwünsche für die Baufortschritte übermitteln, General."

"Ich danke Ihnen. Ich arbeite mit einem hervorragenden Team."

"So sagt man. Dak Ende."

Das Gespräch war beendet. Hux verfluchte sich und den gestrigen Abend, suchte nach der manuellen Lichtkontrolle, erinnerte sich an die Sprachsteuerung in den Quartieren. Verfluchte die Sprachsteuerung, bevor er das Licht manuell auf eine erträgliche Stärke stellte, und die Heizung wärmer (es war einfach zu kalt). Dann taumelte er in die Nasszelle und stellte sich unter die Dusche. (Wo waren die Dinge, die er von der Finalizer mitgebracht hatte, seine ganzen persönlichen Gegenstände? Sein Duschgel? Verdammt noch mal-) Er drehte die Dusche ab, tappte hinaus, fand zwei Taschen auf dem Boden neben dem Schrank, kramte mit nassen Händen nach seinem Waschzeug und tappte zurück unters Wasser. Wasser wenigstens war hier kein Mangel, Hux dreht es noch heißer als vorhin und fragte sich, was Snoke um diese Zeit von ihm wollte. (Heißes Wasser war das beste überhaupt, er hätte noch stundenlang unter der Dusche stehen können.) Wenn nur nicht Snoke gewesen wäre. Snoke für ihn persönlich.

Es konnte nur etwas Gutes sein.

 

Es konnte nichts Gutes sein.

Hux eilte den Korridor entlang. Supreme Leader Snoke meldete sich nicht mit Glückwünschen oder sonstigem Nonsense, das war nicht sein Stil. Snokes Stil war – Snokes Stil war im Grunde wie der Saal, in dem er seine Befehle übermittelte, kalt und unpersönlich (idiotischer Vergleich, dachte Hux, ein weiterer Beweis für die Schädlichkeit von Alkohol, er konnte ja kaum mehr klar denken).

Der Konferenzraum für die Audienzen mit Leader Snoke war einer der ersten Räume, die man auf der Basis fertiggestellt hatte, ein interessantes architektonisches Konzept, beruhend auf Snokes eigenen Wünschen. Eine Grotte, ein aus dem Felsen gehauener, unterirdischer Dom. Unpraktisch, gigantomanisch, ähnlich wie der Versammlungsraum auf Snokes mobiler Kommandobasis. Hux hatte die Planungen nicht hinterfragt, Snoke war auch ein spiritueller Führer, und von spirituellen Dingen, selbst wenn sie nur die Raumgestaltung betrafen, hielt Hux sich so weit wie möglich fern. Spiritualität tendierte zu Chaos und Unübersichtlichkeit. Dreißig Jahre lang hatte die sogenannte Macht keine Rolle für die politische Entwicklung gespielt, und nach Hux' Meinung durfte es gerne dabei bleiben. Die Galaxie brauchte Ordnung, und mit diesem phänomenalen, unfassbaren Waffensystem, an dem sie arbeiteten, würde Ordnung geschaffen, ein für allemal: Ordnung als Grundlage für Frieden und Wohlstand in der Galaxie.

Blieb nur zu hoffen, dass der Oberste Anführer das ebenso sah.

Hux blieb einen Augenblick stehen, als er das Doppeltor vor dem Versammlungsraum erreicht hatte. Nahm einen tiefen Atemzug, rückte seine Kappe zurecht und trat ein.

Das Halbdunkel des Saales umgab ihn wie eine mystische Aura, er dachte: Snokes Aura, und im selben Moment manifestierte sich am anderen Ende der Grotte Snokes Hologramm auf dem gigantischen Thron. Das Hologramm war überlebensgroß, riesenhaftes Abbild eines alten, mageren, narbenbedeckten Mannes. Was Snoke so verstümmelt hatte, wusste Hux nicht, und verschwendete auch keinen Gedanken darauf – er hatte sich an den Anblick gewöhnt.

Hux verneigte sich.

"Supreme Leader." Ein vertrautes Gefühl von Durchlässigkeit flutete ihn, als ob Snokes wässriger Blick ihn vollkommen durchdrang. Das Gefühl war an Scheußlichkeit kaum zu übertreffen.

"Kommen Sie näher, General. Ich bin hocherfreut, Sie zu sehen."

Hux hob den Kopf. Es war ihm, nach all der Zeit, noch immer fast körperlich unangenehm, sich dem Hologramm zu nähern. Er machte ein paar Schritte auf Snoke zu und verbeugte sich wieder.

"Kommen Sie nur, kommen Sie. Ich bin hochzufrieden mit Ihrer Arbeit, die Basis macht gute Fortschritte."

"Ich danke Ihnen."

"Ich bemerke nur das Offensichtliche. Ob die Waffe zeitgerecht einsatzbereit sein wird, muss sich erst zeigen."

"Ich kann Sie versichern, Oberster Anführer, dass bisher alles nach Plan verläuft. Ich darf sagen, wir sind sogar in manchen Dingen unserem Ablaufplan voran."

"Daran zweifle ich nicht. Aber die wirklichen Schwierigkeiten sind immer die unerwarteten, nicht wahr? Die, die man nicht einplanen kann?"

Hux blickte auf. Ein winziges, verzerrtes Lächeln hing auf Snokes narbigem Gesicht. "Sie werden erfreut sein zu erfahren, dass ich für diese Fälle weitere Unterstützung für Sie vorgesehen habe."

"Unterstützung", wiederholte Hux. "Das ist gut. Die Basis kann jede Art von Unterstützung gebrauchen."

"Hervorragend. Ich habe bereits alles in die Wege geleitet." Snokes riesige, knorrige Hände gestikulierten vor ihm durch die Luft. Hux bildete sich ein, die Bewegung allein verursache einen eisigen Luftzug im Raum. "In wenigen Minuten wird eine Fähre der Upsilon-Klasse um Landeerlaubnis ansuchen. Es hat Lord Ren an Bord, den Meister der Ritter von Ren. Meinen Schüler."

Hux starrte ihn an. Riesige, wässrige Augen blickten auf ihn herunter. "Ein Shuttle", wiederholte er stumpfsinnig. "Mit Ihrem Schüler."

"Sie haben mich verstanden. Kylo Ren. Er wird Ihnen hinfort bei Ihren Bemühungen zur Seite stehen, General. Das heißt, er wird Ihnen einen großen Teil der Arbeit abnehmen, wie ich hoffe. Ich habe Lord Ren zu Ihrem Co-Kommandanten ernannt. Das betrifft die Basis und die Finalizer, General."

Hux hörte und verstand jedes Wort, es war ihm klar, dass das in Wirklichkeit eine Entmachtung und eine absolut nachteilige Entwicklung für ihn war, nichts, was ihm in irgendeiner Weise helfen würde. Er brauchte niemanden, der ihm mit irgendetwas half, und schon gar keinen sogenannten Schüler. Schon gar keinen Ritter irgendeines esoterischen Ordens, vielen Dank. Aber Hux war nicht General der Ersten Ordnung geworden, indem er seine Überlegungen und Gefühle bei erster Gelegenheit äußerte, also nickte er und fuhr sich mit der Zunge über die Lippen, die plötzlich staubtrocken waren. Es dauerte den Bruchteil einer Sekunde, dann hatte er sich gefangen. "Es wird mir eine Ehre sein, Lord Ren auf der Basis willkommen zu heißen. Ich werde ein angemessenes Quartier für ihn einrichten lassen."

"Auch auf der Finalizer, General."

Auf der Finalizer. Auf meinem Schiff. "Selbstverständlich, Leader Snoke. Ich danke Ihnen für die Erinnerung."

"Ja", sagte Snoke, "Sie schulden mir Dank. Für alles. Sie wissen es."

Dabei nickte er, das Hologramm flackerte und verschwand und Hux stand in der Mitte des Saales und empfand wie eisig, eisig kalt es hier war. Und ja, er schuldete Snoke Dank, für seinen Rang, für seine Aufgabe, für die Tatsache, dass er hier stand. Das war, im Grunde, das Schlimmste.

 

Hux wartete im Inneren der Basis, bis das Shuttle tatsächlich gelandet war und den Druckausgleich durchgeführt hatte. Dann erst trat er hinaus ins Freie, um Lord Ren zu empfangen. Die endlose Schneelandschaft des Planeten lag strahlend weiß unter der Morgensonne und Hux hatte den Gedanken, Das ist meine Basis. Genaugenommen hatte er den Gedanken, man müsse jetzt, genau jetzt das Feuer eröffnen, noch während sich die Rampe der Fähre öffnete, eine gut gezielte Blastersalve und das Problem Kylo Ren wäre beseitigt, noch bevor es sich richtig verwirklichen konnte. Aber natürlich wäre das ein wahnwitziger Akt der Meuterei, keine Lösung, für nichts.

Hux richtete seinen Nacken gerade und kapitulierte vor dem Unvermeidlichen.

Der Mann, der die Rampe herunterkam, trug einen Vollvisierhelm und die bodenlange Robe eines spirituellen Ordens. Jedenfalls war das Hux' erste Assoziation, Snoke hatte ihm keinerlei weitere Informationen übermittelt. Über die Ritter von Ren wusste er nur soviel, wie allgemein bekannt war - dass es sich um eine Organisation (Hux dachte: eine Sekte) von machtsensitiven Individuen handelte, die in großer Geheimhaltung äußerst geheime Ziele verfolgten. Das Konzept geheimer Ziele, von denen er selbst keine Kenntnis hatte, war General Hux grundsätzlich zuwider. Dass die dunkle Seite der Macht für den Obersten Anführer eine wichtige Rolle spielte, war ihm nicht unbekannt, er hatte nur für sich beschlossen, diese Tatsache so gut es ging zu ignorieren. Ganz offensichtlich war jetzt der Punkt erreicht, an dem sie sich nicht mehr ignorieren ließ. Genau genommen stand sie vor ihm, in Gestalt dieses merkwürdigen, schweigsamen Geschöpfes, von dem nichts zu erkennen war als ein beeindruckender Körperbau (groß, dachte Hux, größer als ich) – und offenbar die Absicht, seinen Helm nicht abzunehmen.

Hux sprang über seinen Schatten. "Willkommen auf Starkiller Base, Lord Ren." Er streckte die Hand aus und war fast überrascht, als die dunkle Gestalt seinen Handschlag erwiderte. Der Händedruck war nicht einmal unangenehm.

"General Hux. Sie wirken ehrlich erfreut über meine Ankunft."

Die Stimme aus dem Vokabulator des Helms klang so flach, dass es fast unmöglich war, eine Stimmung herauszuhören. War das Sarkasmus in Rens Stimme?

"Leader Snoke hat mir Ihre Ankunft gerade erst angekündigt, Lord Ren, aber ich hatte noch Zeit –"

Ren wartete nicht ab, bis Hux seinen Satz beendet hatte, sondern drehte sich zur Seite und ging, nein: schritt mit wehendem Umhang voran. Hux eilte ihm nach, ins Innere der Basis. "Was ich sagen wollte, Lord Ren. Ich hatte noch Zeit, entsprechende Vorkehrungen zu treffen."

"Scharfschützen?"

Was zum Teufel-? Hux ignorierte die Spitze, er würde später darüber nachdenken. "Ihre Bemerkung ist amüsant. Ich meinte, ich habe ein Quartier für Sie vorbereitet."

"Das ist erfreulich. Ihre Loyalität ist bewundernswert."

"Meine Loyalität gilt ausschließlich der Ersten Ordnung, und ihrem Obersten Anführer." Nicht irgendwelchen Schülern.

Kylo Ren blieb stehen und wandte sich ihm zu. Obwohl Hux die Augen hinter der Maske nicht sehen konnte, hatte er das untrügliche Gefühl, dass sie genau auf ihn gerichtet waren, es war, als könne er den Blick spüren. Mehr als das, er hatte plötzlich ein ähnliches Gefühl von Durchlässigkeit, wie er es gegenüber Snoke bisweilen spürte. "Ich denke", sagte Ren, "wir verstehen einander. Und ich wäre Ihnen sehr verbunden, wenn Sie mir ein Quartier zuweisen. Ich brauche Zeit für die Meditation."

"Meditation. Gewiss." So hatte Hux sich das vorgestellt, genau so. Abergläubischer Nonsens vom ersten Tag an. Er zwang sich zu einem Lächeln. "Mein Adjutant wird Sie zu Ihrem Quartier führen. Lieutenant Terius."

"Gut."

Die Maske sah ihn noch immer an. Es war beunruhigend, auf eine Art und Weise, die sich Hux schwer erklären konnte. Es war nicht der Vollvisierhelm, er war tagtäglich von Soldaten in Vollvisierhelmen umgeben. Es war die Art, wie die Maske ihn ansah, aus unsichtbaren Augen, die Hux dennoch auf sich spürte.

"Sie haben Fragen an mich, General."

Einen Moment lang hatte Hux das Gefühl, dass Ren nicht ganz sicher auf den Beinen sei, aber vielleicht hatte er nur sein Gewicht verlagert.

"Ich denke, es gibt einiges zu klären. Wenn es Ihnen Recht ist, können wir heute Abend beim Essen organisatorische Dinge besprechen."

"Ich ziehe es vor, in meinem Quartier zu essen."

"Ich verstehe."

"Allein."

Hux sah aus dem Augenwinkel, wie sein Adjutant die Augenbrauen hochzog. "Ich richte mich nach Ihnen, Lord Ren. Sie geben mir Bescheid, wenn Sie bereit sind für eine Lagebesprechung."

Ren nickte kurz. Dann wandte er sich um und verschwand den Korridor entlang. Etwas an seinem Gang erschien Hux – unregelmäßig, aber vielleicht gehörte das alles zum großen Auftritt. Die wallende Robe sorgte jedenfalls für Dramatik. "Lieutenant. Gehen Sie ihm nach und sorgen Sie dafür, dass er im richtigen Zimmer landet. Und alles bekommt, was er braucht. Was auch immer das sein mag."

"Ich werde Ihnen berichten." Terius, mit einem leicht panischen Gesichtsausdruck, lief Ren hinterher.

Hux zog sein Komm aus der Tasche. 0752. Was war der nächste Punkt auf dem Plan? 0800, Tagesbesprechung mit der Bauleitung. Das ließ knapp Zeit für eine Tasse Kaffee. Oder zwei.

 

Als Terius zurückkam, saß Hux noch immer in der Baubesprechung. Ausgerechnet heute hatte jemand das Thema der Instabilität von Hyperraum-Tunneln aufgebracht, eine unendliche Debatte. Hux entschuldigte sich und ging mit seinem Adjutanten hinaus auf den Korridor, um zu hören, was Ren gewollt hatte.

"Er braucht ein paar Einrichtungsgegenstände. Ich habe eine Liste gemacht."

"Und hat er –" Hux machte eine Handbewegung quer übers Gesicht.

Terius schüttelte den Kopf. "Er hat den Helm nicht abgenommen."

"Auch gut." Es war natürlich nicht gut. Welcher Verrückte lief in seinem eigenen Quartier mit einer Maske herum, es sei denn, es handelte sich um eine medizinische Notwendigkeit? Hux kniff die Augen zusammen. "Hat er sonst etwas gesagt?"

"Lord Ren? Es tut mir leid, General, nichts. Er ist eher – der schweigsame Typ."

"Gut. Gut. Ich danke Ihnen, Lieutenant."

Terius salutierte und machte auf dem Absatz kehrt. Hux mochte den jungen Mann, er war loyal und vernünftig, nur manchmal etwas zu gut gelaunt.

Und dann erlaubte er sich den Gedanken: Alles Schwachsinn mit dieser verdammten Macht und ihren sogenannten Schülern und Meistern und was auch immer.

Die einzige Macht in der Galaxie, die irgendeine reale Bedeutung haben würde, war Starkiller Base.

Seine Basis.

Und Hux würde sich sein Kommando von niemandem streitig machen lassen.